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Mit medizinischem Cannabis ins Ausland reisen: Das Schengen-Formular und was du sonst noch wissen musst

Mit medizinischem Cannabis auf Reisen: Gute Vorbereitung und die richtigen Unterlagen sorgen für einen entspannten Start am Bahnhof.

Wichtigste Erkenntnisse

7 Minuten Lesezeit
  • Reisen mit Cannabis-Rezept ist möglich: Das Medizinal-Cannabisgesetz erlaubt dir, dein verschriebenes Cannabis als Reisebedarf ins Ausland mitzunehmen und wieder einzuführen, ohne eine eigene Genehmigung.
  • Für Schengen-Staaten brauchst du das Formular nach Artikel 75: Ärztlich ausgefüllt, vor der Reise vom Gesundheitsamt oder der zuständigen Landesbehörde beglaubigt, höchstens 30 Tage gültig, eine Bescheinigung pro verordnetem Präparat.
  • Außerhalb des Schengen-Raums gibt es kein einheitliches Verfahren: In den USA bleibt in Deutschland verschriebenes Cannabis bundesrechtlich verboten, Thailand verbietet unter anderem die Einfuhr von Cannabis-Extrakten. Ziel- und Transitland musst du immer vorab prüfen.
  • Das Formular ist keine Konsumerlaubnis: Es erlaubt das Mitführen, nicht den Konsum in der Öffentlichkeit. Dort gilt das Recht des Landes, in dem du dich aufhältst.

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Mit medizinischem Cannabis ins Ausland reisen – das klingt nach viel bürokratischem Aufwand, ist aber in den meisten europäischen Ländern gut machbar, wenn du rechtzeitig planst. Dabei steckt in dem Thema ein kleines Paradox: In Deutschland ist medizinisches Cannabis seit dem 1. April 2024 kein Betäubungsmittel mehr. Sobald du die Grenze überquerst, behandeln die meisten anderen Staaten es aber weiter genau so (1). Deshalb brauchst du für die Reise ein Formular, das für Betäubungsmittel gedacht ist und dessen deutsche Fassung aus dem Jahr 2000 stammt.

Hier erfährst du, welche Bescheinigung du wofür brauchst, wie du das Schengen-Formular ausfüllen und beglaubigen lässt, was in Ländern wie den USA, Thailand oder Großbritannien gilt und warum das Formular dir im Urlaub nicht erlaubt, überall zu konsumieren. Was dich speziell bei der Sicherheitskontrolle erwartet, liest du im Artikel zu Cannabis am Flughafen.

Stand dieses Artikels:

28. September 2026. Einreisebestimmungen ändern sich häufig und ohne lange Vorlaufzeit. Prüfe die Regeln deines Ziel- und Transitlandes vor jeder Reise neu.

Darf ich mit meinem Cannabis-Rezept überhaupt verreisen?


Infografik: Diese Dokumente und Regeln sollten Patient:innen vor einer Reise mit medizinischem Cannabis beachten – innerhalb des Schengen-Raums und bei Reisen in Drittstaaten.


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Ja. Wenn dir Cannabis ärztlich verschrieben wurde und du es in der Apotheke erhalten hast, darfst du es als Reisebedarf aus Deutschland ausführen und wieder einführen. Rechtsgrundlage ist § 5 Absatz 1 Nummer 3 des Medizinal-Cannabisgesetzes (MedCanG): Wer Cannabis zu medizinischen Zwecken auf Grund einer ärztlichen Verschreibung erworben hat, braucht für die Ein- und Ausfuhr als Reisebedarf keine Erlaubnis (2).

Du hast ein Rezept für medizinisches Cannabis und planst dieses Jahr deinen Urlaub im Ausland verbringen? Dann gilt für dich dasselbe wie für alle anderen Patienten: Entscheidend ist nicht, wie du zu deinem Rezept gekommen bist, sondern welche Papiere du an der Grenze vorlegen kannst.

Die Ausnahme gilt nur für dein eigenes Cannabis. Das Gesetz spricht von demjenigen, der das Cannabis auf Verschreibung „erworben hat“ und es selbst ein- oder ausführt (2). Eine Freundin, die dir deine Medikation hinterherbringt, fällt nicht darunter.

