
Inhaltsverzeichnis
Wichtigste Erkenntnisse
- Farnesen ist ein Sesquiterpen, das nach grüner Apfelschale riecht und in Cannabis nur als Nebenterpen in kleinen Mengen vorkommt.
- Der Name steht für eine ganze Gruppe eng verwandter Moleküle, deshalb tauchen auf Laborberichten unterschiedliche Schreibweisen auf.
- Für Pflanzen ist Farnesen vermutlich ein Schutzsignal: Bei Blattläusen ist (E)-β-Farnesen der Hauptbestandteil des Alarmstoffs.
- Zur Wirkung gibt es bisher nur Zell- und Pilzkulturstudien, ein Nutzen beim Menschen ist nicht belegt.
- Farnesen ist nicht psychotrop und macht nicht „high“, verlässliche Mengenangaben liefert nur das Analysezertifikat der jeweiligen Charge.
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Farnesen (englisch Farnesene) ist ein Sesquiterpen, das nach grüner Apfelschale riecht und in Cannabis als Nebenterpen in kleinen Mengen vorkommt. Zur Wirkung gibt es bisher nur Labor- und Zellstudien, Untersuchungen am Menschen fehlen. Trotzdem begegnet dir der Name immer häufiger auf Terpenprofilen und Analysezertifikaten. Er gehört damit zu den Duftstoffen, die das Aroma von Cannabis prägen, wenn auch eher im Hintergrund. In diesem Artikel erfährst du, was chemisch hinter Farnesen steckt, wo es in der Natur vorkommt, warum die Pflanze es bildet und was die Forschung tatsächlich zeigt.
Was ist Farnesen?
Farnesen ist ein Sesquiterpen mit der Summenformel C15H24 (1). Sesquiterpene bestehen aus drei Isopren-Bausteinen mit je fünf Kohlenstoffatomen, du kannst sie dir wie drei aneinandergesteckte Legosteine vorstellen. Monoterpene wie Myrcen oder Limonen haben nur zwei solcher Bausteine. Farnesen ist deshalb größer, schwerer und verdunstet langsamer.
Genau genommen ist „Farnesen“ kein einzelner Stoff, sondern ein Sammelname für sechs eng verwandte Verbindungen: vier Formen des α-Farnesens und zwei Formen des β-Farnesens (2). Solche Varianten nennt man Isomere, also Moleküle aus denselben Atomen, die nur etwas anders angeordnet sind, ähnlich wie dieselben Möbel in einem anders eingerichteten Zimmer. Die Formen unterscheiden sich in der Lage einer Doppelbindung und in der räumlichen Anordnung (E/Z-Konfiguration) an bestimmten Stellen des Moleküls (2). In der Natur spielen vor allem (E,E)-α-Farnesen, (Z,E)-α-Farnesen und (E)-β-Farnesen eine Rolle.
Das erklärt, warum auf Laborberichten unterschiedliche Bezeichnungen stehen. Manche Labore messen nur ein Isomer und schreiben etwa „trans-β-Farnesen“ (trans entspricht hier E) oder „α-Farnesen“. Andere fassen alle Formen zusammen und geben schlicht „Farnesene“ an.
Chemisch ähnelt Farnesen anderen Sesquiterpenen aus Cannabis, etwa dem würzig-holzigen Humulen aus dem Hopfen. Verwechslungsgefahr besteht mit Farnesol: Farnesol hat ein ähnliches Grundgerüst, ist aber ein Alkohol und damit eine eigene Substanz. Studienergebnisse zu Farnesol lassen sich deshalb nicht auf Farnesen übertragen.
Wonach riecht Farnesen und wo kommt es vor?
Farnesen riecht vor allem nach grüner Apfelschale, dazu frisch, leicht zitrusartig, holzig und krautig. Es kommt in zahlreichen Pflanzen vor, besonders bekannt ist es aus Äpfeln und Kamille. In Cannabis bleibt sein Duft meist im Hintergrund.
Grüner Apfel, Zitrus und Holz
Der Apfelbezug ist wörtlich zu nehmen: α-Farnesen reichert sich während der Reife in der Wachsschicht der Apfelschale an (3). Interessant für den Obstbau ist, was beim Lagern passiert. Die Oxidationsprodukte von α-Farnesen gelten seit Langem als Mitauslöser der sogenannten Schalenbräune, bei der sich auf gelagerten Äpfeln braune Flecken bilden (3).
