
Wichtigste Erkenntnisse
- Cannabicyclol (CBL) ist ein seltenes, nicht psychotropes Cannabinoid, das keine bewusstseinsverändernde Wirkung entfaltet.
- Es entsteht auf natürliche Weise durch den Abbau von Cannabichromen (CBC) unter dem Einfluss von Licht und Sauerstoff, weshalb es vor allem in älteren Cannabispflanzen vorkommt.
- Erste wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass CBL entzündungshemmende Eigenschaften besitzen könnte, die Forschung steht jedoch noch am Anfang.
- Im Gegensatz zu THC, das stark psychotrop wirkt, interagiert CBL nach aktuellen Erkenntnissen kaum mit den klassischen Endocannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2.
- Neuere Untersuchungen zeigen, dass CBL als Modulator an körpereigenen Serotonin-Rezeptoren wirken kann, was neue therapeutische Forschungsansätze eröffnet.
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Cannabicyclol, kurz CBL, ist ein weniger bekanntes Cannabinoid der Cannabispflanze. Es wurde bereits in den 1960er Jahren entdeckt und stand als Abbauprodukt eines anderen Cannabinoids der Cannabispflanze lange im Schatten bekannterer Inhaltsstoffe wie THC oder CBD.
Allerdings rückt Cannabicyclol nun zunehmend in den Fokus der Wissenschaft, auch weil es keine bewusstseinsverändernde Wirkung besitzt. Somit könnte es für medizinische Anwendungen eine interessante Option sein. Aktuell fehlen allerdings klinische belastbare Daten beim Menschen, um über dessen Wirkungen auf den Menschen verlässliche Aussagen machen zu können.
In diesem Artikel erfährst du deswegen alle Grundlagen von CBL, wie es in der Cannabis Pflanze entsteht, welche möglichen medizinischen Potenziale derzeit erforscht werden und wie es sich von anderen Cannabinoiden unterscheidet.
Was ist Cannabicyclol (CBL)?
Cannabicyclol (CBL) ist ein seltenes Phytocannabinoid, das auf natürliche Weise in der Cannabispflanze vorkommt. Es wurde 1964 von den deutschen Chemikern F. Korte und H. Sieper erstmals isoliert, zunächst jedoch fälschlicherweise für eine THC-ähnliche Verbindung gehalten und daher als „THC III" bezeichnet (1).
Die molekulare Struktur von CBL ist einzigartig und unterscheidet sich grundlegend von THC und CBD, was zu einer anderen Interaktion mit dem Endocannabinoid-System (ECS) führt. Zudem wird CBL eine Rolle im sogenannten Entourage-Effekt zugeschrieben, bei dem verschiedene Cannabinoide und andere Substanzen der Cannabispflanze synergistisch zusammenwirken.
Wie entsteht CBL?
CBL wird nicht direkt durch die enzymatische Synthese in der Pflanze gebildet, sondern entsteht durch den Abbau von Cannabichromen (CBC), wenn dieses über längere Zeit UV-Strahlung, Wärme oder Sauerstoff ausgesetzt wird (2). Daher findet sich CBL vor allem in älteren oder schlecht gelagerten Cannabispflanzen und Extrakten.
Da dieser Entstehungsprozess stark von Umwelteinflüssen abhängt, ist CBL in frischen Pflanzen kaum nachweisbar und kommt auch in verarbeiteten Produkten meist nur in Spuren vor. Für wissenschaftliche Studien wird CBL daher zunehmend halbsynthetisch hergestellt, indem CBC gezielt im Labor umgewandelt wird (3).
Welche medizinischen Anwendungen von CBL werden erforscht?
Die medizinische Forschung zu Cannabicyclol steht noch ganz am Anfang, doch erste präklinische Studien liefern Hinweise auf mögliche therapeutische Eigenschaften. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Erkenntnisse bisher hauptsächlich aus Labor- und Tierstudien stammen und klinische Studien am Menschen noch ausstehen. Somit können die Ergebnisse nicht 1:1 auf den Menschen übertragen werden und für verlässliche Aussagen ist es noch zu früh.
Mögliche entzündungshemmendes Eigenschaften
Ein besonders interessantes Potenzial von CBL könnte in seinen möglichen entzündungshemmenden Eigenschaften liegen.
- Studien deuten darauf hin, dass CBL, ähnlich wie sein Vorläufer CBC, helfen könnte, Entzündungsreaktionen im Körper zu modulieren (4).
- In Tiermodellen konnte gezeigt werden, dass die Gabe von CBL bestimmte Entzündungsmarker reduzieren kann (5).
