
Inhaltsverzeichnis
Wichtigste Erkenntnisse
- Bei der SCROG-Methode (Screen of Green) wächst deine Pflanze durch ein horizontal gespanntes Netz, wodurch ein flaches, breites Kronendach statt einer einzelnen hohen Cola entsteht.
- Statt vieler kleiner Pflanzen wie bei SOG (Sea of Green) setzt du bei SCROG auf wenige Pflanzen, die konsequent in die Breite trainiert werden – ideal für begrenzte Höhe.
- Entscheidend ist nicht ein fester Zeitplan, sondern das Verhalten der Pflanze: Netz-Timing, Topping und Maschenweite richten sich nach Wachstumssignalen, nicht nach Wochenzahlen.
- Richtig durchgeführt, gleicht SCROG die Lichtverteilung im gesamten Kronendach an und kann den Ertrag pro Pflanze spürbar steigern.
- Für noch mehr Kontrolle über Form und Wuchs lässt sich SCROG hervorragend mit anderen Trainingstechniken kombinieren.
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SCROG, kurz für Screen of Green, ist eine der effektivsten Methoden, um auf begrenzter Fläche ein gleichmäßiges, ertragreiches Kronendach zu formen. Statt einer einzelnen dominanten Cola verteilst du das Wachstum deiner Pflanze über ein Netz, sodass am Ende deutlich mehr Blütenstände gleichmäßig mit Licht versorgt werden. Wer schon einmal mit Low Stress Training gearbeitet hat, wird sich in der Grundidee schnell zurechtfinden – SCROG geht dabei nur einen Schritt weiter und gibt dem Wachstum eine feste, horizontale Struktur vor.
Besonders gut eignen sich Sorten mit ausgeprägtem Sativa-Wuchstyp, also starkem Höhenstreckung. Wichtig zu wissen: "Sativa" und "Indica" beschreiben dabei vor allem die Wuchsform, inzwischen aber nicht mehr klar abgrenzbare botanische Arten oder Unterarten. Die meisten Sorten sind inzwischen Hybride, daher zählt eher das tatsächliche Streckungsverhalten als das Etikett. Wie SCROG im Detail funktioniert, welche Fehler du vermeiden solltest und wie sich die Technik kombinieren lässt, erfährst du im Folgenden.
Was genau ist die SCROG-Methode?
SCROG ist eine Low-Stress-Trainingstechnik, bei der die Triebe deiner Pflanze durch ein horizontal gespanntes Netz geführt werden. Dadurch können alle Triebspitzen auf etwa derselben Höhe wachsen. Das Ergebnis ist ein gleichmäßiges Kronendach, in dem jede Bud nahezu identischen Zugang zu Licht hat, statt dass wenige obere Blüten den Großteil der Energie abbekommen.
Der wesentliche Unterschied zur SOG-Methode (Sea of Green) liegt in der Pflanzenzahl: Während SOG auf viele kleine Pflanzen setzt, die dicht an dicht stehen und schnell durchwachsen, arbeitest du bei SCROG mit wenigen, dafür in die Breite trainierten Pflanzen. Das macht die Technik besonders attraktiv, wenn deine Anbaufläche begrenzt, aber die Deckenhöhe knapp bemessen ist. Dieses Szenario ist bekannt für Grower, die im in kleinen Räumen anbauen.
Damit das Netz seine Wirkung entfalten kann, braucht es die passende Maschenweite. Bewährt haben sich Maschen von etwa 5 bis 10 cm Kantenlänge: Ist das Netz zu engmaschig, lassen sich die Triebe kaum noch einzeln durchführen und verheddern sich; ist es zu grobmaschig, fehlt die Führung, und einzelne Äste wachsen unkontrolliert nach oben durch.

