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Camphen: Das waldige Terpen in Cannabis und seine Wirkung

Reife Cannabisblüte auf moosigem Waldboden, umgeben von Kiefernnadeln und Nadelwald im warmen Morgenlicht.

Wichtigste Erkenntnisse

6 Minuten Lesezeit
  • Camphen (C10H16) ist ein bicyclisches Monoterpen mit waldig-kampferartigem Geruch, das unter anderem in Cannabis, Rosmarin und Nadelgehölzen vorkommt.
  • In Cannabis tritt Camphen meist als Nebenbestandteil auf. Terpene wie Myrcen oder Limonen kommen in analytisch untersuchten Proben häufig in höheren Anteilen vor.
  • Präklinische Studien an Zellen und Tieren geben Hinweise auf mögliche Effekte im Lipidstoffwechsel und an bestimmten neuronalen Kanälen im Gehirn. Eine therapeutische Wirksamkeit beim Menschen ist bislang nicht belegt.
  • Camphen ist nicht dasselbe wie Campher. Campher enthält Sauerstoff und hat die Formel C10H16O.
  • Der normale Siedepunkt liegt bei ungefähr 156 bis 161 °C. Eine separate feste "Verdampfungstemperatur" lässt sich physikalisch nicht sinnvoll angeben, weil Camphen bereits unterhalb des Siedepunkts verdunsten kann.

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Camphen ist eines der weniger bekannten Terpene in Cannabis, doch sein charakteristisch waldiger und kampferartiger Duft macht es unverwechselbar. Wie Limonen oder Myrcen trägt es zum Aromaprofil der Pflanze bei, allerdings in der Regel in kleineren Mengen. Messungen verschiedener Sorten von Cannabis zeigen, dass Camphen meist nur einen kleinen Anteil des gesamten Terpenprofils ausmacht (1,2). Was es dabei chemisch und biologisch besonders macht, zeigt ein genauerer Blick auf seine Struktur und sein Zusammenspiel mit dem Endocannabinoid-System.

Die chemischen Eigenschaften von Camphen

Camphen ist ein bicyclisches Monoterpen mit der Summenformel C10H16 und einer molaren Masse von rund 136,23 g/mol. "Bicyclisch" bedeutet: Das Kohlenstoffgerüst enthält zwei miteinander verbundene Ringstrukturen. Bei Raumtemperatur liegt der Stoff als farbloser bis weißlicher Feststoff vor (3).

Camphen darf nicht mit Campher verwechselt werden. Campher enthält Sauerstoff und hat die Formel C10H16O. Beide Stoffe riechen ähnlich kampferartig, sind aber chemisch verschieden. Industriell kann Camphen als Zwischenprodukt zur Herstellung von synthetischem Campher dienen (3,4).

Siedepunkt

Der normale Siedepunkt liegt je nach Quelle bei ungefähr 156 bis 161 °C (3). Eine einzelne feste "Verdampfungstemperatur" zu benennen vor allem für die Nutzer von Vaporisatoren ist physikalisch nicht sinnvoll: Camphen verdunstet bereits unterhalb seines Siedepunkts. Der Siedepunkt beschreibt ausschließlich den Zustand, bei dem der Dampfdruck unter gegebenen Druckbedingungen für das Sieden ausreicht.

Natürliches und synthetisches Camphen

In Pflanzen entsteht Camphen über die natürliche Terpenbiosynthese. Industriell wird es häufig durch Isomerisierung von α-Pinen mit sauren Katalysatoren gewonnen und als Ausgangsstoff für Duftstoffe und Campher verwendet (4). Die Grundstruktur des Moleküls ist dabei prinzipiell dieselbe; Unterschiede können bei Isomerenverhältnis, Reinheit und Begleitstoffen bestehen. In der EU ist Camphen zudem als Aromastoff unter FLAVIS 01.009 gelistet (5). Für Lebensmittel, Kosmetika und Cannabisprodukte gelten aber jeweils eigene Vorschriften. Anbauvereinigungen dürfen nach § 21 KCanG kein Cannabis weitergeben, das mit "sonstigen Zusätzen" vermischt wurde.

Braune Laborflasche mit klarer Flüssigkeit neben einem Nadelzweig, Rosmarin und Harzkristallen auf einer hellen Steinoberfläche.


