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Cannabis gegen Rückenschmerzen: Was THC und CBD wirklich leisten können

Eine Frau mittleren Alters liegt entspannt auf einer Yogamatte, Augen geschlossen, neben ihr ein kleines CBD-Öl-Fläschchen – Vogelperspektive.

Wichtigste Erkenntnisse

7 Minuten Lesezeit
  • Cannabinoide wie THC und CBD interagieren mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System und können Schmerzwahrnehmung sowie Entzündungsprozesse beeinflussen – besonders bei chronischen Verläufen mit neuropathischen Anteilen zeigt die Forschung relevante Signale.
  • Eine große Phase-3-Studie mit einem standardisierten Vollspektrum-Cannabisextrakt bei chronischen Rückenschmerzen zeigte nach 12 Wochen eine statistisch signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo; der Unterschied war jedoch moderat (rund 0,6 Punkte auf einer 10-Punkte-Skala), und Nebenwirkungen traten häufig auf.
  • THC ist psychotrop (bewusstseinsverändernd), CBD wirkt nicht bewusstseinsverändernd, löst also kein „High“ aus – ist aber nicht frei von Effekten auf das zentrale Nervensystem. Wichtig: Die – insgesamt bescheidene – Schmerzevidenz stammt vor allem aus THC-haltigen Präparaten.
  • Welche Darreichungsform sinnvoll ist – Öl, Blüte, Kapsel oder Creme – hängt von der Art der Beschwerden, dem Tagesablauf und der gewünschten Wirkdauer ab.
  • Wer bereits Schmerzmittel wie Opioide, Gabapentinoide oder Muskelrelaxanzien einnimmt, sollte Cannabisprodukte nicht eigenmächtig hinzufügen; Wechselwirkungen über Leberenzyme sind möglich und müssen ärztlich geprüft werden.

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Cannabis gegen Rückenschmerzen ist ein Thema, das in Deutschland seit der Neuregulierung des medizinischen Cannabis zunehmend in den Fokus rückt. Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden überhaupt; schätzungsweise leidet rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung regelmäßig darunter, bei vielen persistieren die Beschwerden über Monate oder Jahre. Klassische Schmerzmittel helfen nicht immer zuverlässig, können bei Langzeitanwendung Nebenwirkungen verursachen oder verlieren an Wirksamkeit. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Menschen fragen, ob Cannabinoide eine sinnvolle Ergänzung in der Schmerztherapie sein könnten.

Dieser Artikel zeigt dir, was die Forschung bisher zu Cannabis bei Rückenschmerzen belastbar sagt, welche Produktprofile und Darreichungsformen in Betracht kommen, wie der Vergleich mit klassischen Schmerzmitteln aussieht und was du bei Wechselwirkungen unbedingt beachten solltest.

Wie Cannabis Rückenschmerzen beeinflussen kann

Cannabinoide wirken vor allem über das Endocannabinoid-System (ECS), ein körpereigenes Regulationsnetzwerk – vergleichbar mit einem fein austarierten Thermostat – mit Rezeptoren entlang der Wirbelsäule, in Nervenbahnen, im Gehirn und an vielen anderen Stellen im Körper. Wenn THC oder CBD an diese Rezeptoren binden (nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip), modulieren sie Schmerzsignale, Entzündungsprozesse und Muskeltonus – nicht durch eine einfache Blockade, sondern über ein fein abgestimmtes Zusammenwirken verschiedener Botenstoffwege (1).

Für die Praxis ist eine wichtige Unterscheidung entscheidend: Akute Rückenschmerzen nach Überlastung oder Fehlbewegung folgen anderen Mechanismen als chronische Beschwerden, die über Monate anhalten. Bei chronischen Verläufen, besonders wenn neuropathische Anteile (Nervenschmerzen) beteiligt sind, scheint das Potenzial von Cannabinoiden laut aktuellen Studien am größten (2). Bei rein mechanisch bedingten, kurzfristigen Beschwerden ist die Datenlage dagegen dünn – für akute Kreuzschmerzen war ein CBD-Präparat in einer kontrollierten Studie dem Placebo nicht überlegen (3).

Bandscheibenvorfall: Kann Cannabis helfen?

Eine junge Frau streckt draußen am Terrassentisch den Rücken durch und hält sich die Lendenwirbelsäule – Rückenschmerzen nach langem Sitzen am Laptop.