Wie funktioniert SCROG? Schritt-für-Schritt-Anleitung
SCROG klingt komplizierter, als es ist. Das ist vor allem so, wenn deine Pflanzen ohnehin schon in einem Growzelt oder einer kompakten Growbox stehen. Die folgenden Schritte führen dich durch den gesamten Prozess, von der Vorbereitung bis zum Beginn der Blüte.
Das brauchst du
- 1 bis 3 Cannabispflanzen, idealerweise mit ausgeprägtem Sativa-Wuchstyp und entsprechendem Streckungsverhalten
- Ein stabiles Netz oder Gitter, etwa aus Nylon, Metall oder Draht, mit einer Maschenweite von rund 5 bis 10 cm
- Ein normales Setup für den Indoor Grow aus Töpfen, Erde oder Substrat sowie passender Beleuchtung
- Geduld für die tägliche Kontrolle und das Nachjustieren der Triebe
Schritt 1: Setzlinge einpflanzen und beobachten
Statt nach einer festen Wochenzahl zu gehen, achtest du auf die Pflanze selbst: Sobald sie mehrere Nodien (Blattpaare) ausgebildet hat und der typische Stretch, also das beschleunigte Höhenwachstum, einsetzt, ist der richtige Zeitpunkt für die nächsten Schritte gekommen. Das kann je nach Sorte, Licht und Substrat unterschiedlich schnell gehen – die Beobachtung der Pflanze ist zuverlässiger als jeder starre Zeitplan.

Schritt 2: Topping oder FIMing vor dem Netz ansetzen
Bevor das Netz überhaupt zum Einsatz kommt, lohnt sich ein gezielter Eingriff in die Wuchsform. Wer die Haupttriebspitze beschneidet, wie beim Topping, oder fimt, unterbricht die Apikaldominanz und regt die Pflanze dazu an, mehrere gleichwertige Seitentriebe statt einer einzelnen Hauptcola zu bilden. Diese Vorbereitung ist entscheidend, denn ein früh verzweigter Wuchs füllt das spätere Netz deutlich gleichmäßiger als eine unbehandelte Pflanze mit nur einem dominanten Trieb.

Schritt 3: Netz installieren
Spanne das Netz etwa 20 bis 30 cm über dem Topfrand. Die genaue Höhe hängt davon ab, wie schnell deine Sorte wächst und wie viel Platz du bis zur Lampe zur Verfügung hast.

Schritt 4: Triebe einweben
Sobald einzelne Triebe das Netz erreichen, führst du sie vorsichtig zur Seite durch eine Masche und lässt sie dort weiterwachsen. Dieser Vorgang wiederholt sich täglich, denn neue Triebspitzen erreichen das Netz laufend.

Schritt 5: Unteres Blattwerk entfernen und weiter trainieren
Parallel zum Einweben entfernst du untere, licharme Blätter und Triebe, ein Vorgehen, das auch als Lollipopping bezeichnet wird. So lenkst du die Energie der Pflanze gezielt in die oberen, gut belichteten Bereiche des Kronendachs.

Schritt 6: Wachstumsphase bis zur Netzfüllung fortsetzen
Du bleibst so lange in der vegetativen Wachstumsphase, bis das Netz zu etwa 70 bis 80 % mit Trieben gefüllt ist. Erst dann leitest du die Blütephase ein. Ein zu früher Wechsel führt zu einem lückenhaften Kronendach mit ungenutzten Netzflächen.

