Kiffen und Fitness: Sind Cannabis und sportliche Leistung eine kontroverse Kombination? 

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Das Legalisierungsbestreben der Bundesregierung hat eine sehr hitzige Debatte rund um Cannabiskonsum aufgeworfen. Wiederkehrende Fragen befassen sich mit Jugendschutz, Passivkonsum, Schutzzonen, dem Führerscheinrecht und mittlerweile auch mit - Sport. Wir wollen die Fragen rund um die Wirkung von Cannabis auf den Sport beantworten.

Berühmte Sportler, die kiffen

Bevor wir die ganze Debatte lostreten, wollen wir uns berühmte Profisportler anschauen, die mit Cannabis ihre Karriere bestritten haben. Berühmt ist etwa der Fall Connor McGregor, er raucht auch gerne für alle sichtbar im Internet Hanf in Backwoods. Wie er, stammen auch die Brüder Nick und Nate Diaz aus dem Kampfsport und sind berühmte Cannabisadvokaten. In Deutschland eher unbekannt ist der NFL Spieler Calvin Johnson, der nach vielen Spielen Marihuana geraucht hat. Ihm schließen sich seine Kollegen Michael Vick und Randy Moss.

In der amerikanischen NBA soll Cannabiskonsum noch normaler sein. Etwa 85 % der Athleten sollen laut einem Interview des ehemaligen Spielers Kenyon Martin während der Karriere Weed konsumieren. Ihnen gesellt sich Snoop Dogg hinzu, der nicht nur erfolgreicher Rapper, sondern auch Basketballspieler war. Jedem bekannt ist auch Mike Tyson, der sich mittlerweile aus dem Kampfsport in die Cannabisbranche zurückgezogen hat und sich täglich Joints zündet. Wir sehen also: Kiffen und Fitness schließt sich nicht aus.

Kiffer und sportliche Leistung: Zu den Fakten

Ist Cannabis ein Dopingmittel? Diese Frage könnte uns einen grundsätzlichen Eindruck von der Wirkung von Cannabis im Sport mitteilen. Hier hat die WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) erst 2013 den Grenzwert signifikant erhöht. Am Wettkampftag gelten nun erst 150 Nanogramm THC-Carbonsäure je ml Blutserum als Doping. 2018 wurde darüber hinaus Cannabidiol (CBD) komplett von der Dopingliste gestrichen. Cannabis als Doping zu bezeichnen, liegt also komplett falsch, was auch durch einige Studien gestützt wird. Eine direkt leistungssteigernde Wirkung geht wohl nicht von Cannabis aus, die Einstufung als Dopingmittel rührt lediglich von der Rauschwirkung.

Inwiefern könnte der Konsum von Cannabis dennoch Sportlern helfen? Und inwiefern wird die Leistung beeinträchtigt? Dafür müssen wir in einige Studien eintauchen.

Wir schauen uns eine Studie der University of Colorado Boulder an. Die Studie „The New Runner's High?" befasst sich mit 600 Cannabiskonsumenten und ihren sportlichen Gewohnheiten. 8 von 10 Probanden gaben an, Cannabis entweder vor oder nach dem Sport zu konsumieren. Wichtige Anmerkung: In Colorado ist Cannabis legal. Hier stellten die Forscher fest, dass ein Großteil der Probanden Cannabis konsumierte, um sich zum Sport zu motivieren. Zudem fiel auf, dass Probanden, welche konsumierten, im Durchschnitt 43 Minuten jede Woche länger Sport trieben, als die nüchterne Vergleichsgruppe. Es scheint also, als könne Marihuana als effektiver Motivator für Sport dienen. Damit wird mal wieder der Mythos vom Amotivationssyndrom gekontert.

Während einer Trainingseinheit high zu sein, kann die Schmerzwahrnehmung dämpfen, wie man es bspw. vom Runner's High kennt. Dieses Gefühl der Euphorie wird übrigens durch körpereigene Endocannabinoide wie Anandamid ausgelöst. Hierdurch wird man nicht schneller, sondern das Laufen fällt einem kurzfristig subjektiv leichter bzw. unbeschwerter. Cannabis könnte also die Schmerzwahrnehmung positiv beeinflussen, dafür jedoch die Leistung mindern, weil etwa Blutdruck und Puls ansteigen. Wichtig ist hierfür auch, wie das Verhältnis an THC zu CBD im Cannabis aussieht und welche Darreichungsform gewählt wird. Vergleichsweise mehr THC kann Nebenwirkungen wie einen erhöhten Puls begünstigen.

Unklar ist man sich über die Rolle von Cannabis in der Regeneration nach Sporteinheiten. Viele Sportler konsumieren Cannabis zur Entspannung nach Trainingseinheiten. Die Muskeln könnten sich lockern und besser entspannen, wodurch schlussendlich die Muskelregeneration optimiert würde. Andere Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Regeneration von Muskelmasse durch THC im Blut gestört wird. Das wird auf einen erhöhten Cortisolspiegel im Blut zurückgeführt. Da Cortisol als kataboles Hormon Muskeln abbaut, kann es im Sport und Bodybuilding von Nachteil sein.

