Zum Hauptinhalt springen
Cannamedical Strains entdecken

Cannabis-Legalisierung in der Schweiz: Warum die letzte Meile so schwer ist

Verkäuferin im Weed Care Shop in der Schweiz an der Theke, im Hintergrund ein Fenster mit Blick auf einen historischen Stadtplatz und Alpenpanorama, im Vordergrund Cannabis-Blüten im Glas und CBD-Produktverpackungen der Marke Weed Care

Wichtigste Erkenntnisse

8 Minuten Lesezeit
  • Bereits seit 2022 testet die Schweiz in mehreren Kantonen wissenschaftlich begleitete Cannabisprojekte, bei denen Cannabis an Erwachsene abgegeben wird, und erhält damit wertvolle Daten und Erkenntnisse.
  • Die Erkenntnisse aus diesen Modellprojekten sollen langfristig die Legalisierung und deren Rahmenbedingungen prägen.
  • Auf eine landesweite Legalisierung müssen die Befürworter aktuell noch warten. Denn die föderale Ordnung, das obligatorische Referendum und eine traditionell vorsichtige Haltung verzögern diese.
  • Die gesundheitlichen Bedenken der Regierung sind groß, trotz der positiven Erfahrungen, die die Schweiz in den 1990er-Jahren bereits gemacht hat.
  • Das UN-Drogenabkommen und bilaterale Verträge mit der EU begrenzen den Spielraum für eine vollständige Freigabe.

Medizinisches Cannabis als Therapieoption

BehandlungsarztBehandlungsarzt

Arzttermine online kurzfristig verfügbar

Cannabis Rezept online anfragen

Teile diesen Artikel

Ein Kommentar von Mila Grün

In wenigen Ländern weltweit spielt die direkte Mitwirkung der Bevölkerung an politischen Sachentscheidungen eine so große und kontinuierliche Rolle wie in der Schweiz. Bei der Legalisierung von Cannabis gehen sie einen pragmatischen Weg: erst wird getestet und dann legalisiert. Zumindest in der Theorie.

Während Deutschland 2024 den Weg für Eigenanbau und Cannabis-Clubs ebnete und erst nach der offiziellen Teillegalisierung mit den Modellprojekten starten wollte, startete die Schweiz zuerst mit den wissenschaftlichen Pilotprojekten, um zu erfahren, ob und wie ein regulierter Markt funktionieren könnte. Doch wie sieht es im Jahr 2026 mit der Cannabis-Legalisierung in der Schweiz aus?

In diesem Artikel erfährst du, wie weit die Schweiz auf dem Weg zur Legalisierung tatsächlich ist, welche politischen und rechtlichen Hürden den Fortschritt bremsen und was die bisherigen Projekte über die Zukunft verraten. Dabei werfen wir auch einen Blick auf die einzigartige Schweizer Drogenpolitik, die bereits in den 1990er-Jahren einen radikalen Kurswechsel wagte.

Wie ist der aktuelle Cannabis-Status in der Schweiz?

Die Schweiz befindet sich in einer experimentellen Zwischenphase: Cannabis ist nicht vollständig legalisiert, aber wissenschaftliche Pilotprojekte ermöglichen einen kontrollierten Zugang für erwachsene Teilnehmende zu nicht-medizinisch genutztem Cannabis. Diese Versuche laufen seit 2022 und sollen belastbare Daten für eine künftige Gesetzgebung liefern (1). Obwohl noch nicht klar ist, ob und wann Cannabis weitergehend legalisiert wird, sind aktuell 10 Gramm pro Person entkriminalisiert, obwohl der nicht-medizinische Gebrauch von Erwachsenen grundsätzlich noch verboten ist.