Häufige Probleme beim Scroggen erkennen und beheben
Auch bei sorgfältiger Vorbereitung tauchen beim Scroggen typische Probleme auf, die sich mit etwas Erfahrung aber gut vermeiden oder korrigieren lassen.
Ungleichmäßiges Wachstum
Wenn einzelne Triebe deutlich schneller wachsen als andere, entstehen im Netz kahle Stellen neben überfüllten Bereichen. Meist liegt das an ungleicher Lichtverteilung oder daran, dass dominante Triebe zu spät zur Seite geführt wurden. Kontrolliere das Netz täglich und biege schnell wachsende Spitzen konsequent in freie Bereiche, damit sich die Energie der Pflanze gleichmäßig verteilt.
Lightburn durch zu geringen Lampenabstand
Da SCROG das Kronendach näher an die Lampe heranwachsen lässt als bei unkontrolliertem Höhenwachstum, steigt das Risiko für Lightburn, erkennbar an ausgebleichten oder verbrannten oberen Blattspitzen. Miss regelmäßig den Abstand zwischen Kronendach und Lampe und passe die Hänghöhe der Beleuchtung an, sobald sich die Triebe der Lichtquelle annähern.
Blockierte Luftzirkulation und Schimmelrisiko
Ein dicht gefülltes Netz wirkt wie ein natürlicher Vorhang, unter dem sich Feuchtigkeit stauen kann, was das Risiko für Schimmel und Krankheiten im unteren Pflanzenbereich erhöht. Konsequentes Lollipopping der unteren Etage sowie ein zusätzlicher Umluftventilator unterhalb des Netzes sorgen dafür, dass Luft zirkulieren kann und sich keine feuchten, stehenden Bereiche bilden.
Was sind die Vorteile der SCROG-Methode?
Wer aus wenigen Pflanzen das Maximum herausholen möchte, profitiert von SCROG gleich in mehrfacher Hinsicht.
- Mehr Ertrag pro Pflanze: Weil deutlich mehr Triebspitzen zu vollwertigen Blüten heranwachsen statt nur der Haupt-Cola, berichten Grower je nach Sorte und Setup von spürbar höheren Erträgen im Vergleich zu untrainierten Pflanzen. Eine feste Prozentzahl lässt sich dabei nicht seriös versprechen, da Licht, Genetik und Pflege den Ausschlag geben.
- Gleichmäßige Lichtverteilung: Kein einzelner Trieb dominiert das Wachstum, wodurch auch seitliche und untere Blüten ausreichend Licht erhalten.
- Optimale Raumnutzung: Ein flaches, breites Kronendach passt sich begrenzter Deckenhöhe an und lässt sich präzise auf die Fläche eines Growzelts abstimmen.
- Bessere Luftzirkulation im oberen Bereich: Durch die gleichmäßige Verteilung der Triebe entstehen weniger dichte Blattpakete an einzelnen Stellen.
- Kontrollierte Wuchsform: Du bestimmst über das Netz, wo sich die Pflanze ausbreitet, statt dem natürlichen Höhenwachstum zu folgen.
Hinweis:
In Deutschland dürfen Privatpersonen ab 18 Jahren gemäß § 3 KCanG bis zu 50 Gramm getrocknetes Cannabis im eigenen Haushalt besitzen. Mengen, die über diesen Grenzwert hinausgehen – auch wenn sie aus dem eigenen Anbau stammen – sind nicht erlaubt und können strafrechtliche Konsequenzen haben. Plane deinen Anbau daher so, dass der geerntete und getrocknete Ertrag diese Grenze nicht überschreitet.
Hat SCROG auch Nachteile?
Auch diese Anbautechnik bringt einige Punkte mit sich, die du vorab einplanen solltest.
- Der Pflegeaufwand ist spürbar höher als bei untrainierten Pflanzen: Tägliches Kontrollieren und Einweben der Triebe ist notwendig, damit das Netz gleichmäßig gefüllt wird.
- Zudem eignet sich SCROG eher für längere Grows, da die Trainingsphase Zeit braucht. Für schnelle Durchläufe ist die Methode weniger geeignet.
- Autoflowering-Sorten sind ebenfalls keine ideale Wahl, da sie automatisch und oft zu schnell in die Blüte wechseln und sich innerhalb dieses kurzen Zeitfensters kaum noch sauber trainieren lassen.
- Zur Ernte selbst musst du außerdem entweder das Netz entfernen oder die Pflanzen direkt im Netz zuschneiden, was bei dichtem Wuchs etwas Fingerspitzengefühl erfordert. Mit wachsender Routine wird dieser Schritt jedoch schnell zur Gewohnheit.
Kann man SCROG mit anderen Trainingstechniken kombinieren?
Ja, SCROG lässt sich hervorragend mit anderen Low-Stress-Techniken verbinden und wird dadurch oft noch effektiver.
| Technik | Kurz erklärt | Kombinierbarkeit mit SCROG |
| Topping | Haupttrieb wird früh gekappt | Perfekt zur Vorbereitung der Verzweigung |
