
Inhaltsverzeichnis
Wichtigste Erkenntnisse
- Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) schaffen mit einem Bundesdekret erstmals einen klar geregelten Rechtsrahmen für Industriehanf.
- Erlaubt sind industrielle Anwendungen und bestimmte medizinische Produkte, während Freizeitnutzung und der Konsum strikt verboten bleiben.
- Die Regulierung ist sehr strikt mit 0,3 % THC-Grenze, Lizenzpflichten und staatlicher Überwachung.
- Für internationale Unternehmen eröffnen sich begrenzte, aber interessante Marktchancen, insbesondere in Industrie, Technologie und Forschung.
- Strategisch signalisiert das Gesetz eine vorsichtige Öffnung, aber keine starke Liberalisierung der Cannabispolitik.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben kürzlich ein Gesetz in Kraft treten lassen, was viele für einen bemerkenswerter Schritt halten, da die Region bislang nur für eine besonders restriktive Drogenpolitik bekannt war. Mit einem neuen Bundesdekret haben die Vereinigten Arabischen Emirate erstmals einen umfassenden rechtlichen Rahmen für die industrielle und teilweise medizinische Nutzung von Industriehanf geschaffen (1). Ein Bundesdekret beschreibt einen verbindlichen Beschluss auf Bundesebene, mit dem konkrete Maßnahmen oder Regelungen festgelegt werden, ohne ein vollständiges Gesetzgebungsverfahren durchlaufen zu müssen.
Das Interessante an diesem Gesetz ist die Verbindung von strengen staatlichen Kontrollen und neuen Wirtschaftschancen. Hierbei fragen sich Unternehmen, Investoren und Analysten der Politik zur Zeit vor allem, was dieses Gesetz für den internationalen Hanf- und Cannabismarkt über die eignen Landesgrenzen hinaus haben könnte.
Der Fokus dieses Ansatzes liegt auf der Produktion von Produkten für Industrie und Wirtschaft mit Hanf und nicht auf der vollständigen Liberalisierung von Cannabis unter anderem auch für den Freizeitgebrauch, wie es in vielen anderen Ländern der Fall ist.
Mit den Informationen in diesem Text wollen wir ein besseres Verständnis und eine klare Einordnung schaffen. Denn wer sich mit der internationalen Entwicklung und Chancen von Industriehanf auseinandersetzen möchte, sollte versuchen, den Schritt der VAE und dessen Auswirkungen besser zu verstehen, vor allem im Vergleich mit anderen Märkten wie Kanada oder Israel.
Was regelt das neue VAE Cannabis Gesetz konkret?

Die neue Gesetzgebung legt erstmals klare gesetzliche Leitlinien für alle Bereiche der Industriehanf-Wertschöpfung in den Vereinigten Arabischen Emiraten fest:
- Es definiert damit, welche Nutzungen erlaubt sind, welche Verbote bestehen bleiben und unter welchen Voraussetzungen Unternehmen in diesem Bereich tätig werden dürfen.
- Im Zentrum steht die strikte Trennung zwischen industrieller Nutzung und dem Freizeitkonsum, der weiterhin untersagt ist.
- Erlaubt sind Anwendungen in Bereichen wie Textilien, Bauwesen, Papier, Verpackung sowie ausgewählte medizinische Produkte.
- Ausgeschlossen dagegen bleiben hanfbasierte Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Rauchwaren und die meisten kosmetischen Produkte. CBD-haltige Öle und Cannabidiol-Produkte für den Freizeitgebrauch sind ebenfalls nicht zugelassen.
- Das Gesetz gilt landesweit, einschließlich der Freihandelszonen
- Es umfasst damit den gesamten Lebenszyklus von Industriehanf, welcher sich vom Import des Saatguts über den Anbau bis hin zur Verarbeitung und zum Export fertiger Produkte erstreckt.
Welche wirtschaftlichen Ziele werden mit diesem Schritt verfolgt?
Das neue Industriehanf-Gesetz der VAE verfolgt in erster Linie strategische Ziele in der Wirtschaft (2). Denn Industriehanf gilt international als vielseitiger Rohstoff mit hohem Potential im innovativen Bereichen, insbesondere im Kontext nachhaltiger Materialien und moderner Industrieprozesse. Damit bietet Industriehanf ebenfalls eine Schnittstelle zwischen Landwirtschaft, Industrie und Forschung.