Früher stützte sich die Mitnahme auf die Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung. Das ist seit April 2024 überholt, weil Cannabis zu medizinischen Zwecken in Deutschland nicht mehr unter das Betäubungsmittelrecht fällt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weist aber ausdrücklich darauf hin, dass du im Ausland in der Regel weiterhin eine beglaubigte Reisebescheinigung brauchst. Grund sind die internationalen Suchtstoffübereinkommen, nach denen Cannabis in den meisten Ländern ein kontrollierter Stoff bleibt (1).

Innerhalb Deutschlands reisen: Brauche ich überhaupt ein Formular?

Nein. Die Schengen-Bescheinigung ist für den Grenzübertritt gedacht (1). Wenn du mit Zug, Bus, Auto oder Flugzeug innerhalb Deutschlands unterwegs bist, überquerst du keine Staatsgrenze und brauchst sie deshalb nicht.

Trotzdem lohnt es sich, bei jeder Kontrolle schnell zeigen zu können, dass es sich um ein verschriebenes Arzneimittel handelt. Bewährt haben sich zwei Dinge:

  • das Cannabis in der Originalverpackung der Apotheke mit Etikett, auf dem dein Name und das Präparat stehen,
  • eine Kopie des Rezepts oder eine kurze ärztliche Bescheinigung.

Auf Inlandsflügen können zusätzlich Airline- und Flughafenregeln greifen. Und auch mit Rezept gilt in Deutschland: Für das Inhalieren von medizinischem Cannabis in der Öffentlichkeit gelten dieselben Konsumverbote wie für Konsumcannabis, etwa in Sichtweite von Schulen oder in Gegenwart von Minderjährigen (§ 24 MedCanG in Verbindung mit § 5 Abs. 2 KCanG) (2).

Reisen innerhalb des Schengen-Raums: Das Formular nach Artikel 75

Für Reisen von bis zu 30 Tagen in einen Schengen-Staat darfst du dein verschriebenes Cannabis mitnehmen, wenn du eine Bescheinigung nach Artikel 75 des Schengener Durchführungsübereinkommens bei dir hast. Deine Ärztin oder dein Arzt füllt sie aus, eine Behörde beglaubigt sie vor Reiseantritt, und sie ist höchstens 30 Tage gültig (1).

Das Schengener Abkommen ist vor allem dafür bekannt, dass die Kontrollen an den Binnengrenzen weggefallen sind. Artikel 75 regelt einen Sonderfall: wie Patienten ihre ärztlich verschriebenen Betäubungsmittel in andere Vertragsstaaten mitnehmen können, und zwar mit einem einheitlichen Nachweis. Rechtsgrundlagen sind neben Artikel 75 selbst ein Beschluss des Schengener Exekutivausschusses von 1994 und eine deutsche Bekanntmachung von 1995 (3).

Das Formular kannst du direkt beim BfArM herunterladen: Bescheinigung für das Mitführen von Betäubungsmitteln im Rahmen einer ärztlichen Behandlung (PDF) (4). Dass im Titel noch „Betäubungsmittel“ steht, ist kein Fehler: Das BfArM verwendet dasselbe FotoFormular ausdrücklich auch für Cannabisarzneimittel (1).

Diese 29 Staaten gehören laut BfArM zum Schengen-Raum (1): Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn.

Zwei Einschränkungen solltest du kennen: Die Regel gilt laut BfArM nur für Bürgerinnen und Bürger der Schengen-Vertragsstaaten (1). Und sie deckt Reisen von höchstens 30 Tagen ab. Wer länger bleibt, muss die Rechtslage im Zielland gesondert klären.

Wer füllt was aus?

Das Formular besteht aus vier Teilen mit insgesamt 23 nummerierten Feldern (4). Die ersten drei Teile füllt deine Praxis aus, den vierten die Behörde:


TeilInhaltWer füllt aus?
A – Verschreibender ArztName, Telefon, Anschrift, Stempel, Datum, Unterschrift (Felder 1–3)Arztpraxis
B – PatientName, Pass- oder Ausweisnummer, Geburtsort und -datum, Staatsangehörigkeit, Geschlecht, Wohnanschrift, Reisedauer in Tagen, Gültigkeitszeitraum von/bis (max. 30 Tage) (Felder 4–12)Arztpraxis, mit deinen Angaben
C – Verschriebenes ArzneimittelHandelsbezeichnung oder Sonderzubereitung, Darreichungsform, internationale Wirkstoffbezeichnung, Wirkstoffkonzentration, Gebrauchsanweisung, Gesamtwirkstoffmenge, Reichdauer der Verschreibung (max. 30 Tage), Anmerkungen (Felder 13–20)Arztpraxis
D – Beglaubigende BehördeBezeichnung, Anschrift, Telefon, Stempel, Datum, Unterschrift (Felder 21–23)Gesundheitsamt bzw. zuständige Landesbehörde