- Dies könnte in Zukunft für Menschen mit chronischen Entzündungskrankheiten oder Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielen. Die genauen Mechanismen, über die CBL diese Effekte vermittelt, sind jedoch noch Gegenstand aktueller Untersuchungen.
Mögliche Schmerzlinderung und neuroprotektive Effekte
Neben der Entzündungshemmung wird auch eine mögliche Rolle von CBL bei der Schmerzlinderung und bei der Neuroprotektion untersucht.
- Da Entzündungen oft mit Schmerzen einhergehen, könnten die entzündungshemmenden Eigenschaften von CBL indirekt auch schmerzlindernd wirken. Erste In-vivo-Studien weisen darauf hin, dass CBL in hohen Dosen bestimmte Schmerzreaktionen abschwächen kann (5).
- Darüber hinaus haben neuere Forschungen eine unerwartete Aktivität von CBL an Serotonin-Rezeptoren entdeckt. Eine Studie aus dem Jahr 2025 zeigte, dass CBL als potenter Modulator am körpereigenen 5-HT1A-Rezeptor wirkt (3). Dieser Rezeptor spielt beim Menschen eine wichtige Rolle bei der Regulation von Stimmung, Angst und Schmerz.
- Diese Entdeckung eröffnet völlig neue Perspektiven für die Erforschung von CBL im Bereich der Neurologie und Psychiatrie, auch wenn hier noch viel Forschungsarbeit nötig ist.
Was ist der Unterschied von CBL zu anderen Cannabinoiden?
Um die Besonderheiten von CBL besser zu verstehen, lohnt sich ein direkter Vergleich von CBL mit den bekanntesten Cannabinoiden der Pflanze. Jedes Cannabinoid hat zusätzlich ein einzigartiges Profil an Eigenschaften und möglichen Wirkungsweisen.
CBL vs. THC
- Der wichtigste Unterschied zwischen Cannabicyclol und Tetrahydrocannabinol (THC) liegt in der Wirkungsweise.
- THC ist stark psychotrop und maßgeblich für die typische bewusstseinsveränderne Wirkung verantwortlich. Es bindet direkt an die CB1-Rezeptoren im Gehirn (6).
- CBL hingegen hat keine berauschende Wirkung und interagiert nach aktuellem Wissensstand kaum mit den CB1-Rezeptoren (5).
- Während THC in den meisten Cannabissorten in hohen Konzentrationen vorkommt, ist CBL sehr selten und entsteht erst durch den Abbau anderer Stoffe.
CBL vs. CBD
- Im Vergleich mit Cannabidiol (CBD) gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede. Beide Cannabinoide sind nicht psychotrop, lösen also keine starke bewusstseinsverändernde Wirkung aus (7).
- CBD ist jedoch besser erforscht und wird bereits vielfältig medizinisch eingesetzt. Die Forschung zu CBL steckt im Vergleich dazu noch in den Kinderschuhen.
- Zudem ist CBD in vielen Produkten wie topischen Ölen und Kosmetika im Handel verfügbar, während CBL auf dem Markt kaum isoliert zu finden ist.
CBL vs. CBN
- Cannabinol (CBN) ist ein weiteres Cannabinoid, das oft mit CBL verglichen wird, da beide Abbauprodukte von natürlichen Cannabinoiden sind.
- CBN entsteht durch die Oxidation und Alterung von THC, während CBL aus CBC gebildet wird.
- CBN wird oft eine mögliche leicht sedierende Wirkung nachgesagt und in Schlaf-unterstützenden Produkten verwendet. Allerdings ist hier die Evidenzlage noch recht dürftig. Die spezifischen Wirkungsweisen von CBL sind hingegen noch nicht klar definiert.
- Beide Substanzen kommen vor allem in älterem Cannabis vor, da sie beim Abbau bestimmter Stoffe entstehen. CBN ist jedoch weitaus bekannter und im Vergleich besser erforscht als CBL, jedoch sind auch hier klinische Studien am Menschen noch rar und oft methodisch schwach.
| Eigenschaft | CBL (Cannabicyclol) | THC (Tetrahydrocannabinol) | CBD (Cannabidiol) | CBN (Cannabinol) |
| Psychotrop (berauschend) | Nein | Ja | Nein | Leicht / Nein |
| Ursprung | Abbau von CBC | Enzymatische Synthese | Enzymatische Synthese | Abbau von THC |
| Verfügbarkeit | Sehr selten | Sehr Hoch | Sehr Hoch | Mittel |
| Forschungsstand | Sehr gering | Sehr Hoch | Sehr Hoch | Mittel |

Was sind mögliche Nebenwirkungen von CBL?