Für ein Land, das seine Wirtschaft langfristig vom Ölsektor unabhängiger machen möchte, passt der Handel mit Industriehanf in eine breitere Diversifizierungsstrategie. Die Regierung setzt hierbei gezielt auf technologisch anspruchsvolle Bereich, um internationale Investitionen anzuziehen.
Darüber hinaus positionieren sich die VAE als ein Standort, der reguliert und verlässlich ist und zudem internationale Standards aufgreift. Jedoch werden politische oder gesellschaftliche Grundsätze nicht verändert. Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich von der Politik in Deutschland und anderen Legalisierungsmodellen weltweit, die Cannabis auch für den Freizeitkonsum legalisieren.
Welche Geschäftsmöglichkeiten ergeben sich für europäische Unternehmen?
Für deutsche und europäische Unternehmen eröffnet das Gesetz gezielte Möglichkeiten für den Markteintritt, insbesondere in Bereichen rund um die eigentliche Produktion. Dazu zählen unter anderem:
- Agrartechnologie und kontrollierte Anbausysteme
- Saatgutentwicklung und zertifizierte Genetik
- Verarbeitungstechnologien für industrielle Hanfprodukte
- Medizintechnische Anwendungen und Forschung
Der direkte Anbau ist jedoch an strenge Auflagen gebunden und erfordert lokale Genehmigungen sowie Sicherheitsüberprüfungen. Für viele internationale Akteure dürfte daher eine Partnerschaft mit lokalen Unternehmen der einzige realistische Weg sein.
Wie streng ist der rechtliche Rahmen tatsächlich?
Der rechtliche Rahmen ist bewusst streng gestaltet, wobei ein zentraler Bestandteil der festgelegte THC-Grenzwert von 0,3 Prozent ist. Die Einhaltung wird über den gesamten Prozess der Produktion regelmäßig kontrolliert, wobei jede Überschreitung gemeldet werden muss und behördliche Maßnahmen zur Folge hat.
Lizenznehmer unterliegen zudem folgenden Regulierungen:
- Umfassenden Sicherheitsprüfungen
- Detaillierten Dokumentationspflichten
- Einer staatlichen Rückverfolgung aller Produkte
- Regelmäßigen Kontrollen durch Behörden
Verstöße dagegen können hohe Geldstrafen und/oder sogar Freiheitsstrafen nach sich ziehen. In schweren Fällen von Drogenhandel oder Schmuggel größerer Mengen illegaler Substanzen wie Marihuana drohen Haftstrafen oder in Extremfällen sogar die Todesstrafe (3). Damit wird deutlich, dass die neuen Regelungen für Industriehanf nicht mit einer Lockerung der Drogenpolitik einhergeht.
Wichtig
Reisende sollten besonders vorsichtig sein: Bereits Spuren von Drogen im Blut oder Besitz kleinster Mengen können bei Kontrollen durch Polizei oder Zollbehörden zu schweren Sanktionen führen. Die VAE verfolgen eine Null-Toleranz-Politik gegenüber illegalen Drogen.
Wie positioniert sich der Industriehanf VAE im internationalen Vergleich?
Im Vergleich zu Ländern wie Kanada oder den Niederlanden verfolgen die VAE im Gegensatz keinen liberalen, sondern einen funktionalen wirtschaftlichen Ansatz. Die folgende Tabelle gibt dir einen Vergleich:
| Land | Ansatz & Umfang der Regelungen | Freizeitgebrauch |
| VAE | Funktional: Ausschließlich industrielle und medizinisch-technische Anwendungen erlaubt. Streng regulierter Industriestandort mit Fokus auf Infrastruktur, Logistik und politische Stabilität. | Nicht erlaubt |
| Israel | Forschungsorientiert: Starker Fokus auf Forschung und Studien, Medizinisches Cannabis wird gefördert (4) | Nicht erlaubt |
| Kanada | Liberal: Breiter legaler Markt für Freizeit- und medizinische Nutzung. Umfassende Legalisierung mit staatlicher Regulierung und Lizenzsystem (5) | Legal |
| Niederlande | Toleranzpolitik: Verkauf in Coffeeshops geduldet, Anbau bleibt in rechtlicher Grauzone. Pragmatischer Ansatz zur Schadensbegrenzung (6) | Geduldet |
Im Vergleich wird deutlich, dass die VAE sich hier als streng regulierter Industriestandort positioniert, der vor allem durch Infrastruktur, Logistik und politische Stabilität punktet. Andere internationalen Modelle zur Cannabis-Regulierung weltweit zeigen im Vergleich zudem, wie eigenständig dieser Weg ist.
