Cannabis als Medizin Einnahme: Was Patienten zur richtigen Anwendungsart und Dosierung wissen sollten

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Wichtigste Erkenntnisse

  • Medizinisch wird Cannabis inhalativ, oral oder sublingual eingenommen.
  • Jede Konsumform hat eigene Vor- und Nachteile.
  • Die einzelnen Konsumformen teilen sich weiter auf, etwa in Vaporizer und Joints, Cannabis Tees und Kapseln etc.
  • Die richtige Konsumform und Anwendung wird dein Arzt mit dir besprechen und dir das passende Präparat für deine Erkrankung verordnen, aber auch in der Apotheke kannst du dich beraten lassen.

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Für Cannabispatienten ist die richtige Einnahme von medizinischem Cannabis ausschlaggebend für den Therapieerfolg. Daher betrachten wir, welche Einnahmemöglichkeiten es gibt und für wen sich diese empfehlen. Vorab soll gesagt sein, dass dieser Beitrag keinen ärztlichen Rat ersetzen kann. Folge daher immer den Anweisungen deines Arztes. Dieser Beitrag dient eher als Anregung dazu, ggf. neue und interessante Einnahmemöglichkeiten kennenzulernen.

Richtige Anwendung von Cannabis: Wieso ist sie wichtig und welche Rolle spielt die Dosierung?

Die meisten Cannabispatienten verfolgen ein bestimmtes Therapieziel. In der Regel soll Linderung für Beschwerden geschaffen werden. Dabei möchte man das Therapieziel möglichst effektiv und effizient erreichen. Wichtige Weichen, die man hierfür stellen kann, sind die richtige Anwendungsform und Dosierung. So gibt es etwa Fälle, in denen einzig und allein die inhalative Anwendung hilft, während die orale Applikation keinerlei Vorteile mit sich bringt. Damit also das Therapieziel erreicht und somit die Lebensqualität erhöht werden kann, ist die richtige Anwendung von höchster Bedeutung.

Cannabis als Medizin: Die vier Anwendungsmöglichkeiten

Grundsätzlich gibt es vier Anwendungsmöglichkeiten bzw. -formen. So kann man medizinisches Cannabis inhalativ, oral, sublingual oder topisch anwenden. Wir werden in diesem Beitrag die einzelnen Möglichkeiten durchgehen und ihre Vorzüge listen.

Cannabis inhalieren: Wirkung durch Verdampfen

Wie es der Name schon sagt, findet die inhalative Anwendung über die Lungen statt. Hier gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Das Rauchen in Joints (Verbrennung) oder das Verdampfen in Vaporizern (Vaporisieren). Beim Verbrennen werden aufgrund der extrem hohen Temperaturen eine Menge krebserregende Stoffe hergestellt. Darum kann das Inhalieren von Cannabisrauch auch zu Atemwegsirritationen führen.

Beim Verdampfen werden viel geringere Temperaturen erzeugt, sodass die Blüten nicht verbrennen. Lediglich das in den Blüten vorhandene Harz wird verdampft, sodass es über die Lunge aufgenommen werden kann. Atemwegsirritationen bestehen zwar dennoch, sind jedoch viel weniger drastisch.

Für Patienten ist die inhalative Anwendung richtig, wenn akut für Linderung gesorgt werden muss, etwa aufgrund plötzlicher (Schmerz-)Anfälle. Die Wirkung kann schnell und intensiv eintreten, sodass im Handumdrehen dem Patienten geholfen ist. Gleichzeitig ist die Bioverfügbarkeit (insbesondere bei Vaporizern) recht hoch, sodass möglichst wenig verschwendet wird. Auch die Dosierung lässt sich relativ genau vornehmen.

Dafür ist die Anwendung in der Regel sehr auffällig, da auch mit Geruch belastet. Insbesondere bei der Anwendung im Joint ist der Wirkstoffverlust zudem durch die Verbrennung recht hoch.

Wenn medizinisches Cannabis also inhalativ angewendet werden soll, dann bestenfalls im Vaporizer. Unter Umständen kommt auch die Krankenkasse für die Kosten des Vaporizers auf.

Cannabis auf Rezept: Orale Einnahme der Cannabinoide

Die orale Einnahme von Cannabis wird immer beliebter, sicherlich auch aufgrund eines geringeren Risikos für eine Nebenwirkung. Die Wirkstoffaufnahme findet über den Verdauungstrakt statt. Oral konsumiert wird medizinisches Cannabis hauptsächlich als Tee oder Kapsel. Aber auch in Form eines Öls (z. B. Dronabinol) ist eine medizinische Anwendung möglich.

Die orale Einnahme bietet den Vorteil, dass unser Verdauungsapparat möglichst gleichmäßig und über einen längeren Zeitraum Wirkstoffe ins Blut abgibt. Hierdurch ist die Wirkdauer im Vergleich zur inhalativen Anwendung stark verlängert. Allerdings dauert es auch länger, bis der Wirkeintritt stattfindet. Somit eignet sich die orale Anwendung nicht zur Therapie akuter Zustände. Gerne eingenommen wird es allerdings bspw. bei Schlafproblemen oder für den Arbeitsalltag. Die Anwendung findet einmal extrem diskret statt und anschließend haben Patienten oft für mehrere Stunden ausgesorgt.