Auf der zweiten Seite des Formulars stehen die Feldbezeichnungen auf Englisch und Französisch (4). So kann auch eine Grenzbeamtin in Lissabon oder Tallinn nachvollziehen, was eingetragen ist.

Beglaubigen lassen musst du das ausgefüllte Formular vor der Abreise bei der obersten Landesgesundheitsbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle. Die Beglaubigung erfolgt auf Grundlage der ärztlichen Verschreibung (1). Das kann zum Beispiel das örtliche Gesundheitsamt sein. In Dortmund etwa bringst du einen Ausweis und das vom Arzt ausgefüllte und unterschriebene Formular mit; die Beglaubigung kostet dort 15 Euro und dauert mit Termin rund 15 bis 20 Minuten (5). Gebühren und Abläufe können sich von Ort zu Ort unterscheiden. Welche Stelle in deinem Bundesland zuständig ist, steht in einer Liste, die das BfArM auf seiner Reiseseite bereitstellt (1).

Das Formular füllt die Ärztin oder der Arzt aus, die oder der dir das Cannabis verordnet hat. Das Formular selbst ist beim BfArM kostenlos als PDF erhältlich. Wenn deine Behandlung über weed.de vermittelt wurde, kannst du die Bescheinigung bei teilnehmenden Ärzten auch als Zusatzleistung anfordern. Die Ärztin oder der Arzt füllt sie dann nach der ärztlichen Freigabe aus, unterschreibt und stempelt sie. Du erhältst für jedes verordnete Arzneimittel ein eigenes Formular per Post. Einige persönliche Angaben bleiben dabei bewusst frei, die ergänzt du selbst.

Wichtig:

Auch in diesem Fall musst du die Bescheinigung vor der Reise selbst bei der zuständigen Behörde beglaubigen lassen, erst dann ist sie gültig.



Ärztliche Bescheinigung und Reiseunterlagen: Für die Mitnahme von medizinischem Cannabis ins Ausland sind die erforderlichen Dokumente frühzeitig zu organisieren.


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Ein Formular pro Medikament

Für jedes verschriebene Arzneimittel brauchst du eine eigene Bescheinigung (1). Das ergibt sich auch aus dem Aufbau des Formulars: Teil C hat Platz für genau ein Präparat mit Handelsbezeichnung, Darreichungsform und Wirkstoffmenge (4).

Achte beim Ausfüllen darauf, dass die Angaben zusammenpassen. Die Reisedauer (Feld 11), der Gültigkeitszeitraum (Feld 12) und die Reichdauer der Verschreibung (Feld 19) dürfen jeweils höchstens 30 Tage betragen, und die Gesamtwirkstoffmenge sollte zu Dosierung und Reisedauer passen (4). Wer deutlich mehr mitnimmt, als die Reise rechnerisch erfordert, riskiert Rückfragen.

Was, wenn ich mehrere Cannabis-Präparate habe?

Dann brauchst du nach der Formulierung des BfArM für jedes verordnete Präparat eine eigene Bescheinigung (1). Das gilt zum Beispiel, wenn du tagsüber einen Extrakt einnimmst und abends Blüten verdampfst, oder wenn dir zwei verschiedene Blütensorten verordnet wurden.

Ob zwei Blütensorten mit demselben Wirkstoff auf einer gemeinsamen Bescheinigung stehen dürfen, regeln die öffentlich zugänglichen Hinweise nicht ausdrücklich. Das Formular fragt allerdings nach der Handelsbezeichnung (Feld 13), also nach dem konkreten Präparat (4). Auf der sicheren Seite bist du mit einer Bescheinigung pro Präparat. Im Zweifel fragst du bei der beglaubigenden Stelle nach, bevor du den Termin wahrnimmst.

Reisen außerhalb des Schengen-Raums: Was gilt z. B. in Thailand, UK oder den USA?