Präklinische Forschung – also Untersuchungen an Zellen und Tieren, die noch nicht auf den Menschen übertragbar sind – deutet darauf hin, dass CBD möglicherweise schützend auf Bandscheibengewebe wirken könnte (4). Ob das beim Menschen klinisch relevant ist, lässt sich aus den vorliegenden Daten noch nicht ableiten. Bei Nervenwurzelreizungen durch einen Bandscheibenvorfall könnten Cannabinoide jedoch Schmerzsignale dämpfen; das macht sie für manche Betroffene zu einer diskutierenswerten Ergänzung – immer in Absprache mit einem Arzt oder einer Ärztin.

THC und CBD bei Rückenschmerzen – wer hilft wann?

Makroaufnahme einer blühenden Cannabisblüte mit rosa Pistillen und weißen Trichomen vor grünem Bokeh-Hintergrund.


THC und CBD sind die zwei bekanntesten Cannabinoide, aber sie wirken auf grundlegend unterschiedliche Weise. Für eine sinnvolle Einordnung bei Rückenschmerzen lohnt sich ein genauer Blick auf beide – wobei die belastbare Schmerzevidenz überwiegend an THC-haltigen Präparaten gewonnen wurde.

THC bei Rückenschmerzen

THC (Tetrahydrocannabinol) wirkt unter anderem psychotrop (bewusstseinsverändernd); es verändert in höheren Dosen die Wahrnehmung und und kann Schläfrigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder, seltener, Unruhe auslösen, bei hoher Dosis auch zu Verwirrung und Panik führen (5).

Gleichzeitig könnte THC bei chronischen Rückenschmerzen therapeutisch relevant sein (6). Aktuelle systematische Übersichtsarbeiten kommen zu dem Ergebnis, dass es gerade die THC-haltigen bzw. THC-betonten Profile sind, die die zu einer gewissen schmerzlindernden Wirkung tragen (7).

Weiter unten gehen wir genauer auf die aktuelle Evidenzlage ein, die sich vor kurzem stark verbessert hat.

CBD bei Rückenschmerzen

Ein älterer Mann geht aufrecht und entspannt auf einem Waldweg im Herbst – Bewegung als Teil der Schmerztherapie bei Rückenschmerzen.


CBD (Cannabidiol) wirkt nicht psychotrop (bewusstseinsverändernd). Es setzt bei chronischen Rückenschmerzen an anderen Angriffspunkten an als THC: Es aktiviert die klassischen Endocannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 nicht primär direkt – am CB1 dämpft es die Wirkung von THC sogar eher – und adressiert stattdessen eine Vielzahl weiterer Rezeptorwege: darunter TRPV1 und TRPA1 (Sensoren, die Reize an den Nervenenden melden und bei Dauerreizung überempfindlich werden), spannungsabhängige Natriumkanäle wie Nav1.7 (eine Art Lautstärkeregler für Nervensignale, der bei Nervenschmerzen zu weit aufgedreht ist), den Serotoninrezeptor 5-HT1A, das Adenosin-System, GPR55 sowie PPAR-γ (ein Schalter, der Entzündungsprozesse in der Zelle herunterregelt) – wobei die beiden letztgenannten häufig zum erweiterten Endocannabinoid-System gezählt werden.

Diese Vielfalt macht CBD pharmakologisch interessant, insbesondere für den neuropathischen Anteil chronischer Kreuzschmerzen, doch die klinische Evidenz bleibt bislang schwach: Eine systematische Übersichtsarbeit fand nur elf kleine, heterogene Humanstudien, teils mit positiven Effekten bei Arthrose, neuropathischem und chronischem Schmerz, aber ohne belastbare Daten speziell zu Rückenschmerzen (8). Auch die deutsche DGS-Praxisleitlinie betont, dass die Rolle von CBD – anders als bei THC, das als wirksamkeitsbestimmender Bestandteil gilt – noch am Anfang der Forschung steht (9). CBD sollte daher aktuell eher als möglicher ergänzender Modulator (Schlaf, Entzündung, Angst) denn als eigenständiges Analgetikum – also als eigenständiges Schmerzmittel – verstanden werden.

Wichtig zu wissen:

Auch CBD ist pharmakologisch aktiv und kann Leberenzyme beeinflussen, die für den Abbau anderer Medikamente zuständig sind.

Welche Cannabisprodukte eignen sich bei Rückenschmerzen?