Die Schweizer Pilotprojekte: Wissenschaft vor freier Regulierung

Im Mai 2021 stimmte das Schweizer Parlament einer Änderung des Betäubungsmittelgesetzes zu, die sogenannte „wissenschaftliche Pilotversuche mit Cannabis" ermöglicht (2). Seit 2022 können Städte wie Basel, Zürich, Bern, Genf und Lausanne solche Projekte durchführen. Die Teilnahme ist streng reglementiert:

  • Mindestalter: 18 Jahre
  • Wohnsitz: In der jeweiligen Projektregion
  • Voraussetzung für Teilnehmende: Bereits bestehender Cannabiskonsum
  • Bezugsquelle: Ausschließlich in zugelassenen Apotheken oder Verkaufsstellen
  • Produkt: Kontrolliertes Cannabis aus Schweizer Produktion
  • Maximale Teilnehmerzahl: Ca. 2.000 bis 5.000 Personen pro Projekt
  • Laufzeit: Maximal 10 Jahre

In den Projekten werden verschiedene Verkaufsmodelle untersucht, von Apotheken bis hin zu spezialisierten Fachgeschäften. Dabei soll untersucht werden, wie sich ein regulierter Zugang auf Konsummuster, die Gesundheit des Konsumenten und am Ende auf den Schwarzmarkt auswirkt (3).

Medizinisches Cannabis: Seit 2022 erleichtert

Die Schweiz startete neben den Pilotprojekten auch damit, den medizinischen Zugang zu Cannabis zu erleichtern. Seit dem 1. August 2022 benötigen Ärztinnen und Ärzte keine Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) mehr, um cannabisbasierte Medikamente und Arzneien zu verschreiben (1).

In einem Zürcher Cannabis-Pilotprojekt berät eine Fachperson zwei Teilnehmende über den regulierten Bezug. Die wissenschaftlichen Versuche laufen seit 2022 in mehreren Schweizer Städten.

Wird die Schweiz Cannabis legalisieren?

Es gibt aktuell schon einen konkreten Gesetzesentwurf, der Erwachsenen einen legalen, aber regulierten Zugang zu Cannabis ermöglichen soll. Doch durch das gelebte politische System der Schweiz braucht es allerdings mehr Zeit, um Reformen durchzubringen, als es in vielen anderen Ländern der Fall ist. Das liegt vor allem am Föderalismus, der direkten Demokratie und der kulturell verankerten Vorsicht gegenüber gesellschaftlichen Umbrüchen.

Föderalismus: 26 Kantone, 26 Meinungen

Die Schweiz besteht aus 26 Kantonen und jeder Kanton ist in vielen Bereichen berechtigt, selbst Entscheidungen zu treffen. Das bedeutet für die Legalisierung: Selbst wenn diese national verabschiedet würde, müssten die einzelnen Kantone eigene Regeln für die Umsetzung erstellen (4). Dabei könnten die Unterschiede in der Umsetzung zwischen den urbanen, tendenziell liberaleren Kantonen wie Zürich, Genf und Basel und den konservativen, ländlichen Regionen groß sein.

Ein ähnliches Muster zeigt sich in Deutschland: Auch bei der Genehmigung von Anbauvereinigungen im Hinblick auf Baurecht entscheiden die Bundesländer eigenständig, mit teils großen Unterschieden in Tempo und Bereitschaft. Eine Bundestagsanfrage bestätigt ein "erhebliches Gefälle zwischen den Bundesländern" – in Bayern wurden monatelang gar keine Genehmigungen erteilt (5).

Direkte Demokratie: Das Volk entscheidet mit

Tatsächlich hat in der Schweiz das Volk direktes Mitspracherecht durch Abstimmungen. Jede größere Gesetzesänderung kann somit durch eine Volksabstimmung gekippt oder bestätigt werden. Sammeln die Schweizer Bürgerinnen und Bürger innerhalb von 90 Tagen 50.000 Unterschriften gegen ein neu beschlossenes Gesetz, muss die Regierung eine Volksabstimmung durchführen. Das Volk entscheidet dann, ob das Gesetz in Kraft tritt oder nicht. Bei Verfassungsänderungen ist ein obligatorisches Referendum sogar zwingend. Das gibt den Bürgerinnen und Bürgern zwar enorme Macht, verlangsamt aber auch Reformen, weil jede Entscheidung die Mehrheit braucht.

