
Inhaltsverzeichnis
Wichtigste Erkenntnisse
- Das Endocannabinoid-System (ECS) spielt eine zentrale Rolle im weiblichen Körper: CB1- und CB2-Rezeptoren finden sich in der Gebärmutter, den Eierstöcken und der Gebärmutterschleimhaut. Cannabis kann daher geschlechtsspezifisch wirken.
- Bei Regelschmerzen, Endometriose und Wechseljahresbeschwerden zeigen Studien interessante Ergebnisse – allerdings fehlen bislang große randomisierte kontrollierte Studien, die eindeutige Empfehlungen ermöglichen.
- Zur Schwangerschaft hat sich die Evidenzlage zuletzt verbessert: Eine aktuelle Meta-Analyse (Lo et al., 2025, JAMA Pediatrics) mit über 21 Millionen Schwangerschaften zeigt nun mit moderater Evidenzsicherheit erhöhte Risiken für Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht und fetales Wachstumsdefizit.
- Cannabis wirkt bei Frauen anders als bei Männern: Hormonelle Schwankungen beeinflussen die Empfindlichkeit gegenüber THC und CBD, was bei der Dosierung berücksichtigt werden sollte.
- Neue Forschung (2024/2025) weist darauf hin, dass Cannabis möglicherweise bei weiblicher sexueller Dysfunktion helfen könnte: Eine systematische Übersichtsarbeit von Mulvehill und Tishler dokumentiert statistisch signifikante Verbesserungen der Orgasmusfähigkeit.
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Das Thema Cannabis und Frauengesundheit wurde lange Zeit in der medizinischen Forschung vernachlässigt, rückt aber nun zunehmend in den Fokus. Dabei ist die Verbindung zwischen der Cannabispflanze und dem weiblichen Körper alles andere als neu: Wie der Neurologe und Cannabinoid-Forscher Ethan Russo in seiner wegweisenden Übersichtsarbeit dokumentiert hat, zieht sich die Nutzung von Cannabis in der Frauenheilkunde durch praktisch alle Hochkulturen der Geschichte (1).
In Mesopotamien beschrieben assyrische Keilschrifttafeln bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. eine Mischung aus Cannabis und Bier (azallû) zur Erleichterung schwieriger Geburten und bei Menstruationsbeschwerden. Im alten Ägypten empfahl der Papyrus Ebers (ca. 1550 v. Chr.) Cannabis als Vaginalzäpfchen zur Kühlung der Gebärmutter. In der traditionellen chinesischen Medizin wurden Cannabisblüten bei Menstruationsstörungen und Hanfsamenkerne bei Nachgeburtsproblemen eingesetzt – dokumentiert in Li Shih-Chens Pen Ts’ao Kang Mu von 1596, das auf deutlich älteren Traditionen basiert. Im persischen Raum beschrieb ibn Sahl um 850 n. Chr. eine intranasale Cannabis-Zubereitung zur Linderung von Uterusschmerzen und zur Verhinderung von Fehlgeburten. Und auch Frauen der römischen Elite nutzten Cannabis zur Linderung von Geburtsschmerzen (1).
Heute haben wir Hinweise darauf, warum diese Anwendungen wirksam gewesen sein könnten: Das Endocannabinoid-System (ECS), ein körpereigenes Regulierungssystem, mit dessen Rezeptoren pflanzliche Cannabinoide interagieren, ist im weiblichen Fortpflanzungssystem besonders dicht vertreten (2).
Von Cannabis bei Regelschmerzen über die Unterstützung in den Wechseljahren bis hin zu völlig neuen Forschungsfeldern wie der weiblichen Sexualgesundheit: Dieser Artikel gibt dir einen kompakten Überblick über die wichtigsten Einsatzgebiete, den aktuellen Forschungsstand und die Frage, worauf Frauen besonders achten sollten.
Einsatzmöglichkeiten von Cannabis für die Frauengesundheit

Cannabis enthält über 140 bekannte Cannabinoide, von denen vor allem THC (Delta-9-Tetrahydrocannbinol) und CBD (Cannabidiol) für die Frauengesundheit relevant sind. Sie interagieren mit dem ECS, dessen Rezeptoren sich unter anderem in der Gebärmutter, den Eierstöcken und im Hypothalamus befinden, also genau dort, wo hormonelle Prozesse gesteuert werden (2). Je nach Beschwerdebild ergeben sich unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten.
Regelschmerzen und PMS
Mehr als 70 Prozent aller Frauen leiden unter Menstruationsbeschwerden (3). Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Cannabinoide über das ECS die Gebärmutterkontraktionen modulieren und die Freisetzung entzündungsfördernder Prostaglandine verringern könnten.
In einer Analyse von 16 Studien gaben 25 Prozent der befragten Frauen an, Cannabis regelmäßig gegen gynäkologische Schmerzen zu verwenden. Zwischen 61 und 95 Prozent berichteten über eine subjektive Linderung (4). Eine Studie von Ferretti et al. (2024) deutete darauf hin, dass orales CBD in einer Dosierung von 160–320 mg täglich Schmerzen, Stress und Reizbarkeit reduzieren konnte (5).