Außerhalb des Schengen-Raums gibt es keine einheitlichen Regeln. Es gilt das Recht des Ziellandes und jedes Landes, durch das du reist, auch bei einem Umstieg am Flughafen (1). Manche Staaten beschränken die Menge, verlangen eine Einfuhrgenehmigung oder verbieten die Mitnahme vollständig.

Das BfArM empfiehlt, sich am Leitfaden für Reisende des Internationalen Suchtstoffkontrollrats (INCB) zu orientieren (1). Praktisch heißt das:

  • Früh klären, was im Ziel- und Transitland gilt. Verbindliche Auskunft geben die Botschaften oder Konsulate des jeweiligen Landes in Deutschland; die Kontaktadressen findest du beim Auswärtigen Amt (1). Einen ersten Überblick bietet die Länderübersicht des INCB, die allerdings nicht vollständig ist (3).
  • Eine mehrsprachige ärztliche Bescheinigung mitnehmen, mit Einzel- und Tagesdosis, Wirkstoffbezeichnung und Reisedauer. Eine feste Form ist nicht vorgeschrieben; das BfArM stellt ein Muster bereit (1).
  • Auch diese Bescheinigung beglaubigen lassen, und zwar bei derselben Stelle wie das Schengen-Formular (1).

Der INCB-Leitfaden sieht die Mitnahme für eine Reisedauer von höchstens 30 Tagen vor (3). Einzelne Länder erlauben mehr, andere gar nichts. Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich das ausfallen kann:



LandRechtslage für Reisende mit deutschem CannabisrezeptStand
USASeit April 2026 stehen nur von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassene Produkte und Cannabis unter einer US-bundesstaatlichen Medizinlizenz in der milderen Kategorie Schedule III. Jede andere Form von Marihuana bleibt bundesrechtlich Schedule I, die Einfuhr bleibt genehmigungspflichtig (9). Die Grenzschutzbehörde CBP stellte bereits 2017 klar, dass der Grenzübertritt mit Marihuana auch mit gültigem Rezept verboten ist (10); an der bundesrechtlichen Einstufung für ausländisches Cannabis hat die Neuregelung von 2026 nichts geändert (9).Final Rule 28.04.2026; CBP-Hinweis 2017
ThailandDie Einfuhr von Betäubungsmitteln ist grundsätzlich verboten; erlaubt sind nur bestimmte Medikamentenklassen, teils mit Genehmigung der thailändischen Arzneimittelbehörde (6). Cannabis-Extrakte stehen auf der thailändischen Betäubungsmittelliste in Kategorie V, deren Einfuhr ohne Genehmigung des Gesundheitsministers verboten ist; Dronabinol ist für Reisende ausdrücklich verboten (6,7). Cannabisblüten gelten seit Juni 2025 als kontrolliertes Heilkraut und sind in Thailand nur auf thailändisches Rezept erhältlich (8).FDA-Leitlinie 21.09.2024; Liste 15.09.2025
GroßbritannienVerschriebene Arzneimittel der Kategorien Schedule 2 bis 4 darf man in der Regel bis zu einer Drei-Monats-Menge mit Arztbrief einführen; für Schedule-1-Stoffe braucht man immer eine Lizenz (11). Cannabis-basierte Medizinprodukte stehen in Schedule 2 (12). Ob ein in Deutschland verschriebenes Cannabis im Einzelfall darunter fällt, solltest du vorab beim britischen Innenministerium (Home Office) oder der Botschaft klären.GOV.UK 11.04.2023 bzw. 03.10.2024


Das Beispiel Dronabinol zeigt, worauf es ankommt: In Deutschland kann es ärztlich verschrieben werden, in Thailand ist die Einfuhr für Reisende verboten (6). Nicht dein deutsches Rezept entscheidet, sondern wie das Zielland den Wirkstoff einstuft. Wie sich die Rechtslage in Thailand seit der Liberalisierung von 2022 entwickelt hat, liest du im Überblick zur Rechtslage in Thailand.

Wer medizinisches Cannabis mitführt, sollte sich vor der Reise über die Einreisebestimmungen des Ziellandes informieren.


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Darf ich das Cannabis mit dem Formular auch öffentlich konsumieren?