Was sagen die politischen Parteien zur Legalisierung?

Wie in Deutschland sind auch die Parteien in der Schweiz unterschiedlicher Meinung, was die Legalisierung von Cannabis in ihrem Land angeht. Die Positionen reichen von einer klaren Befürwortung hin zur strikten Ablehnung (4).

  • Grüne: Klar dafür; fordern regulierten Verkauf und ein Ende des Verbots
  • Grünliberale: Dafür, aber mit klaren Regeln und Auflagen
  • SP (Sozialdemokraten): Für einen regulierten Markt mit starkem Fokus auf Gesundheitsschutz
  • FDP (liberale Partei): Uneinig; ein Teil der Partei ist offen, eine klare Linie fehlt
  • Die Mitte (christdemokratische Partei): Eher ablehnend; medizinisches Cannabis wird akzeptiert
  • SVP (rechtsnationale Partei): Gegen Legalisierung

Die Schweizer Drogenpolitik erlebte schon einmal einen Umschwung

Die Schweiz hat in den 1980er- und 1990er-Jahren eine der schwersten offenen Drogenszenen Europas erlebt und daraus eine Pionierrolle in der Harm-Reduction-Bewegung entwickelt. Um die aktuelle Legalisierungsdebatte genauer zu verstehen, ist es wichtig, sich einmal mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen.

Der Needle Park in Zürich und die Schweizer Antwort darauf

In den 1980er-Jahren kämpfte die Schweizer Regierung mit einem schwerwiegenden Problem. Der Platzspitz-Park in Zürich erhielt den Namen „Needle Park" und wurde zum Symbol für eine gescheiterte Drogenpolitik. Tausende Heroinabhängige konsumierten dort quasi in der Öffentlichkeit und die Zahlen der HIV-Infektionen und Drogentoten stiegen besorgniserregend an (6).

Der Platzspitz-Park in Zürich, in den 1980er-Jahren als „Needle Park" bekannt, wurde zum Symbol einer gescheiterten Drogenpolitik. Tausende Abhängige konsumierten dort öffentlich Heroin.


Nach Jahren des Chaos führte die Schweiz einen radikalen Kurswechsel durch und setzte statt auf Repression auf Unterstützung. Die sogenannte „Viersäulenpolitik" wurde eingeführt:

  • Prävention – Aufklärung und Früherkennung
  • Therapie – Ausstiegsprogramme und Behandlung
  • Schadensminderung(Harm Reduction) – Spritzentausch, Drogenkonsumräume, heroingestützte Behandlung
  • Repression – Bekämpfung des illegalen Handels

Besonders die dritte Säule verfolgte einen revolutionären Ansatz: Die Schweiz führte als eines der ersten Länder weltweit Behandlungsprogramme ein, die Heroinsüchtige bei dem Erhalt und dem Konsum der Substanz unterstützen. Somit erhielten Konsumenten, die bereits schwerstabhängig waren, die Unterstützung und die medizinische Anerkennung, die sie benötigten, beispielsweise in Form von pharmazeutisch reinem Heroin. Damit konnten sie aus dem Teufelskreis des Schwarzmarktes und der Beschaffungskriminalität entfliehen und ihren Alltag wieder stabilisierter bewältigen.

Lässt sich diese Art der Drogenpolitik auch auf Cannabis übertragen?

Die Viersäulenpolitik wurde als Antwort auf eine akute Krise entwickelt: Menschen starben öffentlich, die HIV-Epidemie breitete sich aus, die gesellschaftlichen Kosten waren enorm. Cannabis hingegen liefert keine vergleichbare existenzielle Bedrohung, weder im öffentlichen Raum noch in der Cannabisszene selbst. Es gibt also aus Sicht der Regierung keinen vergleichbar dringenden Grund, schnell zu handeln. Manche Schweizer Politiker argumentieren, dass die Pilotprojekte ausreichend seien, um Daten zu sammeln, ohne ein Risiko einzugehen.

