
Wichtigste Erkenntnisse
- Camphen (C10H16) ist ein bicyclisches Monoterpen mit waldig-kampferartigem Geruch, das unter anderem in Cannabis, Rosmarin und Nadelgehölzen vorkommt.
- In Cannabis tritt Camphen meist als Nebenbestandteil auf. Terpene wie Myrcen oder Limonen kommen in analytisch untersuchten Proben häufig in höheren Anteilen vor.
- Präklinische Studien an Zellen und Tieren geben Hinweise auf mögliche Effekte im Lipidstoffwechsel und an bestimmten neuronalen Kanälen im Gehirn. Eine therapeutische Wirksamkeit beim Menschen ist bislang nicht belegt.
- Camphen ist nicht dasselbe wie Campher. Campher enthält Sauerstoff und hat die Formel C10H16O.
- Der normale Siedepunkt liegt bei ungefähr 156 bis 161 °C. Eine separate feste "Verdampfungstemperatur" lässt sich physikalisch nicht sinnvoll angeben, weil Camphen bereits unterhalb des Siedepunkts verdunsten kann.
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Camphen ist eines der weniger bekannten Terpene in Cannabis, doch sein charakteristisch waldiger und kampferartiger Duft macht es unverwechselbar. Wie Limonen oder Myrcen trägt es zum Aromaprofil der Pflanze bei, allerdings in der Regel in kleineren Mengen. Messungen verschiedener Sorten von Cannabis zeigen, dass Camphen meist nur einen kleinen Anteil des gesamten Terpenprofils ausmacht (1,2). Was es dabei chemisch und biologisch besonders macht, zeigt ein genauerer Blick auf seine Struktur und sein Zusammenspiel mit dem Endocannabinoid-System.
Die chemischen Eigenschaften von Camphen
Camphen ist ein bicyclisches Monoterpen mit der Summenformel C10H16 und einer molaren Masse von rund 136,23 g/mol. "Bicyclisch" bedeutet: Das Kohlenstoffgerüst enthält zwei miteinander verbundene Ringstrukturen. Bei Raumtemperatur liegt der Stoff als farbloser bis weißlicher Feststoff vor (3).
Camphen darf nicht mit Campher verwechselt werden. Campher enthält Sauerstoff und hat die Formel C10H16O. Beide Stoffe riechen ähnlich kampferartig, sind aber chemisch verschieden. Industriell kann Camphen als Zwischenprodukt zur Herstellung von synthetischem Campher dienen (3,4).
Siedepunkt
Der normale Siedepunkt liegt je nach Quelle bei ungefähr 156 bis 161 °C (3). Eine einzelne feste "Verdampfungstemperatur" zu benennen vor allem für die Nutzer von Vaporisatoren ist physikalisch nicht sinnvoll: Camphen verdunstet bereits unterhalb seines Siedepunkts. Der Siedepunkt beschreibt ausschließlich den Zustand, bei dem der Dampfdruck unter gegebenen Druckbedingungen für das Sieden ausreicht.
Natürliches und synthetisches Camphen
In Pflanzen entsteht Camphen über die natürliche Terpenbiosynthese. Industriell wird es häufig durch Isomerisierung von α-Pinen mit sauren Katalysatoren gewonnen und als Ausgangsstoff für Duftstoffe und Campher verwendet (4). Die Grundstruktur des Moleküls ist dabei prinzipiell dieselbe; Unterschiede können bei Isomerenverhältnis, Reinheit und Begleitstoffen bestehen. In der EU ist Camphen zudem als Aromastoff unter FLAVIS 01.009 gelistet (5). Für Lebensmittel, Kosmetika und Cannabisprodukte gelten aber jeweils eigene Vorschriften. Anbauvereinigungen dürfen nach § 21 KCanG kein Cannabis weitergeben, das mit "sonstigen Zusätzen" vermischt wurde.

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Camphen im Vergleich mit anderen Cannabis-Terpenen
Camphen unterscheidet sich von anderen bekannten Cannabis-Terpenen vor allem durch sein Geruchsprofil und seinen in der Regel geringen Anteil in analytisch untersuchten Proben (1,2).
| Verbindung | Chemische Klasse | Duftprofil | Typische Rolle in Cannabis |
| Camphen | Bicyclisches Monoterpen | Waldig, kampferartig | Meist Nebenbestandteil |
| Myrcen | Acyclisches Monoterpen | Erdig, kräuterartig | Häufig dominierend |
| Limonen | Monocyclisches Monoterpen | Zitrusartig | Oft deutlich stärker vertreten |
| Linalool | Sauerstoffhaltiges Monoterpenoid | Blumig | Variiert nach Chemovar |
In einer Untersuchung von fünf Cannabis-Cultivaren entfielen z.B. bei einer THC-Sorte 25,0 % des flüchtigen Profils auf Myrcen, aber nur 0,2 % auf Camphen. Bei einer CBD-lastigen Sorte waren es 40,8 % Myrcen gegenüber 0,3 % Camphen (2).
In welchen Pflanzen und Cannabis-Sorten kommt Camphen vor?
Neben Cannabis findet sich Camphen unter anderem in Rosmarin, Salbei, Ingwer und verschiedenen Nadelgehölzen. Die Konzentrationen schwanken stark je nach Herkunft, Ernte und Analysemethode.
Im Cannabis wurde Camphen in verschiedenen Chemotypen und Sorten nachgewiesen. Sortennamen allein garantieren dabei kein bestimmtes Terpenprofil. Anbau, Trocknung und Lagerung beeinflussen die Zusammensetzung erheblich (1,2).
Die Werte stammen aus Studien mit unterschiedlichen Methoden und sind daher nicht direkt miteinander vergleichbar.