Da die Forschung zu Cannabicyclol noch sehr begrenzt ist, gibt es bisher keine umfassenden klinischen Daten zu möglichen Nebenwirkungen beim Menschen. Obwohl CBL als nicht bewusstseinsverändernd gilt, könnten bei der Einnahme, insbesondere in höheren Dosen, Nebenwirkungen auftreten:
- Müdigkeit
- Leichte Schwindelgefühle
- Magen-Darm-Beschwerden gehören
Es fehlen jedoch Langzeitstudien, die die Sicherheit von CBL umfassend belegen (5).
Wichtig:
Da die Forschungslage zu CBL beim Menschen noch sehr begrenzt ist, kann derzeit keine Empfehlung zur Einnahme oder Dosierung gegeben werden. Die Anwendung von Cannabinoiden sollte ausschließlich in Absprache mit ärztlichem Fachpersonal erfolgen. Dies gilt insbesondere dann, wenn bereits Medikamente eingenommen werden, da Wechselwirkungen mit dem Arzneimittelstoffwechsel wissenschaftlich nicht ausgeschlossen werden können.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Cannabicyclol (CBL) ein faszinierendes, aber noch wenig erforschtes Cannabinoid ist. Es entsteht durch den natürlichen Abbau von CBC und zeichnet sich dadurch aus, dass es keine psychotrope, berauschende Wirkung hat. Erste wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass CBL möglicherweise entzündungshemmende Eigenschaften entfalten könnte und auf neuartige Weise mit Serotonin-Rezeptoren interagiert.
Dies könnte es in Zukunft zu einem interessanten Kandidaten für medizinische Anwendungen machen. Dennoch steht die Forschung noch ganz am Anfang, und es bedarf umfassender klinischer Studien, um die genauen Wirkmechanismen, therapeutischen Vorteile und die Sicherheit von CBL zu bestätigen. Die Einnahme von Cannabinoiden zu therapeutischen Zwecken sollte stets mit Vorsicht und unter ärztlicher Begleitung erfolgen.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Anwendung von Cannabisprodukten zu therapeutischen Zwecken sollte nur in Absprache mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal erfolgen. Es wird keine Haftung für Schäden oder Nebenwirkungen übernommen, die durch unsachgemäßen Gebrauch entstehen können. Weder werden Heil- oder Wirkversprechen gegeben, noch soll die Nutzung ohne ärztlichen Rat angeregt werden. Nutzer sind verpflichtet, die in ihrer Region geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu beachten und eigenverantwortlich zu handeln.
Quellen
- Korte, F.; Sieper, H. (1964): Chemical classification of plants. XXIV. Hashish constituents by thin-layer chromatography. Journal of Chromatography 13(1), S. 90–98. DOI: https://doi.org/10.1016/S0021-9673(01)95077-0
- Crombie, L. u. a. (1968): Hashish components. Photochemical production of cannabicyclol from cannabichromene. Tetrahedron Letters 55, S. 5771–5772. DOI: https://doi.org/10.1016/s0040-4039(00)76346-5
- Haghdoost, M. u. a. (2025): An Unexpected Activity of a Minor Cannabinoid: Cannabicyclol (CBL) Is a Potent Positive Allosteric Modulator of Serotonin 5-HT1A Receptor. Journal of Natural Products 88(1), S. 58–66. DOI: https://doi.org/10.1021/acs.jnatprod.4c00977
- Turner, C. E.; Elsohly, M. A. (1981): Biological activity of cannabichromene, its homologs and isomers. Journal of Clinical Pharmacology 21(S1), S. 283S-291S. DOI: https://doi.org/10.1002/j.1552-4604.1981.tb02606.x
- Vanegas, S. O. u. a. (2026): Anti-inflammatory and analgesic potential of minor cannabinoids in vivo. Journal of Cannabis Research 8, Artikel 40. DOI: https://doi.org/10.1186/s42238-025-00384-7
- Thorsen, T. S. u. a. (2025): Structural basis of THC analog activity at the Cannabinoid CB1 receptor. Nature Communications 16, Artikel 808. DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-024-55808-4
- Atalay, S.; Jarocka-Karpowicz, I.; Skrzydlewska, E. (2020): Antioxidative and Anti-Inflammatory Properties of Cannabidiol. Antioxidants 9(1), 21. DOI: https://doi.org/10.3390/antiox9010021