Stehen einer Legalisierung in der Schweiz noch rechtliche Hürden im Weg?

Aktuell ja, aber diese könnten überwunden werden. Selbst wenn die politische Mehrheit für eine Legalisierung vorhanden wäre, müsste die Schweiz erhebliche rechtliche Hindernisse überwinden, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.

Nationales Recht: Verfassungsänderung nötig?

Das Schweizer Betäubungsmittelgesetz (BetmG) verbietet den Anbau, Handel und Konsum von Cannabis zu nicht-medizinischen Zwecken. Eine vollständige Legalisierung würde eine umfassende Gesetzesänderung erfordern. Je nach Ausgestaltung könnte sogar eine Verfassungsänderung nötig sein, was automatisch ein obligatorisches Referendum nach sich ziehen würde.

Internationales Recht: UN-Konventionen und die EU

Die Schweiz ist an verschiedene internationale Abkommen gebunden, die den Umgang mit Cannabis regeln:

  • Einheitsabkommen über Suchtstoffe (1961): Dieses verpflichtet, Cannabis kontrolliert zu behandeln und den nicht-medizinischen Gebrauch einzuschränken.
  • UN-Konvention gegen illegalen Handel (1988): Die Konvention verpflichtet das Land, den Drogenhandel zu bekämpfen.

Auch Kanada und Uruguay unterzeichneten die Abkommen und haben trotzdem die Legalisierung von Cannabis für den nicht-medizinschen Gebrauch für Erwachsene umgesetzt. Das bedeutet, dass diese internationalen Verträge nicht unüberwindbar sind. Doch die Schweiz geht hier besonders vorsichtig vor, zumal sie zusätzlich ein Teil weiterer bilateraler Abkommen mit der EU, insbesondere des Schengen-Assoziierungsabkommens, ist. Zwar gibt es in der EU keine einheitliche Drogenpolitik, doch eine komplette Legalisierung könnte zu Spannungen führen, etwa bei Grenzkontrollen oder der polizeilichen Zusammenarbeit (7).

Was zeigen die ersten Ergebnisse der Schweizer Pilotprojekte?

Die Pilotprojekte in der Schweiz laufen nun seit fast vier Jahren. Es gibt zwar noch keinen offiziellen Abschlussbericht, doch erste Erkenntnisse liegen vor.

Basel: Das Projekt „Weed Care"

In Basel startete das erste Projekt im Jahr 2023 mit knapp 400 Teilnehmern, die Cannabis aus der Apotheke beziehen. Das sind die ersten Ergebnisse (8):

  • Die Teilnehmer bevorzugen das legale Angebot gegenüber dem Schwarzmarkt, trotz höherer Preise.
  • Der THC-Gehalt der angebotenen Produkte ist kontrolliert und niedriger als bei vielen Schwarzmarktprodukten.
  • Die gesundheitliche Beratung wird von den Teilnehmern als positiv empfunden und gerne angenommen.

Zürich: Das größte Projekt

Zürich startete das größte Cannabis-Pilotprojekt mit mehreren tausend Teilnehmern. Dabei werden verschiedene Abgabemöglichkeiten getestet, einerseits über die Apotheken, aber es gibt auch spezielle Fachgeschäfte, über die die Teilnehmer Cannabis erwerben können. Mit diesem Vorgehen werden Daten gesammelt, die aufzeigen sollen, welches Abgabemodell am besten funktioniert, auch in Verbindung mit dem Gesundheitsschutz (9).