In Cannabis kommt der Apfelduft dagegen selten klar zur Geltung. Farnesen liegt meist nur in kleinen Mengen vor und wird von dominanten Terpenen wie Myrcen, Limonen oder Caryophyllen überdeckt (4). Eine Sorte mit Farnesen im Terpenprofil riecht deshalb nicht automatisch nach Apfel, eher bringt das Terpen eine frische, grüne Note ins Gesamtaroma.
Kamille, Hopfen, Ingwer und Gardenie
Außerhalb von Cannabis ist Farnesen weit verbreitet, unter anderem in Kamille, Hopfen, Ingwer, Kurkuma, Grapefruit, Sandelholz, Zedernholz, Grüner Minze und Gardenienblüten. Besonders gut untersucht ist die Kamille. Eine Übersichtsarbeit nennt für ätherisches Kamillenöl bis zu 27 Prozent trans-α-Farnesen und 2 bis 13 Prozent trans-β-Farnesen (5). Die Werte schwanken je nach Herkunft und Verarbeitung der Pflanzen.
Aus der Kamille kennst du vielleicht auch Bisabolol, ein weiteres Sesquiterpen mit mildem, blumigem Duft, das auch in einigen Cannabissorten vorkommt. Die Nähe zur Kamille ist ein Grund, warum Farnesen in Sortenbeschreibungen oft mit Entspannung verknüpft wird. Warum das wissenschaftlich nicht trägt, liest du weiter unten.
Warum bildet die Cannabispflanze Farnesen?
Cannabis bildet Farnesen regelmäßig, vermutlich als Teil seines chemischen Schutzsystems. Ob die Pflanze es gezielt gegen Schädlinge einsetzt, ist allerdings nicht untersucht.
Dass Farnesen zum festen Repertoire der Pflanze gehört, zeigt eine Untersuchung von Booth, Page und Bohlmann. Sie fanden Farnesen in Cannabisblüten unter den häufigsten Sesquiterpenen, neben β-Caryophyllen, α-Humulen und Bergamoten (4). Gebildet wird es in den winzigen Harzdrüsen auf Blüten und Blättern, in denen auch Cannabinoide und die übrigen Terpene entstehen. Im untersuchten Nutzhanf ‘Finola’ entstand Farnesen als Nebenprodukt eines Enzyms, das hauptsächlich Monoterpene herstellt (4).
Welche Aufgabe Farnesen erfüllen könnte, zeigt ein Blick ins Insektenreich. (E)-β-Farnesen ist bei den meisten untersuchten Blattlausarten der Hauptbestandteil des Alarmpheromons (6). Ein Pheromon ist ein chemischer Botenstoff, eine Art Duftnachricht zwischen Tieren derselben Art. Wird eine Laus angegriffen, setzt sie den Stoff frei, und ihre Artgenossen hören auf zu saugen und lassen sich von der Pflanze fallen (6).
Manche Pflanzen nutzen diesen Trick für sich. Die Wildkartoffel Solanum berthaultii gibt (E)-β-Farnesen über Drüsenhaare an ihren Blättern ab und hält Blattläuse so auf Abstand (7). Ob Cannabis Farnesen auf ähnliche Weise einsetzt, wurde bisher nicht erforscht.

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Farnesen Wirkung: Was zeigen die Studien?
Alle bisherigen Daten zur Wirkung von Farnesen stammen aus Zell- und Pilzkulturen, also aus sogenannten präklinischen Studien. Eine Wirkung beim Menschen ist nicht belegt.
Der Unterschied ist wichtig: Im Reagenzglas wirkt ein Stoff direkt und oft in hoher Konzentration auf isolierte Zellen. Im Körper muss er erst aufgenommen, verteilt und verstoffwechselt werden, und viele Effekte aus dem Labor zeigen sich dort nie. Die eingesetzten Mengen liegen zudem häufig weit über dem, was beim Konsum von Cannabis erreicht wird. Die folgenden Studien zeigen also, in welche Richtung geforscht wird, nicht mehr.