Wie groß ist das Marktpotenzial für Industriehanf in der Region?

Das wirtschaftliche Potential des Marktes lässt sich weniger aus der lokalen Nachfrage ableiten, sondern die VAE könnte vielmehr als Drehscheibe für Handel und Verarbeitung dienen. Denn Industriehanfprodukte können vor allem für den Export insbesondere in der Bau- oder Textilindustrie relevant sein.
Cannabis als Medizin und deren medizinische Anwendungen bleiben zunächst auf streng regulierte Produkte beschränkt. Dennoch sehen Marktbeobachter langfristig Wachstumspotenzial, vor allem wenn Forschung und technologische Innovationen weiterhin gefördert werden und Investoren anziehen.
Welche Rolle spielen die Freihandelszonen der VAE?
Die zahlreichen Freihandelszonen der VAE können eine zentrale Rolle für den Aufbau einer Industriehanf-Wertschöpfungskette spielen, da sie steuerliche Vorteile, moderne Infrastrukturen und erleichterten internationalen Handel bieten können.
Gleichzeitig unterliegen diese Zonen dennoch vollständig dem Bundesdekret und müssen sämtliche regulatorischen Anforderungen erfüllen.
Was bedeutet das Gesetz für die Cannabis-Politik im Nahen Osten?
Der Schritt der VAE könnte als vorsichtiges Signal für die gesamte Region verstanden werden. Er zeigt, dass wirtschaftliche Nutzung von Industriehanf möglich ist, ohne gesellschaftliche Grundwerte in Frage zu stellen.
Ob andere Staaten diesem Modell folgen, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass die VAE den ersten Schritt gemacht haben, der wirtschaftliche Interessen und politische Kontrolle miteinander verbindet.
Welche Risiken müssen Investoren beim VAE Cannabis Gesetz beachten?
Investoren sollten folgende kulturellen und rechtlichen Besonderheiten der Region sorgfältig berücksichtigen:
- Strenge Strafandrohungen bei Verstößen
- Unterschiedliche Zuständigkeiten der Emirate
- Begrenzte Rechtssicherheit bei Auslegungsspielräumen
- Hohe Anforderungen an Compliance und Transparenz
Wenn man in den Markt einsteigen möchte, sollte man sich unbedingt gründlich rechtlich vorbereiten. Außerdem ist die lokale Expertise nützlich, um Risiken und mögliche Sanktionen sowie Verluste zu minimieren.
Fazit
Die Vision der VAE als globaler Hub für Industriehanf ist grundsätzlich realistisch, jedoch klar begrenzt. Das Land öffnet sich nicht für Cannabis im Allgemeinen, sondern für einenstreng kontrollierten Industriezweig mit klar definierten Anwendungsfeldern.
Für Unternehmen und Investoren ergeben sich Chancen, wenn sie bereit sind, sich auf ein hochreguliertes Umfeld und eventuelle kulturelle Unterschiede, die es zu vereinen gilt, einzulassen. Gleichzeitig zeigt das Gesetz, dass wirtschaftliche Innovation auch unter strengen und teilweise konservativen politischen Rahmenbedingungen möglich ist. Eine fundierte rechtliche Beratung für Unternehmen, die dort agieren wollen, bleibt dabei unerlässlich.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine Rechtsberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Konsum von Cannabis dar. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Gewähr übernommen.
Quellen
- Emirates News Agency. (2025). Federal Decree-Law regulating industrial and medical use of industrial hemp.
- Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate. (2025). Informationen zur Drogen- und Industriepolitik.
- Auswärtiges Amt. (o. D.). Vereinigte Arabische Emirate: Reise- und Sicherheitshinweise.
- Aviram, J. (2025). Medical cannabis in Israel: A comprehensive review of trends and regulations, 2011–2025. Journal of Cannabis Research, 7, Article 90.
- Government of the Netherlands. (o. D.). Toleration policy regarding soft drugs and coffee shops.
- Government of Canada. (2018). Cannabis Act (S.C. 2018, c. 16). Justice Laws Website.