Die Grenzen der Pilotprojekte

So vielversprechend die Pilotprojekte beim Sammeln von Gesundheitsdaten, Konsummustern, Schwarzmarktdaten und Erkenntnissen zu verschiedenen Verkaufsmodellen auch sind, haben sie auch ihre Grenzen:

  • Selbstselektion: Nur bereits konsumierende Personen dürfen teilnehmen, was die Daten verzerrt.
  • Kleine Stichproben: Die Teilnehmerzahlen sind zu gering, um bevölkerungsweite Effekte abzuschätzen.
  • Keine messbare Schwarzmarktverdrängung: Solange die Projekte lokal und von der Anzahl der Teilnehmer begrenzt sind, wird der Schwarzmarkt wenig beeinflusst.

Die Pilotprojekte liefern wichtige Hinweise, aber sie können die Frage, wie ein landesweiter Markt funktionieren würde, nicht abschließend beantworten.

Welche Argumente sprechen für und gegen eine Legalisierung?

Die Diskussion um die Cannabis-Legalisierung in der Schweiz dreht sich um wiederkehrende Themen, sowohl auf Seiten der Befürworter als auch der Gegner.

Argumente für eine Cannabis-Legalisierung in der Schweiz:

  • Entkriminalisierung: Hunderttausende Schweizer konsumieren Cannabis, ob es legal ist oder nicht. Strafverfolgung bindet Ressourcen und kriminalisiert normale Bürger.
  • Bekämpfungdes Schwarzmarktes: Ein regulierter Markt schwächt den Schwarzmarkt und die damit verbundenen kriminellen Netzwerke.
  • Qualität: Legale Produkte haben eine geprüfte Qualität, sind frei von Verunreinigungen und enthalten bekannte Cannabinoid- und Terpenwerte, was wiederum für einen sicheren Konsum sorgt.
  • Steuereinnahmen: Ein legaler Markt könnte erhebliche Steuereinnahmen generieren.
  • Wissenschaftliche Evidenz: Erfahrungen aus Kanada, Uruguay und US-Bundesstaaten zeigen, dass eine Legalisierung gut funktionieren kann.
  • Jugendschutz: Viele Befürworter der Legalisierung betonen, dass auf einem besser regulierten und legalisierten Markt Jungendliche weit besser vor Gefahren geschützt werden können, so, z.B. durch Zugangskontrollen ab 18, evidenzbasierte Aufklärung.

Argumente gegen eine Legalisierung:

  • Jugendschutz: Gegner befürchten, dass Legalisierung den Zugang für Minderjährige erleichtert und den legalen Umgang mit der Pflanze für diese Altersgruppe zu sehr normalisiert. Internationale Daten weisen aber überwiegend darauf hin, dass Jugendliche nach einer Legalisierung nicht unbedingt mehr konsumieren und in manchen Regionen der Konsum auch sinken kann. Es gibt aber auch neue Hinweise darauf, dass die Art der Regulierung eine Rolle spielt und eine Kommerzialisierung ohne Werbebeschränkungen zu einem höheren Konsum führen könnte.
  • Gesundheitsrisiken: Langzeitkonsum, insbesondere in jungen Jahren, wird von einigen Gegnern mit psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht; allerdings wird die Datenlage von Experten kontrovers diskutiert und es ist nicht immer klar, wie hier kausale Zusammenhänge bestehen. Es muss aber auch gesagt werden, dass nach unserem Wissen ein illegaler Status die Menschen nicht vom Konsum abhält und am Ende wieder dem Schwarzmarkt zugute kommt und die Gesundheitsrisiken verschärft z.B. durch nicht-kontrollierte verunreinigte Produkte.
  • Verkehrssicherheit: THC beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit, wobei die Nachweiszeit im Blut je nach Konsumhäufigkeit stark variiert und ein positiver Test nicht zwingend eine akute Beeinträchtigung bedeutet. Manche Gegner befürchten, dass eine Legalisierung die Hemmschwelle senkt und mehr Menschen dazu verleitet, sich nach dem Konsum ans Steuer zu setzen.
  • GesellschaftlicheSignalwirkung: Es wird oft behauptet, eine Legalisierung könnte als Verharmlosung von Cannabis, aber auch von Drogen im Allgemeinen, verstanden werden.