Nein, nicht automatisch. Die Schengen-Bescheinigung belegt, dass du dein Arzneimittel legal mitführen darfst (1). Wo und wie du es anwenden darfst, regelt sie nicht. Das entscheidet das Recht des Landes, in dem du dich gerade aufhältst.

Das Beispiel Spanien zeigt, warum dieser Unterschied wichtig ist. Das spanische Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit stuft den unerlaubten Konsum und Besitz von Betäubungsmitteln an öffentlichen Orten, auf Straßen, in öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsmitteln als schwere Ordnungswidrigkeit ein. Der Bußgeldrahmen reicht von 601 bis 30.000 Euro (13). Ob ärztlich verordneter Konsum mit gültiger Bescheinigung als „unerlaubt“ gilt, regelt das Gesetz nicht ausdrücklich. Verlassen solltest du dich darauf nicht. Mehr zur Lage vor Ort findest du im Überblick zu Cannabis in Spanien.

Für die Praxis heißt das:

  • Wende dein Cannabis möglichst privat an, etwa in deiner Unterkunft. Die Hausordnung von Hotels und Ferienwohnungen kann das zusätzlich einschränken.
  • Diskretion schützt dich rechtlich nicht. Wer unauffällig im Park inhaliert, verstößt womöglich trotzdem gegen örtliche Regeln. Maßgeblich ist das Recht, nicht die Frage, ob es jemand bemerkt.
  • Denk an den Straßenverkehr. Wer im Urlaub einen Mietwagen fährt, unterliegt den Verkehrsregeln des Gastlandes. Da THC auch nach dem Abklingen der spürbaren Wirkung noch nachweisbar sein kann, lohnt ein Blick darauf, wie lange THC nachweisbar ist.

Was passiert, wenn die Mitnahme im Zielland trotzdem nicht erlaubt ist?

Dann solltest du dein Cannabis nicht mitnehmen. Das BfArM empfiehlt für diesen Fall, zu prüfen, ob dein Arzneimittel oder ein gleichwertiges Präparat im Reiseland verfügbar ist und dort ärztlich verschrieben werden kann (3).

Konkret gibt es zwei Wege, die beide aufwendig sind:

  • Behandlung vor Ort: Du suchst vor der Reise eine Ärztin oder einen Arzt im Zielland, schilderst deine Situation und vereinbarst am besten einen Termin kurz nach der Ankunft. Das setzt voraus, dass es dort überhaupt verschreibungsfähige Cannabisarzneimittel gibt. In vielen Ländern ist das nicht der Fall. Einen Anspruch darauf, ein deutsches Rezept im EU-Ausland einzulösen, gibt es nur für Arzneimittel, die im jeweiligen Land zugelassen sind, und auch dann nur nach dem dortigen Recht (14). Cannabisblüten sind in der Regel kein solches zugelassenes Fertigarzneimittel.
  • Ein- und Ausfuhrgenehmigung: Das MedCanG kennt eine förmliche Genehmigung zur Ein- und Ausfuhr, die beim BfArM beantragt wird; für das Verfahren gilt die Betäubungsmittel-Außenhandelsverordnung entsprechend (2). Ob und wie das für eine private Reise infrage kommt, klärt das BfArM im Einzelfall. Wenn das Zielland die Einfuhr verbietet, hilft auch eine deutsche Genehmigung nicht weiter.

Wenn beides nicht möglich ist, bleibt nur, die Reise mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zu besprechen: ob eine Therapiepause für die Dauer der Reise vertretbar ist oder ob ein anderes Reiseziel die bessere Wahl wäre. Setz dein Cannabis nicht eigenmächtig ab.

Praktische Tipps: Verpackung, Gepäck, Flughafenkontrolle

Die meisten Probleme an Kontrollen entstehen nicht durch fehlende Rechte, sondern durch Papiere, die man nicht griffbereit hat. Kurz zusammengefasst:

  • Originalverpackung: Nimm dein Cannabis in der Apothekenverpackung mit Etikett mit, nicht umgefüllt in eine neutrale Dose. Auch Thailands Arzneimittelbehörde verlangt, dass Medikamente in der Originalverpackung mit klarer Beschriftung reisen (6).
  • Handgepäck: Führe das Arzneimittel und alle Bescheinigungen am Körper oder im Handgepäck mit. So hast du alles bei Rückfragen parat, auch wenn der Koffer verloren geht.
  • Papiere doppelt: Nimm das beglaubigte Original und eine Kopie mit, zusätzlich eine Rezeptkopie. Ein Foto auf dem Smartphone ersetzt das Original nicht, hilft aber, wenn etwas verloren geht.
  • Nichts weitergeben: Dein Cannabis ist nur für dich. Wer im Ausland etwas an Mitreisende abgibt, verlässt den Schutz der Reisebedarfsregel.
  • Rückreise mitdenken: Die Bescheinigung muss auch für den Rückweg gültig sein. Plane den Gültigkeitszeitraum (Feld 12) so, dass er Hin- und Rückreise abdeckt (4).

