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Trumps Cannabis-Plan: Wendepunkt oder nur Symbolpolitik?

Trumps Cannabis Plan- die US Flagge in den Hochhäusern von New York

Wichtigste Erkenntnisse

8 Minuten Lesezeit
  • Am 18. Dezember 2025 unterzeichnete Donald Trump, Präsident der USA, die Executive Order „Increasing Medical Marijuana and Cannabidiol Research“, die Cannabis und seine Bestandteile von Schedule I auf Schedule III herabstuft
  • Die Neubewertung betrifft vor allem Forschung in den USA, die medizinische Zulassung und die Regulierung, nicht aber den Freizeitkonsum auf Bundesebene.
  • Internationale Studien aus den USA können langfristig die medizinische Bewertung, Versorgungspraxis und politische Argumentation in Deutschland beeinflussen.
  • Die deutsche Drogenpolitik gerät unter zunehmenden Erklärungsdruck, da Cannabis auf internationaler Ebene neu bewertet wird, während hierzulande widersprüchliche Positionen bestehen bleiben.
  • Die Entscheidung markiert einen Wendepunkt in der internationalen Cannabispolitik, auch wenn sie keine vollständige Legalisierung bedeutet.

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Die Entscheidung der USA, Cannabis auf Bundesebene im medizinischen Kontext neu einzuordnen, markiert einen Meilenstein auch in der internationalen Drogenpolitik. Mit der Executive Order vom 18. Dezember 2025 wird in den USA erstmals offiziell anerkannt, dassCannabis einen medizinischen Nutzen hat und nicht länger in der strengsten Kategorie gefährlicher Substanzen geführt werden soll. Auch wenn sich diese Neubewertung zunächst auf den US-amerikanischen Rechtsrahmen beschränkt, wird sie international eine Wirkung haben.

Für Deutschland und dessen Cannabis-Befürworter ist diese Entwicklung besonders relevant. Hierzulande befinden wir uns in einer Phase politischer Neuordnung rund um Cannabis, geprägt von Teillegalisierung, medizinischer Nutzung und gleichzeitig anhaltend restriktiven Strukturen und Unsicherheiten. Internationale Bewertungen spielen dabei eine zentrale Rolle, sowohl in politischen Debatten als auch in der Argumentation von Behörden, Krankenkassen und medizinischen Institutionen.

Dieser Artikel ordnet die US-Entscheidung ein und geht der Frage nach, welche politischen, medizinischen und wirtschaftlichen Folgen sie für Deutschland haben kann.

Die Bedeutung der Cannabis-Herabstufung in den USA

Die angeordnete Herabstufung von Cannabis in den USA bedeutet keine vollständige Legalisierung. Vorgesehen ist, Cannabis von der DrogenkategorieSchedule I in Schedule III des US-amerikanischen Betäubungsmittelrechts neu zu kategorisieren.

MerkmalSchedule ISchedule III
RisikobewertungBesonders riskant nach BundesrechtMittleres bis geringes Risiko für Missbrauch oder Abhängigkeit
Medizinischer NutzenKein anerkannter medizinischer NutzenAnerkannter medizinischer Nutzen
MissbrauchspotenzialHohes MissbrauchspotenzialMittleres bis geringes Potenzial
Beispiele für SubstanzenHeroin, LSD, EcstasyKetamin, anabole Steroide, testosteronhaltige Präparate, codeinhaltige Schmerzmittel (z.B. Tylenol mit Codein)
Einstufung von CannabisBisherige rechtliche GleichstellungNeueinstufung, die den medizinischen Nutzen auf Bundesebene anerkennt (1)



Diese Neubewertung hat bundesweite Gültigkeit, auch wenn der konkrete Umgang mit Cannabis weiterhin durch die Gesetze der einzelnen US-Bundesstaaten geregelt wird. Der Schritt verändert den politischen Rahmen erheblich, weil erstmals anerkannt wird, dass Cannabis medizinisch relevant ist und Forschung dazu legitim und notwendig ist. Dies stellt eine grundlegende Neubewertung der Cannabispflanze und ihres Nutzens dar.