Wie geht es in der Schweiz mit der Cannabis-Legalisierung weiter?

Auf dem Berner Münsterplatz sammeln Aktivistinnen Unterschriften für eine Volksinitiative zur Cannabis-Regulierung. Um eine Volksabstimmung zu erzwingen, benötigen Befürworter innerhalb von 18 Monaten 100.000 Unterschriften



Die Schweiz hat aktuell mehrere Möglichkeiten, wie es mit der Legalisierung von Cannabis in ihrem Land weitergehen kann. Am wahrscheinlichsten ist eine schrittweise Ausweitung der laufenden Pilotprojekte auf weitere Kantone. Damit könnten sich Teilnehmer auf die Studienteilnahme bewerben, die legal Cannabis beziehen möchten, in guter Qualität. Die landesweite Legalisierung kann somit noch zeitlich hinausgezögert werden.

Denkbar wäre auch eine Volksinitiative, bei der Befürworter innerhalb von 18 Monaten 100.000 Unterschriften sammeln und so eine Volksabstimmung erzwingen könnten, allerdings mit ungewissem Ausgang (10).

Eine parlamentarische Gesetzesreform auf Basis der Pilotprojekt-Ergebnisse wäre ebenfalls möglich, aber frühestens 2028 bis 2030 realistisch (11). Und schließlich könnte internationaler Druck, etwa durch eine Kursänderung der EU oder der Vereinten Nationen, die Schweiz unter Zugzwang setzen, auch wenn das derzeit nicht absehbar ist.

Fazit

Die Schweiz hat in der letzten großen Drogenkrise bewiesen, dass schnelle und mutige drogenpolitische Reformen möglich sind. Doch bei der Legalisierung von Cannabis fehlt der politische Druck und der Weg ist lang. Das Land ist in 26 Kantone aufgeteilt, das Volk stimmt über wichtige Gesetze direkt ab, und Veränderungen werden grundsätzlich lieber langsam angegangen.

Die Ergebnisse der laufenden Pilotprojekte werden auch in Deutschland mit Interesse verfolgt. Die medizinische Abgabe ist in der Schweiz ebenfalls möglich, doch die vollständige Legalisierung bleibt wohl vorerst eine Frage der Zeit und der Geduld. Die Schweiz hat bewiesen, dass sie bei Drogenpolitik mutig sein kann; die Frage ist, wie sie nun mit ihren Erkenntnissen umgeht und wie sie den nächsten Schritt im Kontext einer internationalen und europäischen Gesetzgebung macht, welche diesen Schritt sehr erschwert.

Rechtlicher Hinweis:

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine Rechtsberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Konsum von Cannabis dar. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Gewähr übernommen.

Quellen

  • Bundesamt für Gesundheit BAG (2022): Pilotversuche mit Cannabis. bag.admin.ch
  • Schweizerische Eidgenossenschaft (2021): Änderung des Betäubungsmittelgesetzes – Pilotversuche mit Cannabis. https://www.fedlex.admin.ch/de/consultation-procedures/ended/2018#https://fedlex.data.admin.ch/eli/dl/proj/6018/51/cons_1
  • prevention.ch (2022): Cannabis-Pilotversuche: Stand Juni 2022 https://www.prevention.ch/article/cannabis-pilotversuche-stand-juni-2022
  • Schweizer Parlament (2021): Geschäft 20.473 – Änderung BetmG Pilotversuche Cannabis. parlament.ch
  • Deutscher Bundestag (2025): Drucksache 21/1093, Antwort der Bundesregierung, 30.07.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/010/2101093.pdf
  • Uchtenhagen, Ambros (2010): Heroin-assisted treatment in Switzerland: a case study in policy change. Addiction, 105(1), S. 29–37. DOI: doi.org/10.1111/j.1360-0443.2009.02741.x
  • International Drug Policy Consortium (2020): Taking stock of half a decade of drug policy https://www.drugsandalcohol.ie/34042/1/IDPC_UNGASS_5y_Review_2021.pdf
  • Kanton Basel-Stadt (2024): Pilotversuch Cannabis – Zwischenbericht. bs.ch
  • Stadt Zürich / Swiss Cannabis Research (2025): Cannabis Studie Zürich – Züri Can. zuerich.pilotversuche.ch
  • SRF News (2025): Neue Studie – Cannabis vom Schwarzmarkt ist eine Lotterie. srf.ch
  • NZZ (2025): Fast 90.000 Mal hat die Stadt Zürich legal Cannabis verkauft. nzz.ch