| Low Stress Training | Zweige biegen und fixieren | Ideal zur Feinjustierung im Netz |
| Lollipopping | Untere Triebe entfernen | Lenkt Energie gezielt zu den Top-Buds |
| Super Cropping | Triebe leicht anknicken, um das Wachstum umzulenken | Eher für erfahrene Grower geeignet, da ein zu starker Knick den Trieb dauerhaft schädigen kann |
Wer den Ertrag seiner Cannabispflanzen maximieren möchte, fährt meist am besten damit, SCROG bereits in der frühen Wachstumsphase mit Topping zu kombinieren und die Feinarbeit anschließend über LST zu erledigen. Wer stattdessen eine kompakte, buschige Pflanze anstrebt, findet in den Methoden für kleinwüchsige, buschige Pflanzen weitere Ansätze, die sich gut mit einem Netz kombinieren lassen.
Studie zeigen: SCROG kann den Ertrag steigern
In einer experimentellen Indoor-Hydrokultur-Studie untersuchten Knight und Kollegen, wie sich die Screen-of-Green-Methode auf Ertrag, THC-Gehalt und genetische Merkmale von Cannabis sativa auswirkt (1). Die Ergebnisse zeigten, dass durch das gezielte Training über ein horizontales Netz sowohl die Erntemenge als auch die THC-Konzentration der Blüten deutlich zunahmen, selbst unter den eingeschränkten Bedingungen unerfahrener Grower.
Knight et al. liefern einen interessanten Hinweis, sind aber mit Vorsicht zu interpretieren: Die Studie basiert auf einer einzelnen Hydrokultur-Untersuchung unter Laborbedingungen und lässt sich nicht direkt auf den privaten Eigenanbau übertragen. Als erste Orientierung ist sie dennoch relevant.
Ergänzend dazu zeigt eine Untersuchung, dass gezielte Veränderungen der Pflanzenarchitektur, darunter einmaliges oder zweimaliges Topping, die Unterschiede der Cannabinoidkonzentrationen zwischen Blütenständen verschiedener Pflanzenpositionen verringern können. Dabei wurden vor allem niedrigere Konzentrationen in unteren Blütenständen angehoben. Als mögliche Ursachen für die gleichmäßigere Verteilung von Cannabinoiden diskutierten die Autoren Veränderungen von Lichtverfügbarkeit, Mikroklima und Entwicklungsbedingungen im Kronendach. Die Grundidee ist mit SCROG vereinbar, wurde für SCROG selbst in dieser Studie jedoch nicht direkt geprüft (2).
Allerdings bezieht sich die Quelle auf medizinischen Cannabis unter kontrollierten Anbaubedingungen, weswegen der direkte Rückschluss auf den privaten Eigenanbau eine Extrapolation bleibt. Als mechanistische Erklärung, warum gleichmäßige Struktur die Blütenqualität verbessern kann, ist sie dennoch gut geeignet.
Kurz zusammengefasst:
SCROG kann nicht nur auf die Menge, sondern möglicherweise auch auf die Gleichmäßigkeit deiner Ernte in Bezug auf die Konzentration der Cannabinoide in den Blüten an verschiedenen Positionen der Pflanze wirken.
Fazit
Wenn du wenig Platz, aber hohe Ansprüche an deinen Ertrag hast, ist SCROG eine der lohnendsten Trainingstechniken, die du ausprobieren kannst. Mit einem Netz, etwas Geduld und täglicher Kontrolle lässt sich das Wachstum deiner Pflanze gezielt in die Breite lenken, sodass am Ende deutlich mehr Blütenstände gleichmäßig mit Licht versorgt werden als bei unkontrolliertem Höhenwachstum.
Ob im Growzelt, im Schrank oder in einer kompakten Growbox: SCROG passt sich fast jeder begrenzten Anbaufläche an und lässt sich zusätzlich mit Topping, LST oder Lollipopping kombinieren, um noch mehr aus jeder Pflanze herauszuholen.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine Rechtsberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Konsum von Cannabis dar. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Gewähr übernommen.
Quellen
- Knight, G., Hansen, S., Connor, M., Poulsen, H., McGovern, C., Stacey, J. (2010): The results of an experimental indoor hydroponic Cannabis growing study, using the 'Screen of Green' (ScrOG) method – Yield, tetrahydrocannabinol (THC) and DNA analysis. Forensic Science International, 197(1-3), 1-13. DOI: https://doi.org/10.1016/j.forsciint.2010.04.022
- Danziger, N., Bernstein, N. (2021): Plant architecture manipulation increases cannabinoid standardization in 'drug-type' medical cannabis. Industrial Crops and Products, 167, 113528. DOI: https://doi.org/10.1016/j.indcrop.2021.113528