Nicht jedes Produkt wirkt gleich. Wirkungseintritt, Dauer und Eignung für verschiedene Beschwerdebilder unterscheiden sich erheblich. Die folgende Übersicht hilft dir bei der Orientierung:

ProduktWirkungseintrittWirkdauerGeeignet für
CBD-Öl (sublingual)15–45 Min.4–6 Std.Tagsüber, moderate Dauerbeschwerden
Cannabisblüten (Verdampfer)5–15 Min.2–4 Std.Akute Schmerzspitzen, abendliche Anwendung
Kapseln / Tabletten45–90 Min.6–8 Std.Planbare Einnahme, Reisen
Topische Cremes / SalbenLokal, 20–45 Min.2–4 Std.Lokale Muskelverspannungen, oberflächliche Beschwerden


Topische Cannabisprodukte werden direkt an der betroffenen Stelle aufgetragen, ohne stark systemisch zu wirken, und haben daher ein geringes Risiko für unerwünschte Effekte. Für tiefergehende Ursachen wie Nervenwurzelreizungen oder Bandscheibenvorfälle sind systemische Formen (Öle, Kapseln, Verdampfer) aber vermutlich sinnvoller.

Zur richtigen Dosierung von medizinischem Cannabis gilt die Faustregel: niedrig beginnen, langsam anpassen und ärztliche Begleitung suchen – besonders bei bestehender Medikation.

Welche Cannabis-Sortenprofile kommen bei Rückenschmerzen in Betracht?

Eine häufig gestellte Frage lautet: Welche Sorte ist die beste gegen Rückenschmerzen? Die ehrliche Antwort: Für einzelne benannte Sorten gibt es keine klinischen Vergleichsstudien, die eine Überlegenheit belegen würden. Was die Forschung nahelegt, ist eine profilbasierte Betrachtung nach dem Cannabinoidverhältnis – wobei die aktuelle klinische Evidenz die schmerzlindernde Wirkung eher den THC-haltigen als den CBD-dominierten Profilen zuordnet (7).

  • CBD-dominierte Profile (hohes CBD/THC-Verhältnis) sind vor allem deshalb alltagstauglich, weil sie kaum bewusstseinsverändernd wirken – nicht, weil ein klinischer Schmerz- oder Entzündungsnutzen belegt wäre. In placebo-kontrollierten Studien zeigten CBD-only-Produkte kaum Effekt auf den Schmerz. Ihre Rolle bei Entzündungsprozessen wird erforscht, ist beim Menschen aber nicht klinisch gesichert; ob sie im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt (7).
  • Ausgewogene und THC-betonte Profile tragen nach aktueller Studienlage den schmerzlindernden Effekt, gehen aber mit deutlicherer bewusstseinsverändernder Wirkung und häufigeren Nebenwirkungen wie Schwindel und Sedierung einher (7).

Was sagen aktuelle Studien zu Cannabis bei Rückenschmerzen?

Die Studienlage hat sich zuletzt deutlich verbessert, ist aber noch nicht abschließend. Den bislang stärksten Beleg speziell für chronische Rückenschmerzen liefert eine große placebo-kontrollierte Phase-3-Studie mit 820 Erwachsenen, die einen standardisierten Vollspektrum-Cannabisextrakt untersuchte. Nach 12 Wochen war die Schmerzreduktion in der Cannabisgruppe statistisch signifikant größer als unter Placebo (mittlere Reduktion rund 1,9 gegenüber rund 1,4 Punkten auf einer 10-Punkte-Skala), zudem verbesserten sich Schlafqualität und körperliche Funktion, und der Rescue-Medikamenten-Bedarf sank (10). Der Unterschied zu Placebo war jedoch moderat (rund 0,6 Punkte), am deutlichsten fiel er bei Betroffenen mit neuropathischer Schmerzkomponente aus. Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit und Übelkeit traten häufig auf; Anzeichen für Abhängigkeit oder Entzugssymptome fanden die Autoren nicht.

Ein aktualisiertes systematisches Review von 25 randomisiert-kontrollierten Studien ordnet diese Signale ein: THC-haltige bzw. THC-betonte Produkte reduzierten die Schmerzstärke leicht, während CBD-only-Produkte kaum einen Schmerzeffekt zeigten – jeweils zum Preis von mehr Nebenwirkungen wie Schwindel und Sedierung bei den THC-Produkten (7). Eine systematische Übersichtsarbeit im Global Spine Journal, die gezielt Rückenschmerzen untersuchte, kommt zu einem ähnlichen Bild: Cannabinoide können bei einem Teil der Betroffenen zu einer klinisch relevanten Schmerzreduktion beitragen, insbesondere bei chronischen und neuropathischen Verläufen; bei akuten oder rein mechanisch bedingten Rückenschmerzen fehlen belastbare Daten bisher (2).