Hintergründe zur Einstufung von Cannabis

Die Einstufung von Cannabis als Schedule-I-Substanz im Jahr 1970 durch den Controlled Substances Act ordnete die Pflanze in die restriktivste rechtliche Kategorie ein.

  • Nach diesem Gesetz galt Cannabis offiziell als Substanz mit hohem Missbrauchspotenzial und ohne anerkannten medizinischen Nutzen, weshalb es unter Bundesrecht faktisch verboten blieb (2).
  • Diese Einstufung hatte erhebliche Auswirkungen auf wissenschaftliche Forschung und medizinische Studien.
  • Um Cannabis überhaupt untersuchen zu dürfen, mussten Forschende aufwändige Genehmigungen bei der Drug Enforcement Administration (DEA, US-Antidrogenbehörde) und der Food and Drug Administration durchlaufen.
  • Diese Prozesse nahmen häufig Jahre in Anspruch und begrenzten den Zugang zu geeignetem Studienmaterial erheblich. Zeitweise war selbst der Anbau von Cannabis zu Forschungszwecken auf eine einzige staatlich lizenzierte Quelle beschränkt.
  • Weil Cannabis rechtlich als Substanz ohne medizinischen Nutzen galt, fehlte zudem ein klarer wissenschaftlicher Rahmen für therapeutische Forschung.
  • Diese Kombination aus gesetzlicher Einstufung, regulatorischen Hürden und eingeschränktem Zugang zu Studienmaterial machte es über Jahrzehnte hinweg äußerst schwierig, fundierte klinische Forschung zu betreiben. Das trug maßgeblich dazu bei, dass aussagekräftige Studien zur medizinischen Wirkung lange Zeit ausblieben.

Erst in den vergangenen Jahren änderten sich die Perspektiven. Zahlreiche US-Bundesstaaten legalisierten Cannabis für medizinische Zwecke und teilweise auch für den Freizeitgebrauch. Parallel dazu entwickelte sich der wissenschaftliche Diskurs weiter und brachte neue Studien hervor. Vor diesem Hintergrund wirkt die frühere Schedule-I-Einstufung heute zunehmend veraltet. (3)

Eine Person hält ein Reagenzglas mit Flüssigkeit darin. Im Hintergrund ist eine Cannabispflanze zu sehen.

Was die Herabstufung konkret verändert

Eine niedrigere Einstufung von Cannabis wirkt sich vor allem auf die wissenschaftliche und medizinische Forschung aus, während sich für Patientinnen und Patienten zunächst wenig ändert.

  • Klinische Studien können einfacher geplant und durchgeführt werden, da bürokratische Hürden sinken.
  • Genehmigungsverfahren für Forschungsprojekte werden realistischer und zeitlich besser kalkulierbar.
  • Der Zugang zu geeignetem Studienmaterial wird erleichtert.
  • Der wissenschaftliche Austausch zwischen Forschungseinrichtungen nimmt zu.
  • Gerade hier entfaltet die Entscheidung ihre internationale Wirkung.
  • Studien aus den USA prägen internationale Leitlinien und medizinische Fachdebatten.
  • Forschungsergebnisse fließen in europäische Bewertungs- und Entscheidungsprozesse ein.

Politische Motive und strukturelle Effekte

Die Executive Order Donald Trumps ist politisch motiviert und spiegelt den zunehmenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und regulatorischen Druck wider, der sich in den USA rund um Marihuana aufgebaut hat, ähnlich wie in Deutschland. Politische Entscheidungen sind häufig strategisch motiviert und können dennoch reale und nachhaltige Effekte entfalten. Die strukturelle Wirkung dieser Entscheidung ist aber vor allem langfristig. Was einmal offiziell als medizinisch anerkannt gilt, lässt sich politisch nur schwer wieder zurücknehmen oder ignorieren.