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Was sagt die Forschung zu den Eigenschaften von Camphen?
Alle bekannten Forschungsbefunde zu Camphen stammen bislang aus Zell- und Tiermodellen. Das ist ein wichtiger Unterschied zu klinischen Studien am Menschen: Ergebnisse aus Labortieren oder Zellkulturen lassen sich nicht automatisch auf Menschen übertragen.
Cholesterin und Lipidstoffwechsel
Eine Studie aus dem Jahr 2011 verabreichte experimentell hyperlipidämischen Ratten Camphen in einer Dosis von 30 µg pro Gramm Körpergewicht. Die Forschenden berichteten von einer Reduktion des Gesamtcholesterins um 54,5 %, des LDL-Cholesterins um 54 % und der Triglyceride um 34,5 % im Vergleich zur Kontrollgruppe. Ergänzende Zellversuche mit HepG2-Leberzellen untersuchten anschließend mögliche Mechanismen im Lipidstoffwechsel (6,7). Klinische Daten am Menschen liegen nicht vor, und aus diesen Tierbefunden lässt sich keine cholesterinsenkende Wirkung beim Menschen ableiten. Vor allem kann man hier nicht auf eine relevante Wirkung von Camphen in Cannabis schließen, da die Mengen vergleichsweise gering sind.
Oxidativer Stress
In einem In-vitro-Versuch mit Alveolarmakrophagen aus Ratten beeinflusste Camphen mehrere Marker unter künstlich erzeugtem oxidativem Stress, darunter Glutathion und Superoxiddismutase (8). Auch diese Erkenntnisse sind ausschließlich präklinisch und erlauben keine Rückschlüsse auf Wirkungen beim Menschen.

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CaV3.2-Calciumkanäle und Schmerzforschung
Eine 2021 veröffentlichte Studie untersuchte isoliertes Camphen an sogenannten T-Typ-Calciumkanälen (CaV3.2), die an der neuronalen Schmerzverarbeitung beteiligt sind (9). In Mausmodellen, bei denen die Substanz direkt in den Rückenmarkskanal verabreicht wurde, reduzierten sich bestimmte schmerzbezogene Verhaltensreaktionen. Tiere ohne funktionalen CaV3.2-Kanal zeigten diesen Effekt kaum. Dieser Verabreichungsweg unterscheidet sich grundlegend von der Inhalation oder oralen Aufnahme von Cannabis und schränkt die Übertragbarkeit der Befunde zusätzlich ein. Einen direkten Nachweis therapeutischer Wirksamkeit beim Menschen liefert jedoch auch diese Studie nicht.
Cannabinoidrezeptoren
Ein belegter Effekt von isoliertem Camphen an CB1- oder CB2-Rezeptoren existiert nicht. Eine ältere Untersuchung von Cannabisrauch fand keinen signifikanten Unterschied in der CB1-Bindungsaktivität zwischen reinem THC und Gesamtextrakten, aus dem sich eine spezifische Camphen-Wirkung ableiten ließe (10). Camphen wurde in dieser Studie nicht direkt auf Rezeptorebene getestet; der fehlende Nachweis ist damit kein expliziter Negativbefund, sondern ein Forschungsdesiderat.
Entourage-Effekt
Terpene werden in der Forschung gelegentlich im Zusammenhang mit dem sogenannten Entourage-Effekt diskutiert, also der Frage, ob sie synergistisch mit Cannabinoiden wirken. Für Camphen speziell liegen dazu keine belastbaren Belege vor. Ob und wie Camphen in Kombination mit anderen Cannabispflanzenstoffen wirkt, ist bislang nicht untersucht.
Sicherheitsaspekte bei Camphen
Konzentriertes Camphen ist ein Reizstoff für Augen, Nase und Rachen und gilt als entzündlich (3). Für die geringen Mengen, die natürlicherweise in Cannabispflanzen vorkommen, fehlen spezifische klinische Grenzwerte. Das bedeutet weder, dass kleine Mengen grundsätzlich gefährlich sind, noch garantiert eine natürliche Herkunft automatisch Unbedenklichkeit. Spezifische Daten zu Wechselwirkungen von Camphen in Cannabis-Mengen mit Arzneimitteln liegen nicht vor; wer sicherheitshalber Fragen dazu hat, sollte ärztlichen Rat einholen.
Fazit
Camphen ist ein interessantes, aber in Cannabis meist nur in geringen Mengen vorkommendes Monoterpen mit einem unverwechselbaren Duftprofil. Präklinische Studien liefern Hinweise auf mögliche Effekte im Lipidstoffwechsel und an bestimmten neuronalen Kanälen. Daraus folgt bislang keine belegte therapeutische Wirkung beim Menschen. Wer Cannabis medizinisch nutzen möchte, sollte das ausschließlich in Absprache mit einem Arzt tun.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Anwendung von Cannabisprodukten zu therapeutischen Zwecken sollte nur in Absprache mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal erfolgen. Es wird keine Haftung für Schäden oder Nebenwirkungen übernommen, die durch unsachgemäßen Gebrauch entstehen können. Weder werden Heil- oder Wirkversprechen gegeben, noch soll die Nutzung ohne ärztlichen Rat angeregt werden. Nutzer sind verpflichtet, die in ihrer Region geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu beachten und eigenverantwortlich zu handeln.