Was das für die Praxis bedeutet:

Cannabis ist bei Rückenschmerzen kein Allheilmittel, aber für einen Teil der Betroffenen – insbesondere bei chronischen Verläufen mit neuropathischen Anteilen und schlechter Ansprache auf Standardtherapien – eine überlegenswerte Ergänzung. Die – insgesamt noch begrenzte – Evidenz stützt eher THC-haltige Profile. Die Entscheidung gehört in ärztliche Hände.



Eine Ärztin im Gespräch mit einer Patientin – ärztliche Beratung zu medizinischem Cannabis bei Rückenschmerzen.

Cannabis und klassische Schmerzmittel – ein Überblick

Für viele Menschen mit chronischen Rückenschmerzen ist Cannabis nicht die erste Option, sondern eine ergänzende oder alternative Möglichkeit, wenn Standardmedikamente nicht ausreichen oder nicht vertragen werden. Cannabinoide sind kein automatischer Ersatz für eine ärztlich geleitete Schmerztherapie. Für Patienten, die auf NSAIDs schlecht ansprechen oder diese nicht vertragen, kann Cannabis jedoch eine relevante Alternative sein. Eine direkte Vergleichsstudie deutete zudem darauf hin, dass ein standardisierter Cannabisextrakt bei chronischen Rückenschmerzen eine mit Opioiden vergleichbare oder bessere Schmerzlinderung bei günstigerer Magen-Darm-Verträglichkeit erzielen kann (11); das ersetzt aber keine individuelle ärztliche Abwägung.

Wechselwirkungen: Was du bei bestehender Rückenmedikation beachten musst

Wer bereits Medikamente gegen Rückenschmerzen einnimmt, sollte Cannabisprodukte nicht ohne ärztliche Rücksprache hinzufügen. CBD und THC werden über die Leberenzyme CYP3A4 und CYP2C19 abgebaut – dieselben Enzyme, die viele gängige Schmerzmittel verstoffwechseln. Das kann deren Wirkung in Form von Wechselwirkungen verstärken oder abschwächen und im schlimmsten Fall zu gefährlichen Kombinationseffekten führen (12).


MedikamentMögliche Wechselwirkung mit CBD/THC
Ibuprofen / Diclofenac (NSAIDs)Verstärkte blutdrucksenkende Wirkung möglich; kombiniertes Magen-Darm-Risiko
Gabapentin / PregabalinVerstärkte Sedierung; erhöhtes Sturzrisiko, besonders bei älteren Personen
Opioide (z. B. Tramadol, Oxycodon)Additive zentrale Dämpfung; engmaschige ärztliche Überwachung erforderlich
Muskelrelaxanzien (z. B. Methocarbamol)Verstärkte Sedierung möglich
Trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin)CBD kann den Wirkspiegel erhöhen; Dosisanpassung ggf. nötig


Gerade bei Ibuprofen oder anderen Schmerzmitteln ist die Kombination mit Cannabinoiden keine Frage, die man nebenbei entscheiden sollte: Mehrere zentral wirkende Substanzen gleichzeitig einzunehmen ist eine klinisch relevante Sicherheitsfrage, die ärztlich begleitet gehört.

Fazit

Cannabis kann bei Rückenschmerzen – insbesondere bei chronischen Verläufen mit neuropathischen Anteilen oder bei unzureichender Wirkung klassischer Schmerzmittel – eine sinnvolle therapeutische Ergänzung sein. Die Evidenz hat sich kürzlich durch aktuelle Phase-3-Daten verbessert, ist aber noch nicht belastbar genug für pauschale Empfehlungen: Sie stützt eher THC-haltige als CBD-dominierte Profile, nicht jede Rückenindikation profitiert gleich, und Wechselwirkungen mit bestehender Medikation müssen ernst genommen werden.

Wer Cannabis als Teil seiner Schmerztherapie in Erwägung zieht, sollte das ärztlich begleiten lassen. In Deutschland ist medizinisches Cannabis seit April 2024 über das MedCanG geregelt und kann bei passender Indikation verordnet werden.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Anwendung von Cannabisprodukten zu therapeutischen Zwecken sollte nur in Absprache mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal erfolgen. Es wird keine Haftung für Schäden oder Nebenwirkungen übernommen, die durch unsachgemäßen Gebrauch entstehen können. Weder werden Heil- oder Wirkversprechen gegeben, noch soll die Nutzung ohne ärztlichen Rat angeregt werden. Nutzer sind verpflichtet, die in ihrer Region geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu beachten und eigenverantwortlich zu handeln.