Immunzellen und Entzündung
Ein Forschungsteam um Igor Schepetkin isolierte Farnesen aus dem ätherischen Öl von Estragon und testete es an menschlichen neutrophilen Granulozyten (8). Diese weißen Blutkörperchen sind so etwas wie die schnelle Eingreiftruppe des Immunsystems, die als Erste zu einem Entzündungsherd wandert. Farnesen hemmte in den isolierten Zellen den Einstrom von Calcium und ihre gerichtete Wanderung (8).
Die Autoren sehen Farnesen deshalb als möglichen Entzündungsmodulator. Über welches Wirkziel in der Zelle das geschieht, ist allerdings unklar (8). Wenn du dich für Cannabissorten mit potenziell entzündungshemmendem Terpenprofil interessierst, solltest du diese Einschränkung im Hinterkopf behalten.
Nervenzellen im Alzheimer-Modell
Arslan, Türkez und Mardinoğlu untersuchten Farnesen an ausdifferenzierten Neuroblastomzellen der Linie SH-SY5Y (9). Diese Zellen dienen in der Forschung als vereinfachtes Modell für menschliche Nervenzellen. Die Forschenden setzten sie Amyloid-beta aus, einem Eiweißbruchstück, das bei der Alzheimer-Krankheit Nervenzellen schädigt.
Farnesen schützte die Zellen vor dieser Giftwirkung und senkte den nekrotischen Zelltod, also das unkontrollierte Absterben der Zellen (9). Für die Grundlagenforschung ist das interessant. Es handelt sich aber um eine reine Zellkulturstudie ohne Tier- oder Humandaten, Rückschlüsse auf eine Wirkung bei Alzheimer sind daraus nicht möglich.
Hefepilz Candida albicans
Thakre und Kollegen testeten Farnesen an Candida albicans, einem Hefepilz, der Infektionen an Haut und Schleimhäuten auslösen kann (10). Farnesen wirkte fungistatisch, bremste also das Wachstum, ohne den Pilz abzutöten. Zusätzlich verringerte es die Bildung von Pilzfäden und Biofilmen, schleimigen Schutzschichten, in denen sich Pilze gegen Medikamente abschirmen (10). Bei einem gegen Fluconazol resistenten Stamm verstärkte Farnesen die Wirkung dieses Medikaments (10). Eingesetzt wurden allerdings sehr hohe Konzentrationen, die mit dem Konsum von Cannabis nichts zu tun haben.
| Studie | Modell | Ergebnis | Aussagekraft |
| Schepetkin et al. 2022 (8) | Isolierte menschliche Immunzellen (Neutrophile) | Weniger Calciumeinstrom und gerichtete Zellwanderung | Gering: Zellkultur, Wirkziel unbekannt |
| Arslan et al. 2021 (9) | Ausdifferenzierte Neuroblastomzellen (SH-SY5Y) | Schutz vor Amyloid-beta, weniger nekrotischer Zelltod | Gering: reine Zellkultur, keine Tier- oder Humandaten |
| Thakre et al. 2016 (10) | Pilzkultur (Candida albicans) | Wachstumshemmung, weniger Pilzfäden und Biofilm, Verstärkung von Fluconazol | Gering: sehr hohe Konzentrationen, keine Daten am Menschen |

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Wirkt Farnesen beruhigend oder macht es high?
Farnesen ist nicht psychotrop, es verändert also weder Wahrnehmung noch Bewusstsein und macht nicht „high“. Ein beruhigender oder muskelentspannender Effekt ist durch Studien nicht belegt.
Der Ruf als entspannendes Terpen stammt aus Terpen-Ratgebern von Händlern, Laboren und Herstellern, die Farnesen mit Kamille in Verbindung bringen und die Wirkungen von Kamillenöl auf den Einzelstoff übertragen.
Aber auch wenn Terpene wie Farnesen beim Entourage-Effekt von Cannabis eine gewisse Rolle spielen sollten – und dafür gibt es prinzipiell Hinweise –, gibt es für einzelne Terpene in Cannabis keine belastbare Studien, die ihnen in der vorliegenden Konzentration in Cannabis und im Beisein anderer Stoffe bestimmte Effekte wie "sedierend" oder "entzündungshemmend" klar zuzuordnen könnten.
In welchen Cannabissorten steckt Farnesen?