FAQ

Ist Cannabis in der Schweiz 2026 legal?

Nein, Cannabis ist in der Schweiz nicht legal. Der Besitz von unter 10 Gramm wird seit 2013 mit einer Ordnungsbuße von 100 Franken bestraft, gilt aber nicht als Straftat im klassischen Sinne. Anbau, Handel und Verkauf bleiben verboten. Eine Ausnahme gilt für Teilnehmer der wissenschaftlichen Pilotprojekte, die Cannabis legal über zugelassene Apotheken oder Fachgeschäfte beziehen dürfen.

Wie kann ich an einem Schweizer Cannabis-Pilotprojekt teilnehmen?

Wer teilnehmen möchte, muss in der jeweiligen Projektregion wohnen, mindestens 18 Jahre alt sein und bereits Cannabis konsumieren. Die Projekte haben begrenzte Plätze und laufen in Städten wie Basel, Zürich, Bern, Genf und Lausanne. Informationen und Anmeldung laufen über die jeweiligen Stadtbehörden oder die offiziellen Projektstellen.

Wann kommt die vollständige Cannabis-Legalisierung in der Schweiz?

Ein konkreter Zeitplan existiert nicht. Eine parlamentarische Reform auf Basis der Pilotprojekt-Ergebnisse wäre frühestens 2028 bis 2030 realistisch. Wahrscheinlicher ist zunächst eine schrittweise Ausweitung der laufenden Projekte. Wer eine schnellere Lösung anstrebt, müsste eine Volksinitiative mit 100.000 Unterschriften starten, deren Ausgang jedoch ungewiss wäre.

Was unterscheidet die Schweizer Cannabis-Politik von der deutschen?

Beide Länder haben medizinisches Cannabis erlaubt. Deutschland hat 2024 Eigenanbau und Cannabis Social Clubs legalisiert, aber keinen kommerziellen Verkauf erlaubt. Die Schweiz testet seit 2022 gezielt kommerzielle Verkaufsmodelle in wissenschaftlichen Pilotprojekten, hat aber noch keine landesweite Regelung. Vereinfacht gesagt: Deutschland hat weitergehende Legalisierungsschritte, aber noch keine Modellprojekte, die Schweiz hat diese und sammelt damit vorerst Daten.

Kann ich in der Schweiz medizinisches Cannabis verschrieben bekommen?

Ja. Seit dem 1. August 2022 können Ärzte cannabisbasierte Medikamente ohne Ausnahmebewilligung verschreiben. Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist jedoch nicht garantiert und hängt vom Einzelfall ab. Wer wissen möchte, ob eine Behandlung mit medizinischem Cannabis infrage kommt, sollte das Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen.

Schreibe den ersten Kommentar

Profilbild

Hallo and High, mein Name ist Mila Grün und ich bin die Chefredakteurin der Cannabib. Meine Arbeit und meine Leidenschaft liegen im Schreiben von seriösen und wissenschaftlich fundierten Texten über das Thema Cannabis. Gemeinsam mit meinem Team kämpfe ich seit Jahren gegen die derzeitige Stigmatisierung und für eine solide Aufklärung. Damit die Cannabispflanze wieder den Stellenwert erlangt, den sie verdient.