Die Auswirkungen auf Deutschland

Diese Auswirkungen auf Deutschland zeigen sich nicht in unmittelbaren Gesetzesänderungen, sondern im politischen und gesellschaftlichen Kontext. Bisher wurde eine restriktive Haltung gegenüber Cannabis häufig mit internationalen Verpflichtungen und einer angeblich unzureichenden Studienlage begründet. Diese Argumente verlieren an Gewicht, wenn zentrale internationale Akteure ihre Position verändern. Die Cannabis-Herabstufung betrifft vor allem drei Bereiche.

  • Die medizinische Versorgung. Eine wachsende Zahl internationaler Studien stärkt die Position von Ärztinnen, Ärzten und Patienten. Ablehnungen durch Krankenkassen lassen sich schwerer mit fehlender Evidenz begründen.
  • Die politische Debatte. Die deutsche Drogenpolitik argumentiert zunehmend widersprüchlich. Cannabis wird als Medizin anerkannt, gleichzeitig aber weiterhin politisch problematisiert. Die Neubewertung in den USA macht diesen Widerspruch deutlich sichtbar.
  • Die wirtschaftliche Perspektive. Während sich der internationale Markt professionalisiert, bleibt Deutschland vorsichtig, uneinheitlich und stark reguliert. Das Risiko besteht, langfristig den Anschluss und auch an Glaubwürdigkeit auf nationaler wie internationaler Ebene zu verlieren.

Ergänzend betrifft diese Entwicklung auch die Pharma- und Medizinal Cannabis-Industrie. Internationale Unternehmen profitieren von klareren Forschungs- und Produktionsbedingungen, während deutsche Hersteller, Importeure und Pharma Akteure weiterhin mit regulatorischer Unsicherheit konfrontiert sind. Das kann sich langfristig auf Innovationskraft, Preise und Versorgungssicherheit auswirken.

Ökonomische Bedeutung und internationale Wettbewerbsfähigkeit

Die Herabstufung von Marihuana in den USA hat vor allem wirtschaftliche Auswirkungen. Regulatorische Hürden sinken, Investitionen werden erleichtert und Forschungsprojekte besser planbar. Für die dortige Cannabisindustrie bedeutet dies mehr Stabilität und Professionalisierung.

Während also internationale Märkte weiter regulatorische Klarheit schaffen und wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen, bleibt der deutsche Markt von Unsicherheit und Zurückhaltung geprägt. Langfristig stellt sich die Frage, ob Deutschland seine Rolle als potenzieller Forschungs- und Wirtschaftsstandort aktiv gestalten will oder Gefahr läuft, den Anschluss an internationale Entwicklungen zu verlieren.

In diesem Zusammenhang ist auch die sogenannte 280E-Steuerregel relevant. Diese US-Regelung verhindert bislang, dass Cannabisunternehmen viele Betriebsausgaben steuerlich geltend machen können, solange Cannabis als Schedule-I-Substanz gilt. Die Herabstufung in Schedule III wird diese Sonderregel aufheben und die Branche wirtschaftlich deutlich entlasten.<

Dies könnte laut Branchendaten einzelne, durchschnittlich große Cannabis-Dispensaries jährlich rund 268.000 US-Dollar an Steuern sparen. In Bundesstaaten hingegen mit hohem Umsatz sogar bis zu 805.000 US-Dollar. Für Deutschland ergibt sich daraus die Lehre, dass regulatorische Klarheit und steuerliche Planungssicherheit entscheidend für einen funktionierenden legalen Markt sind.

Ist es Symbolpolitik oder doch mehr?

Kritiker bezeichnen die Entscheidung als reine Symbolpolitik. Tatsächlich löst die Neuregulierung der Pflanze weder soziale Probleme noch beendet sie den Schwarzmarkt. Dennoch sind politische Signale nicht wirkungslos. Sie verändern, wie über ein Thema gesprochen wird, und verschieben schrittweise die Grenzen dessen, was politisch akzeptiert ist. Häufig bereiten sie den Boden für weitere Reformen, ohne diese sofort umzusetzen.