FAQ

Hilft Cannabis wirklich bei Rückenschmerzen?

Studien deuten darauf hin, dass Cannabinoide bei einem Teil der Betroffenen – speziell bei chronischen und neuropathischen Rückenschmerzen – zu einer moderaten Schmerzlinderung beitragen können. Eine große Phase-3-Studie zeigte einen signifikanten, aber moderaten Vorteil gegenüber Placebo. Die belastbaren Effekte stammen dabei vor allem aus THC-haltigen Präparaten. Die Effekte sind individuell verschieden und nicht für jede Rückenindikation belegt.

Was ist besser bei Rückenschmerzen: THC oder CBD?

Die schmerzlindernde Evidenz stammen laut derzeitiger Evidenzlage überwiegend aus THC-haltigen Präparaten; reine CBD-Produkte zeigten in Studien kaum einen Schmerzeffekt. CBD gilt als alltagstauglicher, weil es nicht bewusstseinsverändernd wirkt, THC-haltige oder ausgewogene Profile mit THC und CBD können abends bei Schlafproblemen oder starker muskulärer Anspannung relevant sein. Welche Option passt, sollte ärztlich entschieden werden.

Helfen Cannabisprodukte bei einem Bandscheibenvorfall?

Cannabinoide können möglicherweise bei Nervenwurzelreizungen, wie sie beim Bandscheibenvorfall auftreten, Schmerzsignale dämpfen. Präklinische Studien deuten zudem auf mögliche schützende Effekte von CBD auf Bandscheibengewebe hin. Ob das klinisch relevant ist, muss im Einzelfall ärztlich beurteilt werden; pauschal lässt sich das nicht beantworten.

Können CBD-Cremes bei Rückenverspannungen helfen?

Topische Cannabisprodukte wirken lokal an der aufgetragenen Stelle und werden von manchen Betroffenen bei oberflächlichen Muskelverspannungen als angenehm empfunden. Ein klinischer Wirknachweis speziell für den Rücken fehlt bislang. Für tieferliegende Ursachen wie Nervenwurzelreizungen oder Bandscheibenvorfälle sind systemische Anwendungsformen – Öle, Kapseln oder Verdampfer – in der Regel besser geeignet.

Ist Cannabis zur Behandlung von Rückenschmerzen für ältere Menschen sicher?

Bei älteren Personen ist besondere Vorsicht geboten: Das Sturz- und Schwindelrisiko unter THC-haltigen Produkten kann erhöht sein. CBD-reiche Profile mit geringem THC-Anteil gelten als konservativere Option. Eine ärztliche Begleitung ist in dieser Altersgruppe besonders wichtig, auch wegen möglicher Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Kann ich Cannabis mit Ibuprofen oder anderen Schmerzmitteln kombinieren?

Kombinationen sind möglich, aber nicht ohne Risiko. CBD kann den Abbau bestimmter Schmerzmittel über Leberenzyme verlangsamen; THC kann die Wirkung zentral aktiver Substanzen verstärken. Vor einer Kombination sollte unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden; das gilt besonders für Gabapentinoide und Opioide.

Wie erhalte ich in Deutschland medizinisches Cannabis gegen Rückenschmerzen?

Medizinisches Cannabis ist in Deutschland seit April 2024 über das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) geregelt. Bei passender Indikation kann es von einer Ärztin oder einem Arzt verschrieben und in der Apotheke bezogen werden. Ein allgemeiner Markt für den nicht-medizinischen Gebrauch von Erwachsenen im Sinne offener Verkaufsstellen existiert in Deutschland derzeit nicht.

Ist Cannabis eine Alternative zu Opioiden bei starken Rückenschmerzen?

Für einen Teil der Betroffenen deuten Studien darauf hin, dass Cannabinoide helfen können, den Opioidbedarf zu reduzieren; eine direkte Vergleichsstudie fand für einen standardisierten Extrakt eine mit Opioiden vergleichbare Schmerzlinderung bei besserer Magen-Darm-Verträglichkeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass Cannabis Opioide einfach ersetzen kann – gerade bei schweren Schmerzverläufen muss das individuell und ärztlich begleitet entschieden werden.