Samenbanken nennen einzelne Sorten mit Farnesen, veröffentlichen dazu aber kaum Messwerte. Verlässlich ist nur der gemessene Wert der jeweiligen Charge.
In Blogs von Samenbanken werden etwa Titan F1, Milky Way F1, White Rhino, Cherry Punch und Auto Melonade Runtz als farnesenhaltig genannt, ein Anbieter von Medizinalcannabis führt zudem El Gordo auf. Konkrete Laborwerte fehlen in diesen Angaben. Unabhängig veröffentlichte Analysen, in denen Farnesen das dominante Terpen einer Sorte ist, sind bisher nicht bekannt. Solche Angaben bleiben damit schwer überprüfbar.
Hinzu kommt: Der Terpengehalt ist keine feste Größe. Er schwankt je nach Genetik, Charge, Anbau, Trocknung und Lagerung. Selbst dieselbe Sorte kann von Ernte zu Ernte ein spürbar anderes Profil haben.
Wenn du wissen möchtest, ob eine bestimmte Sorte Farnesen enthält, frag in deiner Apotheke nach dem Analysezertifikat der aktuellen Charge. Nur dort steht, wie viel Farnesen in genau dieser Ware gemessen wurde.
Wie findet man Farnesen im Terpenprofil?
Farnesen findest du auf dem Analysezertifikat einer Charge, meist unter „Farnesene“ oder einer Isomer-Bezeichnung. Oft ist der Anteil sehr klein oder liegt unter der Nachweisgrenze.
Wenn du die Laborwerte einer Cannabischarge lesen möchtest, achte zuerst auf die Einheit. Terpene werden meist in Prozent oder in Milligramm pro Gramm (mg/g) angegeben, dabei entspricht 1 mg/g genau 0,1 Prozent. Die Bezeichnungen variieren:
- „Farnesene“ als Summe aller gemessenen Formen
- „α-Farnesen“ oder „β-Farnesen“ für einzelne Isomere
- „trans-β-Farnesen“ als genaueste Angabe
Liegt der Wert unter der Nachweisgrenze, steht dort oft „n. n.“ (nicht nachweisbar) oder „< LOQ“ (unter der Bestimmungsgrenze). Die Nachweisgrenze ist vergleichbar mit einer Küchenwaage, die unter einem Gramm nichts mehr anzeigt: Der Stoff kann vorhanden sein, ist aber zu wenig, um ihn sicher zu messen. Manche Labore messen Farnesen auch gar nicht. Aussagekräftiger als ein Einzelwert sind meist der Gesamtterpengehalt und die zwei oder drei Terpene, die das Profil dominieren.
Wichtig: Terpenwerte erlauben keine Aussage über die medizinische Eignung einer Sorte. Die Auswahl gehört immer ins Gespräch mit deinem behandelnden Arzt.
Beim Verdampfen von Cannabis spielt die Flüchtigkeit eine Rolle. Als Sesquiterpen ist Farnesen größer als Monoterpene wie Myrcen oder Limonen und verdampft deshalb langsamer. Eine feste Temperaturempfehlung für ein einzelnes Terpen lässt sich daraus nicht ableiten, da im Vaporizer immer das gesamte Stoffgemisch erhitzt wird.

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Fazit
Farnesen ist ein Sesquiterpen mit frischem Duft nach grüner Apfelschale, das in Cannabis als Nebenterpen vorkommt. Für Pflanzen ist es vermutlich ein chemisches Schutzsignal, bekannt ist vor allem seine Rolle als Alarmstoff bei Blattläusen. Erste Zell- und Pilzstudien liefern Hinweise auf mögliche entzündungsmodulierende, nervenschützende und pilzhemmende Eigenschaften, belegt ist beim Menschen davon nichts, besonders nicht für die geringen Konzentrationen in Cannabisprodukten. Wenn du wissen willst, wie viel Farnesen in einer Sorte steckt, schau auf das Analysezertifikat der jeweiligen Charge statt auf allgemeine Sortenbeschreibungen. Und bevor du eine Sorte wegen ihres Terpenprofils auswählst, sprich mit deinem behandelnden Arzt.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine Rechtsberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Konsum von Cannabis dar. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Gewähr übernommen.