KI-generiertes Bild - Bildkonzept und Redaktion von weed.de

Camphen im Vergleich mit anderen Cannabis-Terpenen

Camphen unterscheidet sich von anderen bekannten Cannabis-Terpenen vor allem durch sein Geruchsprofil und seinen in der Regel geringen Anteil in analytisch untersuchten Proben (1,2).


VerbindungChemische KlasseDuftprofilTypische Rolle in Cannabis
CamphenBicyclisches MonoterpenWaldig, kampferartigMeist Nebenbestandteil
MyrcenAcyclisches MonoterpenErdig, kräuterartigHäufig dominierend
LimonenMonocyclisches MonoterpenZitrusartigOft deutlich stärker vertreten
LinaloolSauerstoffhaltiges MonoterpenoidBlumigVariiert nach Chemovar


In einer Untersuchung von fünf Cannabis-Cultivaren entfielen z.B. bei einer THC-Sorte 25,0 % des flüchtigen Profils auf Myrcen, aber nur 0,2 % auf Camphen. Bei einer CBD-lastigen Sorte waren es 40,8 % Myrcen gegenüber 0,3 % Camphen (2).

In welchen Pflanzen und Cannabis-Sorten kommt Camphen vor?

Neben Cannabis findet sich Camphen unter anderem in Rosmarin, Salbei, Ingwer und verschiedenen Nadelgehölzen. Die Konzentrationen schwanken stark je nach Herkunft, Ernte und Analysemethode.

Im Cannabis wurde Camphen in verschiedenen Chemotypen und Sorten nachgewiesen. Sortennamen allein garantieren dabei kein bestimmtes Terpenprofil. Anbau, Trocknung und Lagerung beeinflussen die Zusammensetzung erheblich (1,2).

Die Werte stammen aus Studien mit unterschiedlichen Methoden und sind daher nicht direkt miteinander vergleichbar.

Vogelperspektive auf Rosmarin, Salbei, Ingwer, einen Nadelzweig und eine Cannabisblüte auf dunklem Holz.


KI-generiertes Bild - Bildkonzept und Redaktion von weed.de

Was sagt die Forschung zu den Eigenschaften von Camphen?

Alle bekannten Forschungsbefunde zu Camphen stammen bislang aus Zell- und Tiermodellen. Das ist ein wichtiger Unterschied zu klinischen Studien am Menschen: Ergebnisse aus Labortieren oder Zellkulturen lassen sich nicht automatisch auf Menschen übertragen.

Cholesterin und Lipidstoffwechsel

Eine Studie aus dem Jahr 2011 verabreichte experimentell hyperlipidämischen Ratten Camphen in einer Dosis von 30 µg pro Gramm Körpergewicht. Die Forschenden berichteten von einer Reduktion des Gesamtcholesterins um 54,5 %, des LDL-Cholesterins um 54 % und der Triglyceride um 34,5 % im Vergleich zur Kontrollgruppe. Ergänzende Zellversuche mit HepG2-Leberzellen untersuchten anschließend mögliche Mechanismen im Lipidstoffwechsel (6,7). Klinische Daten am Menschen liegen nicht vor, und aus diesen Tierbefunden lässt sich keine cholesterinsenkende Wirkung beim Menschen ableiten. Vor allem kann man hier nicht auf eine relevante Wirkung von Camphen in Cannabis schließen, da die Mengen vergleichsweise gering sind.

Oxidativer Stress

In einem In-vitro-Versuch mit Alveolarmakrophagen aus Ratten beeinflusste Camphen mehrere Marker unter künstlich erzeugtem oxidativem Stress, darunter Glutathion und Superoxiddismutase (8). Auch diese Erkenntnisse sind ausschließlich präklinisch und erlauben keine Rückschlüsse auf Wirkungen beim Menschen.

Drei erwachsene Forschende untersuchen kleine Probengefäße und eine Cannabisprobe an einem Analysegerät im Labor.


KI-generiertes Bild - Bildkonzept und Redaktion von weed.de

CaV3.2-Calciumkanäle und Schmerzforschung

Eine 2021 veröffentlichte Studie untersuchte isoliertes Camphen an sogenannten T-Typ-Calciumkanälen (CaV3.2), die an der neuronalen Schmerzverarbeitung beteiligt sind (9). In Mausmodellen, bei denen die Substanz direkt in den Rückenmarkskanal verabreicht wurde, reduzierten sich bestimmte schmerzbezogene Verhaltensreaktionen. Tiere ohne funktionalen CaV3.2-Kanal zeigten diesen Effekt kaum. Dieser Verabreichungsweg unterscheidet sich grundlegend von der Inhalation oder oralen Aufnahme von Cannabis und schränkt die Übertragbarkeit der Befunde zusätzlich ein. Einen direkten Nachweis therapeutischer Wirksamkeit beim Menschen liefert jedoch auch diese Studie nicht.

