
Wichtigste Erkenntnisse
- Microseeds sind befruchtete Minisamen, die sich oft unbemerkt in Cannabisblüten entwickeln und als harter Fremdkörper beim Konsum stören können.
- Sie entstehen meist durch Stress, instabile Genetik oder ungewollte Bestäubung – sowohl im professionellen Anbau als auch im Homegrow.
- Beim Rauchen oder Verdampfen können Microseeds Reizungen der Lunge und einen bitteren Geschmack verursachen, was besonders für Patienten problematisch ist.
- Patienten dürfen Microseed-haltiges Cannabis in Apotheken reklamieren, sofern der Mangel gut dokumentiert wird (z. B. mit Fotos, Chargennummer).
- Für viele Patienten, die medizinisches Cannabis verwenden, stellen Microseeds ein Problem dar, da sie das Aroma, die Brennbarkeit und die Wirkung beeinträchtigen können.
Wenn du regelmäßig medizinisches Cannabis konsumierst, hast du vielleicht schon mal kleine harte Kügelchen zwischen den Blüten entdeckt. Sie erinnern ein bisschen an Mohnsamen, schmecken aber weniger nach Brötchen und mehr nach "Was zum Teufel ist das?"
Wenn dir das schonmal passiert ist, hast du Microseeds in deiner Charge vom medizinischen Cannabis gehabt. Im Deutschen Sprachgebrauch nennt man sie auch Mikrosamen und sie sind nicht das Sahnehäufchen auf deinem Cannabis, sondern eher ein Zeichen für mangelhafte Produktionsbedingungen oder eine ungewollte Bestäubung.
Sie enthalten weder relevante Wirkstoffe wie THC oder CBD, noch sorgen sie für einen besseren Geschmack bzw. Aroma oder Konsumerlebnis.
Auch im medizinischen Cannabis gelten sie als ein Indikator für mangelnde Qualität und dürfen reklamiert werden.
In diesem Artikel erfährst du, wie genau diese Mikrosamen in dein Gras kommen, warum sie keine Bereicherung sind und was du bei einem Fund in der medizinischen Charge machen kannst.
Was sind Microseeds eigentlich?
Unter Microseeds versteht man winzige, größtenteils unreife Samenstrukturen, die sich in den Blüten der Cannabispflanze entwickeln können. Anders als reine Samenanlagen (Ovula), die unbefruchtet bleiben, können diese durch eine ungewollte Bestäubung während der Produktion entstehen.
Da diese Minisamen bereits eine embryonale Anlage enthalten, nennt man sie auch Embryo Samen.
Wie der Name schon verrät, sind sie winzig und oft kaum mit dem bloßen Auge erkennbar. Zudem haben sie weder das Wachstumspotenzial regulärer Samen noch irgendeine medizinische Wirkung, weswegen sie für Patienten eher einen Störfaktor darstellen können. Gerade wenn die Patienten viel Wert auf Qualität, Geschmack und Wirkung legen.
Die Minisamen können stark in Form, Härte, Größe und Farbe abweichen, wobei sie jedoch eine festere teils splitternden Struktur mitbringen, die beim Rauchen oder Verdampfen störend wirken kann.
Sind Microseeds ein Problem in medizinischen Cannabisblüten aus der Apotheke?
Wie wir bereits erwähnt haben, sind Microseeds leider nicht der Hauptgewinn im medizinischen Cannabis. Außerdem berichten Patienten vermehrt über Microseeds in Medizinalcannabis, wobei von den Erfahrungsberichten vor allem die hochpotenten Cannabissorten betroffen sind.
Folgende Ursachen könnten für Microseeds verantwortlich sein:
- Stressbedingungen der Pflanze (z. B. zu hohe Temperaturen, schlechte Lichtstärke, falscher Dünger)
- Fokus auf Masse statt Qualität bei der Blütenproduktion
- Instabile Genetik
- Komplexität der Samenproduktion unter GMP-Bedingungen
- Geringe Stabilität der Pflanzensorten
- Unkontrollierte Bestäubung durch benachbarte Pflanzen
- Ungewollte Samenbildung durch unkontrollierte Pollenübertragung
- Fehler bei der Produktion in großflächigen Anlagen
Oft sind es einzelne Strains mit sensibler Genetik, bei denen die Microseed-Bildung häufiger auftritt oder durch einen qualitativ schlechten Grow. Eine aktuelle Studie zeigt (1), dass gerade Stressbedingungen in der Blütephase maßgeblich zur vorzeitigen Entwicklung von Samenanlagen beitragen können. Bereits sehr geringen Mengen gelten aus medizinischer Sicht als Qualitätsmängel.
Warum sind Microseeds für Patienten problematisch?
Der Konsum von Blüten mit Microseeds egal, ob durch Rauchen oder Verdampfen, kann eher unangenehm ausfallen, da diese Microseeds nicht zum Rauchen oder Verdampfen gedacht sind.
Außerdem können folgende negative Effekte auftreten:
- Hustenreiz durch harte Samenrückstände bei Inhalation
- Veränderter Geschmack (bitter, verbrannt)
- Beeinträchtigtes Aroma und Wirkerlebnis
- Störungen beim Zerkleinern oder in Vaporizern
- Zusätzliche Belastung für die Atemwege
Gerade für Patienten mit Atemwegserkrankungen ist Vorsicht geboten: Microseeds können beim Konsum durch Inhalation zu Reizungen führen und die medizinische Qualität der Blüten beeinträchtigen.