Quellen

  1. Vučković, S., Srebro, D., Vujović, K. S., Vučetić, Č., & Prostran, M. (2018): Cannabinoids and Pain: New Insights From Old Molecules. Frontiers in Pharmacology 9, 1259
  2. Price, R. L., Charlot, K. V., Frieler, S., Dettori, J. R., Oskouian, R., Chapman, J. R. (2022): The Efficacy of Cannabis in Reducing Back Pain: A Systematic Review. Global Spine Journal 12(2), S. 343–352
  3. Bebee, B., Taylor, D. M., Bourke, E., Pollack, A., Foster, L., Ching, M., Wong, A. (2021): The CANBACK trial: a randomised, controlled clinical trial of oral cannabidiol for people presenting to the emergency department with acute low back pain. Medical Journal of Australia 214(8), S. 370–375
  4. Silveira, J. W., Issy, A. C., Castania, V. A., Salmon, C. E., Nogueira-Barbosa, M. H., Guimarães, F. S., Defino, H. L., & Del Bel, E. (2014): Protective effects of cannabidiol on lesion-induced intervertebral disc degeneration. PLoS ONE 9(12), e113161
  5. Campbell, G., Hall, W. D., Peacock, A., Lintzeris, N., Bruno, R., Larance, B., Nielsen, S., Cohen, M., Chan, G., Mattick, R. P., Blyth, F., Shanahan, M., Dobbins, T., Farrell, M., & Degenhardt, L. (2018): Effect of cannabis use in people with chronic non-cancer pain prescribed opioids: findings from a 4-year prospective cohort study. The Lancet Public Health 3(7), e341–e350
  6. Aviram, J., Samuelly-Leichtag, G. (2017): Efficacy of Cannabis-Based Medicines for Pain Management: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Pain Physician 20(6), E755–E796. PMID: 28934780
  7. Chou, R., Ahmed, A. Y., Fu, R., Selph, S., Hart, E., Bougatsos, C., Morasco, B. J. (2026): Cannabis-Based Products for Chronic Pain: An Updated Systematic Review. Annals of Internal Medicine 179(2)
  8. Chou, R., Ahmed, A. Y., Fu, R., Selph, S., Hart, E., Bougatsos, C., Morasco, B. J. (2026): Cannabis-Based Products for Chronic Pain: An Updated Systematic Review. Annals of Internal Medicine 179(2)
  9. Cásedas, G., Yarza-Sancho, M., López, V. (2024): Cannabidiol (CBD): A Systematic Review of Clinical and Preclinical Evidence in the Treatment of Pain. Pharmaceuticals 17(11), 1438
  10. Horlemann, J., Schürmann, N. (2024): DGS-PraxisLeitlinie Cannabis in der Schmerzmedizin, Version 2.0. Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V., Berlin. (Abgerufen am 15.07.2026)
  11. Karst, M., Meissner, W., Sator, S., Keßler, J., Schoder, V., Häuser, W. (2025): Full-spectrum extract from Cannabis sativa DKJ127 for chronic low back pain: a phase 3 randomized placebo-controlled trial. Nature Medicine
  12. Meissner, W., Argoff, C., Karst, M. u. a. (2025): VER-01 Shows Enhanced Gastrointestinal Tolerability, Superior Pain Relief, and Improved Sleep Quality Compared to Opioids in Treating Chronic Low Back Pain: A Randomized Phase 3 Clinical Trial. Pain and Therapy 14(6), S. 1765–1782
  13. Huestis, M. A., Solimini, R., Pichini, S., Pacifici, R., Carlier, J., & Busardò, F. P. (2019): Cannabidiol Adverse Effects and Toxicity. Current Neuropharmacology 17(10), S. 974–989

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Profilbild

Dr. Sebastián Marincolo ist ein international bekannter Publizist, Sachbuch-Autor, Bewusstseinsforscher und strategischer Berater für Kommunikation. Er studierte bei einigen der einflussreichsten Philosophen unserer Zeit und erforscht seit über 25 Jahren das Cannabis High als veränderten Bewusstseinszustand. Er ist Autor von fünf Sachbüchern und zahlreicher Essays über das bewusstseinsverändernde Potenzial von Cannabis und arbeitete für längere Zeit mit Harvard Assoc. Prof. für Psychiatrie Dr. Lester Grinspoon, einem der bekanntesten Cannabis-Experten der Welt, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband. Er ist Mitglied im europäischen wissenschaftlichen Beirat für das "Woman's Cannabis Project" von Dr. Suzanne Mulvehill und für CINTA – Cannabis Initiative für Transdisziplinäre Analysen von Prof. Dr. habil. Gundula Barsch.