Dass die Neubewertung von Cannabis in den USA Auswirkungen auf Deutschland hat, ist klar, aber in welchem Ausmaß und ob es die Reformierung beschleunigt, ist offen. Wahrscheinlicher ist eine langsame Verschiebung der Debatte weg von moralischen Bewertungen hin zu Fragen der Regulierung, der medizinischen Versorgung und der tatsächlichen Lebensrealität.

Fazit

Die Auswirkungen der Cannabis-Herabstufung in den USA sind in Deutschland nicht sofort sichtbar, aber dennoch relevant. Gesetze ändern sich dadurch nicht unmittelbar, wohl aber die Grundlage der politischen Diskussion. Argumente, mit denen eine besonders strenge Drogenpolitik bisher begründet wurde, verlieren an internationaler Unterstützung. Gleichzeitig werden bestehende Widersprüche in der deutschen Cannabis-Politik sichtbarer.

Deutschland steht damit vor der Frage, ob es seine bisherige Linie weiterhin defensiv rechtfertigt oder ob es bereit ist, die eigene Politik sachlich weiterzuentwickeln. Internationale Entwicklungen zwingen nicht zu Veränderungen, sie stellen jedoch Herausforderungen dar, denen sich die deutsche Politik kaum entziehen kann.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine Rechtsberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Konsum von Cannabis dar. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Gewähr übernommen.

FAQ

Ändert sich deutsches Recht durch die US-Entscheidung?

Nein, das deutsche Recht ändert sich dadurch nicht. Die Neubewertung von Cannabis in den USA hat keine direkte rechtliche Wirkung auf Deutschland. Gesetzesänderungen müssen weiterhin national beschlossen werden.

Hat die Entscheidung Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten in Deutschland?

Diese Entscheidung hat nicht unmittelbar eine Auswirkung, aber indirekt. Eine bessere internationale Studienlage kann medizinische Anwendungen in Deutschland langfristig besser begründen.

Erhöht sich der Druck auf Krankenkassen?

Der Druck auf Krankenkassen ändert sich nicht automatisch. Langfristig kann jedoch der fachliche Rechtfertigungsdruck steigen, wenn die internationale Evidenz zunimmt. 

Ist das ein Schritt zur vollständigen Legalisierung?

Nein, es ist kein Schritt zur vollständigen Legaliserung. Die Herabstufung betrifft vor allem medizinische Anerkennung und Forschung. Der Freizeitkonsum bleibt auf Bundesebene in den USA verboten.

Warum ist das für Deutschland relevant?

Es ist für Deutschland relevant, weil internationale Neubewertungen politische Debatten, medizinische Einschätzungen und gesellschaftliche Wahrnehmung auch die Lage hier beeinflussen können.

Welche Rolle spielte Donald Trump bei der Cannabis-Herabstufung?

Donald Trump unterzeichnete am 18. Dezember 2025 die Executive Order, die Cannabis von Schedule I zu Schedule III herabstuft. Damit wurde der medizinische Nutzen von Cannabis auf US-Bundesebene erstmals offiziell anerkannt.

Was ist eine "Executive Order" in diesem Zusammenhang?

Eine Executive Order ist eine präsidentielle Anordnung, die ohne Zustimmung des Kongresses erlassen wird. Die Executive Order „Increasing Medical Marijuana and Cannabidiol Research" hat die Neueinstufung von Cannabis formal eingeleitet.

Profilbild

Hallo and High, mein Name ist Mila Grün und ich bin die Chefredakteurin der Cannabib. Meine Arbeit und meine Leidenschaft liegen im Schreiben von seriösen und wissenschaftlich fundierten Texten über das Thema Cannabis. Gemeinsam mit meinem Team kämpfe ich seit Jahren gegen die derzeitige Stigmatisierung und für eine solide Aufklärung. Damit die Cannabispflanze wieder den Stellenwert erlangt, den sie verdient.

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