Deswegen solltest du dir gerade bei einer entsprechenden Vorerkrankung wie den Atemwegserkrankungen deine Blüten vor dem Konsum genauer angucken. Generell sollte man als Patient seine grüne Medizin auf Qualität und Sauberkeit begutachten (2) und im Zweifel nachfragen oder reklamieren.
Wie kann ich Microseeds erkennen? Tipps für Patienten und Konsumenten
Natürlich ist es wichtig, Microseeds so schnell wie möglich ausfindig zu machen, damit du deine Bestellung im besten Fall reklamieren kannst und nicht aus Versehen konsumierst. Während ganze Samenkapseln in der Regel gut sichtbar sind, erfordern Microseeds eine genaue Prüfung der Blüten, da sie oft nur als kleine harte Punkte spürbar sind.
Damit du Microseeds so früh wie möglich erkennen und damit verbundene Risiken vermeiden kannst, haben wir dir folgende Maßnahmen als Hilfestellung zusammengestellt:
- Du solltest die Blüten vor dem Konsum sorgfältig prüfen. Das kannst du entweder mit deinen Fingern, einer gut auflösenden Handykamera oder am besten mit einem mit kleinen Mikroskop machen. Achte hierbei vor allem auf ungewöhnliche Härte, kleine knackende Kügelchen oder sichtbare Samenstrukturen.
- Erfahrungen mit der Community in Online-Foren, Patientenverbände oder Bewertungsplattformen teilen, diese Plattformen bieten oft Hinweise zu bestimmten Chargen oder Produzenten.
- Im Zweifelsfall kannst du auch Rücksprache mit der Apotheke halten. Denn Apotheker können dir helfen, deinen Fall einzuschätzen und dir Informationen zur Herkunft und Qualität geben.
- Nutze deine Reklamationsmöglichkeiten bei Microseeds in medizinischem Cannabis. Denn es besteht für dich ein Recht auf Reklamation.
So reklamierst du richtig!
Wenn dir Microseeds in deiner Medikation auffallen, solltest du folgendermaßen für eine Reklamation deiner Bestellung vorgehen:
- Blüten nicht vollständig aufbrauchen! Denn wenn du alles konsumierst, gibt es keine Blüten mehr zum Überprüfen.
- Verpackung und Chargennummer aufbewahren, damit diese nach verfolgbar sind.
- Freundlichen Kontakt zu deiner Apotheke aufnehmen und trotzdem auf bestimmende Weise auf den Mangel hinweisen.
- Beweise in Form von Fotos oder einem kleinen Samen selbst sammeln. Diese helfen bei der Bewertung deiner Reklamation.
Seriöse Apotheken zeigen sich in der Regel kulant bei gut begründeten Reklamationen, weswegen du einen Ersatz oder eine Rückgabe fordern kannst.
Rechtlicher Hinweis zur Qualität
Laut § 31 SGB V (3) haben Versicherte Anspruch auf eine ausreichende und zweckmäßige Versorgung mit Arzneimitteln. Dazu zählen auch Cannabisblüten, die mit einer regelmäßigen Anzahl an Microseeds je nach Häufung gegen diese Vorgaben verstoßen. Hier können und sollen Patienten bitte eine angemessene Qualität einfordern.
Fazit
Abschließend lässt sich sagen, dass vermutlich keiner Microseeds in seinem Cannabis finden möchte. Vor allem im medizinischen Cannabis haben sie nichts verloren. Auch wenn sie keine akute Gesundheitsgefahr darstellen müssen, können sie die Qualität, die Wirkung und das Vertrauen mindern.
Zudem können Patienten je nach Erkrankung auch Nachteile in der Wirkung durch den Konsum von Minisamen erfahren. Deswegen sollten Patienten die Augen offen halten und sich bei Auffälligkeiten nicht scheuen, Rücksprache mit Arzt und Apotheke zu halten. Eine verantwortungsvolle Anwendung beginnt mit einem kritischen Blick auf das Produkt. Hierbei liefern auch Erfahrungswerte anderer Patienten hilfreiche Informationen.
Je nach Häufung dieser Samen hast du als Patient auch das Recht, dein medizinisches Gras zu reklamieren und zurückzugeben. Teile deinen Fund auch gerne auf den sozialen Plattformen, um anderen Patienten mit deiner Erfahrung weiterzuhelfen.
Quellen
- Cheng, Y. et al. (2024). A systematic approach to identify unfertilized ovules and microseeds in Cannabis sativa L. Plant Methods. https://plantmethods.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13007-024-01265-5
- Deutsche Apotheker Zeitung (2025). Basisbegriffe der Qualitätsprüfung von Cannabisblüten. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/anzeigen/2025/01/07/basisbegriffe-der-qualitaetspruefung-von-cannabisblueten
- Bundesministerium der Justiz (o. J.). § 31 SGB V – Arznei- und Verbandmittel. Gesetze-im-Internet. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__31.html