Was bei Sicherheitskontrolle, Zoll und Boarding im Einzelnen gilt, haben wir im Artikel zu Cannabis am Flughafen ausführlich zusammengestellt.

Medizinisches Cannabis auf Flugreisen: Medikamente, Rezept und erforderliche Bescheinigungen sollten im Handgepäck griffbereit sein.


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Fazit – Checkliste: Das gehört in dein Gepäck

Mit medizinischem Cannabis ins Ausland zu reisen ist innerhalb des Schengen-Raums gut planbar: ärztlich ausgefülltes Formular nach Artikel 75, vor der Abreise beglaubigt, höchstens 30 Tage gültig, eine Bescheinigung pro Präparat. Außerhalb des Schengen-Raums entscheidet allein das Recht von Ziel- und Transitland, und manche Länder schließen die Mitnahme ganz aus.
In jedem Fall gilt: Das Formular erlaubt das Mitführen, nicht den Konsum in der Öffentlichkeit. Plane die Reise frühzeitig und besprich sie mit deiner behandelnden Praxis, vor allem, wenn Dosierung, Darreichungsform oder Reisedauer angepasst werden müssen.


Was du brauchstPatient im Urlaub (Schengen)Berufsreisender (häufig, auch außerhalb Schengen)Camper / Roadtrip (mehrere Länder)
Cannabis in Originalverpackung der Apotheke✔✔✔
Rezeptkopie✔✔✔
Beglaubigte Bescheinigung nach Art. 75, je Präparat✔✔ bei Schengen-Zielen, jeweils neu nach spätestens 30 Tagen✔ Gültigkeitszeitraum über die gesamte Tour
Mehrsprachige, beglaubigte Bescheinigung (INCB-Muster)-✔ bei Nicht-Schengen-Zielen✔ wenn die Route aus dem Schengen-Raum hinausführt (z. B. Balkan, Großbritannien)
Einreiseregeln von Ziel- und Transitland geprüft✔✔ vor jeder Reise neu✔ für jedes Land der Route
Menge passend zur Reisedauer (max. 30 Tage)✔✔✔
Konsumregeln vor Ort bekannt✔✔✔ auch Regeln im Straßenverkehr



Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Anwendung von Cannabisprodukten zu therapeutischen Zwecken sollte nur in Absprache mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal erfolgen. Es wird keine Haftung für Schäden oder Nebenwirkungen übernommen, die durch unsachgemäßen Gebrauch entstehen können. Weder werden Heil- oder Wirkversprechen gegeben, noch soll die Nutzung ohne ärztlichen Rat angeregt werden. Nutzer sind verpflichtet, die in ihrer Region geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu beachten und eigenverantwortlich zu handeln.

FAQ

Muss ich für CBD-Produkte auch ein Formular mitführen?

Das Schengen-Formular ist für Betäubungsmittel und psychotrope Stoffe gedacht, die dir im Rahmen einer ärztlichen Behandlung verschrieben wurden. Für frei verkäufliche CBD-Produkte ist es nicht vorgesehen. Sorglos solltest du trotzdem nicht sein: Viele CBD-Produkte enthalten Spuren von THC. Großbritannien etwa geht davon aus, dass CBD-Produkte fast immer kontrollierte Cannabinoide enthalten, und behandelt sie deshalb grundsätzlich als kontrollierte Stoffe, sofern sie nicht als ausgenommenes Produkt gelten. Prüfe deshalb vor der Reise die Regeln des Ziellandes oder lass CBD-Produkte im Zweifel zu Hause.

Was, wenn ich beim Pendeln regelmäßig die Grenze überquere?