Die wichtigste Phase der Regeneration ist jedoch der Schlaf. Hier bestehen klare Hinweise, dass Cannabis und ggf. bereits CBD die Schlafqualität verbessern können. Unterschiedliche Aspekte können sich verbessern, etwa die Einschlafdauer oder die Schlafdauer ohne Unterbrechungen. Hierdurch kann wiederum der Muskelaufbau in der Nacht unterstützt werden.

Uneinig sind sich die Untersuchungen über die Auswirkungen auf den Fokus und die Konzentration. Manche Studien geben an, dass das Verletzungsrisiko steigt, weil sich der Proband schlechter fokussieren kann. Andere Studien kamen zu dem Schluss, dass der Cannabiskonsum die Konzentration verbessern kann, ebenso wie das blitzschnelle Entscheidungsfindung im Wettkampf. Auch hier herrscht also wieder: Unschlüssigkeit.

Achtung bei Konsum von Cannabis mit Sport

Bei allem Lob muss man natürlich die Risiken des Cannabiskonsums bei Sporteinheiten betrachten, denn diese fallen je nach Erfahrungsgrad nicht allzu gering aus.

Anfänger beklagen sich etwa oft über Benommenheit, einen zu hohen Puls oder Schwindel, wenn sie high neue Höchstleistungen erreichen wollen. Dem liegt bspw. zugrunde, dass der Konsum von Cannabis bei den meisten Menschen ohnehin den Puls ansteigen lässt. In Verbindung mit Sport kann man sich schnell überanstrengen. Man kann auch die eigenen Kraftreserven falsch einschätzen und sich dadurch massiv überanstrengen. Insbesondere bei hitzigen Temperaturen oder HIIT-Einheiten solltest du Vorsicht walten lassen und dich langsam an die Auswirkungen des Cannabiskonsums herantasten. Wenn du erstmals high Sport treibst, führe leichte Einheiten durch.

Hinzu kommt, dass Cannabis die motorischen Fähigkeiten einschränken kann. Wenn nun bspw. beim Downhill-Biking maximale Koordination und Fokus gefragt sind, kann der Konsum von Cannabis unerwünscht sein. Wiederum kann es anderen helfen, indem es ihren Fokus und ihr Körpergefühl verbessert.

Als Faustregel solltest du einfach mitnehmen, dich langsam und sicher an sportliche Belastungen mit Cannabis heranzutasten und speziell gefährliche Sportarten niemals high durchzuführen. Cannabis könnte deine körperliche Leistungsfähigkeit mindern, Bewegungsabläufe einschränken und die Risikobereitschaft erhöhen.

Bekifft Sport treiben: Die Anleitung für dein THC Workout

Für einige Sportbanausen könnte Cannabis das Mittel sein, um den inneren Schweinehund zu überwinden. Dafür muss nicht einmal vor dem Sport konsumiert werden, ein Joint zur Belohnung kann danach ausreichen. Denke daran, bei einem Joint nach dem Sport erst deinen Puls herunterfahren zu lassen, bevor du rauchst. Wichtig ist zudem, dass unerfahrene Patienten, die mit THC Sport treiben wollen, langsam und sicher damit anfangen. Wer etwa noch nie gekifft hat, sollte bloß nicht mit einer bekifften Sporteinheit loslegen! Menschen mit Herzfehlern und ähnlichen Vorerkrankungen wird Cannabiskonsum ohnehin in keiner Weise empfohlen.

Denke zudem bitte daran, noch mehr Wasser zu trinken, da das Kiffen zusätzlich Wasser entzieht. Verzichte bitte zudem auf Koordinationssportarten wie Fechten, dabei kann vieles schiefgehen.

Hast du noch nie Cannabis geraucht, starte einfach mit CBD. Such dir deine Darreichungsform aus, von Blüten über Ölen zu Edibles. Aufgrund der Lungenirritationen sind Öle und Edibles besonders empfehlenswert.

Beachte zudem, dass jede Darreichungsform, Dosierung und jeder Strain eigene Eigenschaften mit sich bringen. Du kannst also gerne mit geringen Dosen und leichten Darreichungsformen austesten, wie dir der Cannabiskonsum zum Sport am besten steht. Wenige Züge an der Vape sind meistens besser als Züge an der Bong vor dem Sport. Zudem ist im Sport ein ausgewogenes Verhältnis von CBD zu THC wünschenswert.

Marihuana und Muskelaufbau: Besondere Hanferzeugnisse

Ganz unabhängig von CBD und THC gibt es zahlreiche Hanferzeugnisse für Sportbegeisterte. Insbesondere (kandierte) Hanfsamen, Hanfproteinpulver, Hanföle, Hanfmehl und Hanftees können hilfreich sein. Hanföle bestechen etwa mit einem hervorragenden Verhältnis an Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren. Hanfproteine sind vielseitig und sehr hochwertig. Hanfmehl kann eine proteinreiche Alternative zu anderen Mehlsorten sein.