Cannabinoidrezeptoren

Ein belegter Effekt von isoliertem Camphen an CB1- oder CB2-Rezeptoren existiert nicht. Eine ältere Untersuchung von Cannabisrauch fand keinen signifikanten Unterschied in der CB1-Bindungsaktivität zwischen reinem THC und Gesamtextrakten, aus dem sich eine spezifische Camphen-Wirkung ableiten ließe (10). Camphen wurde in dieser Studie nicht direkt auf Rezeptorebene getestet; der fehlende Nachweis ist damit kein expliziter Negativbefund, sondern ein Forschungsdesiderat.

Entourage-Effekt

Terpene werden in der Forschung gelegentlich im Zusammenhang mit dem sogenannten Entourage-Effekt diskutiert, also der Frage, ob sie synergistisch mit Cannabinoiden wirken. Für Camphen speziell liegen dazu keine belastbaren Belege vor. Ob und wie Camphen in Kombination mit anderen Cannabispflanzenstoffen wirkt, ist bislang nicht untersucht.

Sicherheitsaspekte bei Camphen

Konzentriertes Camphen ist ein Reizstoff für Augen, Nase und Rachen und gilt als entzündlich (3). Für die geringen Mengen, die natürlicherweise in Cannabispflanzen vorkommen, fehlen spezifische klinische Grenzwerte. Das bedeutet weder, dass kleine Mengen grundsätzlich gefährlich sind, noch garantiert eine natürliche Herkunft automatisch Unbedenklichkeit. Spezifische Daten zu Wechselwirkungen von Camphen in Cannabis-Mengen mit Arzneimitteln liegen nicht vor; wer sicherheitshalber Fragen dazu hat, sollte ärztlichen Rat einholen.

Fazit

Camphen ist ein interessantes, aber in Cannabis meist nur in geringen Mengen vorkommendes Monoterpen mit einem unverwechselbaren Duftprofil. Präklinische Studien liefern Hinweise auf mögliche Effekte im Lipidstoffwechsel und an bestimmten neuronalen Kanälen. Daraus folgt bislang keine belegte therapeutische Wirkung beim Menschen. Wer Cannabis medizinisch nutzen möchte, sollte das ausschließlich in Absprache mit einem Arzt tun.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Anwendung von Cannabisprodukten zu therapeutischen Zwecken sollte nur in Absprache mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal erfolgen. Es wird keine Haftung für Schäden oder Nebenwirkungen übernommen, die durch unsachgemäßen Gebrauch entstehen können. Weder werden Heil- oder Wirkversprechen gegeben, noch soll die Nutzung ohne ärztlichen Rat angeregt werden. Nutzer sind verpflichtet, die in ihrer Region geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu beachten und eigenverantwortlich zu handeln.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Camphen und Campher?

Camphen (C10H16) ist ein Kohlenwasserstoff ohne Sauerstoff. Campher (C10H16O) enthält Sauerstoff und ist chemisch ein anderes Molekül. Beide riechen ähnlich kampferartig, und Camphen kann industriell als Ausgangs- beziehungsweise Zwischenprodukt für Campher verwendet werden.

Welche Cannabis-Sorten enthalten besonders viel Camphen?

Eine allgemeingültige Liste existiert wissenschaftlich nicht. In analysierten Studien hatte beispielsweise der Chemotyp Black Domina den höchsten gemessenen Camphenwert unter vier verglichenen Proben, blieb aber insgesamt ein Nebenbestandteil gegenüber anderen Terpenen. Sortennamen allein sagen nichts über das tatsächliche Terpenprofil aus: Eine aktuelle Laboranalyse der konkreten Charge ist aussagekräftiger.

Ist Camphen in Deutschland legal?

Camphen ist als Einzelmolekül nicht pauschal verboten. Es ist in der EU als Aromastoff unter FLAVIS 01.009 gelistet. Für Cannabisprodukte gelten zusätzliche Regeln: Anbauvereinigungen dürfen nach § 21 KCanG kein Cannabis weitergeben, das mit "sonstigen Zusätzen" vermischt wurde. Die konkrete Zulässigkeit hängt stets vom Produkt und Verwendungszweck ab.