Die Bescheinigung nach Artikel 75 gilt für einen im Formular eingetragenen Zeitraum von höchstens 30 Tagen. Wer regelmäßig pendelt, braucht deshalb spätestens nach 30 Tagen eine neue, erneut beglaubigte Bescheinigung. Ob eine Bescheinigung mehrere Grenzübertritte innerhalb ihres Gültigkeitszeitraums abdeckt, regeln die öffentlich zugänglichen Hinweise nicht ausdrücklich. Kläre das am besten mit der Stelle, die deine Bescheinigung beglaubigt. Die Schengen-Regel gilt außerdem nur für Staatsangehörige der Vertragsstaaten; für Pendler in die Schweiz oder nach Österreich ist sie anwendbar.

Kann ich mein Cannabis-Rezept auch in einer Apotheke im Ausland einlösen?

Darauf solltest du nicht bauen. Innerhalb der EU gibt es zwar eine Regel zur Anerkennung ausländischer Rezepte, sie gilt aber nur für Arzneimittel, die im jeweiligen Land zugelassen sind, und immer nach dem dortigen Recht. Cannabisblüten und viele Rezepturen sind in anderen Ländern kein zugelassenes Arzneimittel, und in manchen gibt es gar kein medizinisches Cannabis in Apotheken. Plane deshalb so, dass die mitgenommene Menge für die gesamte Reise reicht, soweit die 30-Tage-Grenze das zulässt.

Brauche ich eine Übersetzung des Formulars für die Kontrolle vor Ort?

Für Reisen im Schengen-Raum ist das Formular bereits auf Mehrsprachigkeit angelegt: Auf der zweiten Seite stehen alle Feldbezeichnungen auf Englisch und Französisch. Eine zusätzliche Übersetzung verlangen die BfArM-Hinweise für Schengen-Reisen nicht. Anders außerhalb des Schengen-Raums: Dort empfiehlt das BfArM eine mehrsprachige ärztliche Bescheinigung und stellt dafür ein Muster bereit. Welche Sprachen oder Dokumente ein bestimmtes Land zusätzlich erwartet, erfährst du bei dessen Botschaft.

Darf jemand anderes mein Cannabis für mich mitnehmen?

Nein. Die Ausnahme im Medizinal-Cannabisgesetz gilt nur für die Person, die das Cannabis auf ärztliche Verschreibung erworben hat und es selbst als Reisebedarf ein- oder ausführt. Das Mitbringen durch Angehörige, Freunde oder Mitreisende ist davon nicht gedeckt. Auch der Versand ins Ausland ist kein Ausweg, denn er ist keine Mitnahme als Reisebedarf. Wenn du deine Medikation vergessen hast oder sie verloren geht, wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt vor Ort oder an deine behandelnde Praxis in Deutschland.

Gilt das auch bei Zwischenstopps und Umstiegen?