Fazit: Cannabis ist kein Doping

Um einen Schlussstrich zu ziehen, fällt klar auf, dass Cannabis nicht leistungssteigernd wirkt. Am Beispiel des Runner's High können wir erkennen, dass Cannabis bzw. Cannabinoide die Leistung nicht verbessern, sondern lediglich erleichtern könnten. Das kann jedoch auch ins Gegenteil ausschlagen und die Leistung erschweren.

Recht sicher festhalten kann man nach der momentanen Studienlage jedenfalls, dass die Verbindung von Cannabiskonsum und Sport die Gewohnheit des Sports vertiefen kann. Während also Nicht-Patienten schwerer ihren inneren Schweinehund überwinden können, steht Patienten der Motivator Cannabis zur Verfügung.

Diskussion herrscht bspw. um die Fragen, ob Cannabis die Regeneration fördert, bspw. indem es die Schlafqualität verbessert oder den Appetit nach dem Workout anregt. Hier sind die Studien noch nicht eindeutig genug, um klare Aussagen zu treffen.

Das wahre Fazit dieses Artikels ist also: Mach, was sich für dich richtig anfühlt! Manche werden durch Cannabiskonsum noch weniger zu Sport motiviert, andere brauchen es. Während manchen high Joggen federleicht vorkommt, fühlen sich andere versteinert. Du kannst also nur für dich selbst herausfinden, ob Cannabis dir eine Hilfe ist oder nicht. Hanf-Nahrungsergänzungsmittel können unabhängig davon sinnvoll sein, insbesondere Hanfproteine und Hanföle. Fest steht jedoch, dass Cannabis und Fitness keine derart kontroverse Kombination mehr ist und tatsächlich seinen Stellenwert verdient hat.

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FAQ

Was ist medizinisches Cannabis?

Medizinisches Cannabis ist ein Begriff, der sich auf die Verwendung von Cannabis oder Cannabisprodukten zur medizinischen Behandlung von Krankheiten und Symptomen bezieht.

Wer kann medizinisches Cannabis verschreiben?

Medizinisches Cannabis kann nur von Ärzten (mit Ausnahme von Zahn- und Tierärzten) verschrieben werden.

Welche Vorteile hat die Einnahme von medizinischem Cannabis?

Medizinisches Cannabis kann bei der Behandlung von Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen, und anderen medizinischen Bedingungen wirksam sein.

Wie sollte man medizinisches Cannabis einnehmen?

Medizinisches Cannabis kann auf verschiedene Arten eingenommen werden, einschließlich der oralen Einnahme durch Kapseln oder Tropfen, inhalierter Verdampfung oder der Anwendung von topischen Produkten auf die Haut.

Wie sollte man die Dosierung von medizinischem Cannabis angehen?

Die Dosierung von medizinischem Cannabis sollte langsam und individuell angepasst werden, da die optimale Dosis von Patient zu Patient unterschiedlich sein kann.

Was sind mögliche Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis?

Mögliche Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis können Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Verwirrung und Gedächtnisprobleme sein.

Können Patienten eine Überdosierung von medizinischem Cannabis erleiden?

Eine Überdosierung von medizinischem Cannabis ist unwahrscheinlich, da die meisten Produkte eine begrenzte Menge an Cannabinoiden enthalten und die individuelle Dosierung langsam titriert wird. Bei einer Überdosierung treten, Desorientierung, Übelkeit, Paranoia oder Halluzinationen auf.

Wie oft und wie viel medizinisches Cannabis sollte pro Tag eingenommen werden?

Die Häufigkeit und Menge der Einnahme von medizinischem Cannabis variiert von Patient zu Patient und hängt von der gewünschten Wirkung ab. Es wird empfohlen, die Dosis über einen längeren Zeitraum zu verteilen.

Wie lange dauert es, bis die Wirkung von medizinischem Cannabis eintritt?

Die Wirkung von medizinischem Cannabis kann je nach Art der Einnahme und individuellen Faktoren wie Stoffwechselgeschwindigkeit variieren. Die Wirkung kann innerhalb weniger Minuten bis zu einer Stunde eintreten.

Wie wirksam ist medizinisches Cannabis bei der Behandlung von verschiedenen Krankheiten und Symptomen?

Die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei der Behandlung von verschiedenen Krankheiten und Symptomen kann von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Es wird empfohlen, die individuelle Wirkung durch Experimentieren zu ermitteln.

Profilbild

Henrik Aulbach ist publizierter Cannabis-Fachautor mit Herz für Medizin, Chemie und Cannabinoide. Mithilfe von Weed! leistet er seinen Beitrag, Stigmata und Mythen rund um das grüne Gold aufzubrechen und die Verfügbarkeit von Cannabismedikamenten für Patienten zu erhöhen.

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