Zur Tee-Zubereitung verschreiben Ärzte in der Regel Cannabisblüten als Rezepturarzneimittel.

Die Tee-Zubereitung hat die Vorteile, recht schnell und einfach zu erfolgen und gut verträglich zu sein. Des Weiteren kann ein Cannabisblütentee sehr diskret zubereitet und eingenommen werden. Dafür ist die Bioverfügbarkeit ggf. nicht allzu hoch und die Dosierung kann aufgrund dessen ungenau ausfallen.

Genau das ist jedoch der Hauptvorteil von Kapseln: Diese sind extrem genau dosiert und ermöglichen eine Milligramm-genaue Einstellung der Dosis. Die Anwendung kann zudem maximal diskret erfolgen. Auch sind Kapseln sehr gut und lange haltbar. In einzelnen Fällen sorgen sie jedoch für Verdauungsbeschwerden.

Achtung: Die Herstellung von Edibles ist verboten, da zu ihrer Herstellung erst Cannabisextrakte (wie Cannabutter) hergestellt werden müssen. Daher werden Edibles in diesem Beitrag nicht behandelt. Für Patienten bestehen die Möglichkeiten zur oralen Einnahme aus Kapseln (Fertigarzneimittel) und Tees (Rezepturarzneimittel). Diese Arzneimittel kann ein Arzt verordnen.

Sublinguale Einnahme: Sativex und Co.

Die sublinguale Einnahme erfolgt über die Mundschleimhaut bzw. von der Schleimhaut unter der Zunge. Praktisch ist, dass der Wirkeintritt nicht so lange benötigt wie bei oral eingenommenem Cannabis. Dafür hält die Wirkung allerdings auch nicht so lange.

Zur Anwendung verwendet man wahlweise ein Spray oder ein Öl und gibt dieses auf die Mundschleimhaut unter der Zunge. Nach einer kurzen Verweildauer von bis zu 5 Minuten kann dann geschluckt werden. Dabei sollen die Wirkstoffe über die Mundschleimhaut aufgenommen werden.

In Deutschland sind cannabinoidhaltige Fertigarzneimittel zur sublingualen Einnahme erlaubt, so etwa Sativex (THC) oder Epidyolex (CBD). Du kannst auch anderweitige Extrakte erwerben, zahlreiche Hersteller von Medizinalcannabis in Deutschland vertreiben eigene Produkte.

Die topische Anwendung: Medizinisch eher selten

Zu guter Letzt kann die Anwendung auch topisch, also auf der Haut, stattfinden. Diese Anwendung wird jedoch nicht allzu oft von Ärzten verschrieben, sondern eher freiwillig bei Ekzemen oder sonstigen Hauterscheinungen durchgeführt. Daher möchten wir hier im medizinischen Rahmen nicht weiter auf die topische Anwendung eingehen.

Fazit: Cannabis als Medikament richtig anwenden und Beschwerden lindern

Zum Glück musst du nicht alleine durch das Wirrwarr aus Anwendungsformen, Produkten und Sorten - dein Arzt kann dir gekonnt zur Seite stehen. Am häufigsten wird medizinisches Cannabis wohl per Vaporizer inhaliert. Ansonsten sind die sublinguale und orale Einnahme die Favoriten. Je nach Fall ist eine Darreichungsform der anderen zu bevorzugen.

Bei chronischen Schmerzen etwa, welche die Nachtruhe stören, ist die orale Anwendung oft ideal. Wenn immer mal wieder plötzlich Schmerzen auftreten, kann die Inhalation genau richtig sein, um akut für Linderung zu sorgen. Dein Arzt wird mit dir deinen spezifischen Fall besprechen und anschließend erörtern, welche Konsumform für dich am besten erscheint.

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FAQ

Verordnung von Cannabis: Wie entscheidet man sich für eine Anwendungsmöglichkeit?

Das machst du idealerweise nicht alleine, sondern mit deinem behandelnden Arzt zusammen. Oftmals probieren Patienten unter Aufsicht des Arztes auch mehrere Möglichkeiten aus, bis sie bemerken, was am besten hilft.

Darreichungsformen: Sind Edibles legal?

Leider nein, Edibles sind auch für Patienten nicht legal. Ausnahmen sind Cannabis Tees und Kapseln. Die Kapseln werden in der Regel als Fertigarzneimittel verschrieben. Die Zubereitung eines Cannabis Tees wird in der Regel dementsprechend auf dem Rezept für Cannabisblüten vermerkt. 

Warum ist die richtige Anwendung von medizinischem Cannabis so wichtig?

Weil Patienten ein Therapieziel verfolgen. Damit dieses erreicht werden kann, ist die richtige Anwendung von höchster Bedeutung. Hierzu gehören Aspekte wie die Dosierung, Konsumform, die jeweilige Sorte und so weiter.

Profilbild

Henrik Aulbach ist publizierter Cannabis-Fachautor mit Herz für Medizin, Chemie und Cannabinoide. Mithilfe von Weed! leistet er seinen Beitrag, Stigmata und Mythen rund um das grüne Gold aufzubrechen und die Verfügbarkeit von Cannabismedikamenten für Patienten zu erhöhen.

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