Kann Camphen den Cholesterinspiegel beeinflussen?

Zell- und Tierstudien zeigen Hinweise auf mögliche Effekte im Lipidstoffwechsel. Klinische Daten am Menschen liegen nicht vor, sodass keine Grundlage für eine Anwendungsempfehlung besteht. Fragen zur Cholesterinbehandlung gehören in ein ärztliches Gespräch.

Ist Camphen für den Menschen sicher?

In konzentrierter Form ist Camphen ein Reizstoff und entzündlich. Für die geringen Mengen in Cannabisproben fehlen spezifische klinische Daten zu sicheren Expositionsgrenzen. Wer unsicher ist oder besondere Vorerkrankungen hat, sollte ärztlichen Rat einholen.

Quellen

  1. Hanuš, L. O. (2024). Comparison of Three Gas Chromatographic Methods — Identification of Terpenes and Terpenoids in Cannabis sativa L. Applied Sciences, 14(15), 6476. https://doi.org/10.3390/app14156476
  2. Cicaloni, V., Salvini, L., Vitalini, S., & Garzoli, S. (2022). Chemical Profiling and Characterization of Different Cultivars of Cannabis sativa L. Inflorescences by SPME-GC-MS and UPLC-MS. Separations, 9(4), 90. https://doi.org/10.3390/separations9040090
  3. National Library of Medicine, PubChem (2024): Camphene, CID 6616. https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/Camphene
  4. Chimal-Valencia, O., Robau-Sánchez, A., Collins-Martínez, V., & Aguilar-Elguézabal, A. (2004). Ion exchange resins as catalyst for the isomerization of alpha-pinene to camphene. Bioresource Technology, 93(2), 119-123. https://doi.org/10.1016/j.biortech.2003.10.016
  5. Europäische Kommission (2024): EU-Register der Aromastoffe, FLAVIS-Nummer 01.009. https://webgate.ec.europa.eu/flavor/
  6. Vallianou, Ioanna et al. (2011): Camphene, a plant-derived monoterpene, reduces plasma cholesterol and triglycerides in hyperlipidemic rats independently of HMG-CoA reductase activity. PLoS ONE 6(11), e20516. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0020516
  7. Vallianou, Ioanna et al. (2016): Camphene, a Plant Derived Monoterpene, Exerts Its Hypolipidemic Action by Affecting SREBP-1 and MTP Expression. PLOS ONE 11(1), e0147117. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0147117
  8. Tiwari, M.; Kakkar, P. (2009): Plant derived antioxidants - Geraniol and camphene protect rat alveolar macrophages against t-BHP induced oxidative stress. Toxicology in Vitro 23(2), S. 295-301. https://doi.org/10.1016/j.tiv.2008.12.014
  9. Gadotti, V. M., Huang, S., & Zamponi, G. W. (2021). The terpenes camphene and alpha-bisabolol inhibit inflammatory and neuropathic pain via Cav3.2 T-type calcium channels. Molecular Brain, 14(1), 166. https://doi.org/10.1186/s13041-021-00876-6
  10. Fischedick, Justin; van der Kooy, Frank; Verpoorte, Robert (2010): Cannabinoid receptor 1 binding activity and quantitative analysis of Cannabis sativa L. smoke and vapor. Chemical & Pharmaceutical Bulletin 58(2), S. 201-207. https://doi.org/10.1248/cpb.58.201

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Als Doktorand der Verhaltensforschung und M.Sc. in Klinischer Psychologie betrachtet Ledion Musaj das Thema Cannabis konsequent aus wissenschaftlicher Perspektive. Sein Schwerpunkt liegt auf den psychologischen und medizinischen Auswirkungen, wobei ihn besonders interessiert, wie der Konsum menschliche Verhaltensmuster und die psychische Gesundheit beeinflusst. Er verfolgt die internationale Studienlage lückenlos, um aktuelle wissenschaftliche Trends und klinische Erkenntnisse objektiv einzuordnen. Ledion geht es vor allem darum, die oft emotional geführte Debatte durch Fakten zu versachlichen und die neuesten Entwicklungen der Verhaltenswissenschaft für ein breiteres Publikum greifbar zu machen.