Ja, auch dort musst du dich an die Regeln halten. Das BfArM betont, dass neben dem Zielland auch die Bestimmungen jedes Transitlandes zu beachten sind. Ein Umstieg in einem Land mit strengen Betäubungsmittelgesetzen kann zum Problem werden, selbst wenn du den Flughafen nicht verlässt und dein Zielland die Mitnahme erlaubt. Wähle deshalb bei der Buchung möglichst Verbindungen über Länder, deren Regeln du geprüft hast, und kläre Zweifelsfälle vorab mit den jeweiligen Botschaften.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (o. J.): Reisen mit medizinischem Cannabis – Reisen mit Cannabisarzneimitteln. https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Medizinisches-Cannabis/Reisen-mit-medizinischem-Cannabis/_artikel.html (Abgerufen am 24.09.2026)
  2. Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) vom 27. März 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 109), zuletzt geändert durch Art. 2 des Gesetzes vom 20. Juni 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 207), §§ 5, 12, 14, 24. https://www.gesetze-im-internet.de/medcang/ (Stand: Änderung vom 20.06.2024; eingesehen am 24.09.2026)
  3. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (o. J.): Reisen mit Betäubungsmitteln. https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Betaeubungsmittel/Reisen/_node.html (Abgerufen am 24.09.2026)
  4. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2000): Bescheinigung für das Mitführen von Betäubungsmitteln im Rahmen einer ärztlichen Behandlung – Artikel 75 des Schengener Durchführungsabkommens (Formular BfArM 017, Stand 12.2000). https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bundesopiumstelle/Betaeubungsmittel/Reisen/reise_scheng_formular.pdf?__blob=publicationFile (Abgerufen am 24.09.2026)
  5. Stadt Dortmund (o. J.): Reisen mit Betäubungsmitteln (BtM) / Schengener Abkommen. https://www.dortmund.de/services/reisen-mit-betaeubungsmitteln-btm-schengener-abkommen.html (Abgerufen am 25.09.2026)
  6. Food and Drug Administration Thailand, Narcotics Control Division (2024): Guidance for Travelers under Treatment Carrying Personal Medications Containing Narcotic Drugs or Psychotropic Substances into Thailand (Version 5, 21.09.2024). https://permitfortraveler.fda.moph.go.th/permit_new/assets/pdf_att/Guidance_for_Travelers_who_travel_into_Thailand.pdf (Abgerufen am 25.09.2026)
  7. Food and Drug Administration Thailand, Narcotics Control Division (2025): Table of Controlled Narcotic Drugs in Thailand (NARCO list, update 15.09.2025). https://permitfortraveler.fda.moph.go.th/permit_new/assets/pdf_att/NARCO_list_update_15_09_2025_NEW.pdf (Abgerufen am 25.09.2026)
  8. Tilleke & Gibbins (2025): Thailand's New Cannabis Controls Impact Doctors, Dispensaries, and Growers. https://www.tilleke.com/insights/thailands-new-cannabis-controls-impact-doctors-dispensaries-and-growers/ (Abgerufen am 25.09.2026)
  9. Drug Enforcement Administration (2026): Schedules of Controlled Substances: Rescheduling of Food and Drug Administration Approved Products Containing Marijuana From Schedule I to Schedule III; Corresponding Change to Permit Requirements. Federal Register, 28.04.2026, Dok. 2026-08176. https://www.federalregister.gov/documents/2026/04/28/2026-08176/schedules-of-controlled-substances-rescheduling-of-food-and-drug-administration-approved-products (Abgerufen am 25.09.2026)
  10. U.S. Customs and Border Protection (2017): Travel advisory for medical marijuana prescription holders. https://www.cbp.gov/newsroom/local-media-release/travel-advisory-medical-marijuana-prescription-holders (Abgerufen am 25.09.2026)
  11. GOV.UK, Home Office (2023): Travelling with medicine containing controlled drugs. https://www.gov.uk/guidance/controlled-drugs-personal-licences (Abgerufen am 25.09.2026)
  12. GOV.UK, Home Office (2024): Drug licensing factsheet: cannabis, CBD and other cannabinoids. https://www.gov.uk/government/publications/cannabis-cbd-and-other-cannabinoids-drug-licensing-factsheet/drug-licensing-factsheet-cannabis-cbd-and-other-cannabinoids (Abgerufen am 25.09.2026)
  13. Ley Orgánica 4/2015, de 30 de marzo, de protección de la seguridad ciudadana, Art. 36 Nr. 16, Art. 39 Abs. 1. Boletín Oficial del Estado, BOE-A-2015-3442. https://www.boe.es/buscar/act.php?id=BOE-A-2015-3442 (konsolidierte Fassung, letzte Aktualisierung 23.02.2021; abgerufen am 25.09.2026)
  14. Richtlinie 2011/24/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2011 über die Ausübung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung, Art. 11 Abs. 1. ABl. L 88 vom 4.4.2011, S. 45. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32011L0024 (Abgerufen am 25.09.2026)

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Dr. Sebastián Marincolo ist ein international bekannter Publizist, Sachbuch-Autor, Bewusstseinsforscher und strategischer Berater für Kommunikation. Er studierte bei einigen der einflussreichsten Philosophen unserer Zeit und erforscht seit über 25 Jahren das Cannabis High als veränderten Bewusstseinszustand. Er ist Autor von fünf Sachbüchern und zahlreicher Essays über das bewusstseinsverändernde Potenzial von Cannabis und arbeitete für längere Zeit mit Harvard Assoc. Prof. für Psychiatrie Dr. Lester Grinspoon, einem der bekanntesten Cannabis-Experten der Welt, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband. Er ist Mitglied im europäischen wissenschaftlichen Beirat für das "Woman's Cannabis Project" von Dr. Suzanne Mulvehill und für CINTA – Cannabis Initiative für Transdisziplinäre Analysen von Prof. Dr. habil. Gundula Barsch.