Endometriose
Endometriose betrifft etwa 8–15 Prozent der Frauen und geht häufig mit starken chronischen Schmerzen einher. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass bei Endometriose eine Dysregulation des ECS vorliegt – mit erhöhten Endocannabinoid-Spiegeln und verminderter CB1-Rezeptor-Expression (6). Ob und wie Cannabis hier unterstützend wirken könnte, ist Gegenstand laufender Forschung.
Wechseljahre
In der Menopause sinken die Östrogenspiegel und damit verändert sich auch die ECS-Aktivität, was Symptome wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen beeinflussen kann. Ob und wie Cannabinoide in den Wechseljahren unterstützend wirken könnten, wird derzeit erforscht.
Sex und Gesundheit
Eines der spannendsten neuen Forschungsfelder: Cannabis und weibliche Sexualfunktion. Dr. Suzanne Mulvehill und Dr. Jordan Tishler (Harvard Medical School / Association of Cannabinoid Specialists) haben in einer Reihe von Studien untersucht, wie Cannabis bei weiblicher Orgasmusstörung (Female Orgasmic Disorder, FOD) wirken kann – einer Erkrankung, die bis zu 41 Prozent der Frauen weltweit betrifft (7).
Ihre 2024 in Sexual Medicine veröffentlichte Beobachtungsstudie befragte 387 Teilnehmerinnen und lieferte statistisch signifikante Ergebnisse: Frauen mit Orgasmusschwiergkeiten berichteten nach Cannabiskonsum vor partnerschaftlichem Sex über eine höhere Orgasmushäufigkeit (72,8 %), verbesserte Zufriedenheit (67 %) und leichteres Erreichen des Orgasmus (71 %) – jeweils mit p < 0,001 (7). Eine systematische Übersichtsarbeit desselben Teams von 2025 bestätigte diese Tendenz über mehrere Studien hinweg (8).
Wichtige Einordnung: Die 2024er-Studie ist eine Beobachtungsstudie auf Basis von Selbstberichten, keine randomisierte kontrollierte Studie. Die Stichprobe von 387 Frauen ist für eine Pilotstudie beachtlich, lässt aber keine kausalen Schlussfolgerungen zu. Randomisierte kontrollierte Studien, die den Goldstandard der klinischen Evidenz darstellen, stehen in diesem Forschungsfeld noch aus.
Besonders bemerkenswert: Die Forschung zeigt, dass Frauen mit Orgasmusstörungen signifikant häufiger an PTBS (52,6 %), Depressionen (29 %) und Angststörungen (13 %) leiden (7). Cannabis könnte hier potentiell auf mehreren Ebenen gleichzeitig ansetzen.
Schwangerschaft und Stillzeit
Alle medizinischen Fachgesellschaften raten vom Cannabiskonsum in der Schwangerschaft ab und die wissenschaftliche Grundlage dafür hat sich in den letzten Jahren erheblich gefestigt.
Aktualisierte Evidenz: Die bislang umfangreichste und methodisch robusteste Meta-Analyse zu diesem Thema wurde 2025 von Lo et al. in JAMA Pediatrics veröffentlicht. Sie synthetisiert Daten aus 51 Beobachtungsstudien mit insgesamt über 21 Millionen Schwangerschaften (9). Anders als ältere Reviews berücksichtigt diese Analyse konsequent den gleichzeitigen Tabakkonsum als zentralen Störfaktor – und kommt dennoch zu deutlichen Ergebnissen: Cannabis in der Schwangerschaft ist mit erhöhten Odds für Frühgeburt (OR 1,52; 95-%-KI 1,26–1,83), niedriges Geburtsgewicht (OR 1,75; 95-%-KI 1,41–2,18) und ein zu kleines Geburtsgewicht für das Gestationsalter (SGA, OR 1,57; 95-%-KI 1,36–1,81) verbunden.
Mechanistisch ist dies plausibel: THC passiert die Plazentaschranke nachweislich und erreicht damit den fetalen Kreislauf. Das fetale ECS ist bereits früh in der Schwangerschaft aktiv und spielt eine wichtige Rolle in der Gehirn- und Organentwicklung. Tiermodelle zeigen direkte Wachstumseffekte durch THC-Exposition.
Internationale Leitlinien sind ein wichtiges Signal auch für Deutschland:
- In Kanada hat die Society of Obstetricians and Gynaecologists of Canada (SOGC) bereits 2022 eine umfassende zweiteilige klinische Leitlinie zum Thema Cannabis im gesamten Lebensverlauf von Frauen veröffentlicht (Leitlinie Nr. 425a und 425b, Journal of Obstetrics and Gynaecology Canada) (10,11).
- Diese Leitlinie ist weltweit die erste ihrer Art, die Cannabis und Frauengesundheit als eigenständiges gynäkologisches Querschnittsthema behandelt. Sie empfiehlt ausdrücklich vollständige Abstinenz während der Schwangerschaft und der Stillzeit.
- Sie fordert zudem aktives Screening auf Cannabiskonsum, eine entstigmatisierende, traumasensible Kommunikation und evidenzbasierte Patientenaufklärung. Dass eine nationale Fachgesellschaft in einem Land, in dem Cannabis seit 2018 vollständig legalisiert ist, solch klare Empfehlungen ausspricht, ist ein starkes Signal, auch für die Debatte in Deutschland, wo Cannabis seit April 2024 teillegalisiert ist. Es unterstreicht, dass Legalisierung und klare medizinische Risikoaufklärung kein Widerspruch sind.
Beim Stillen ist die Datenlage klar: THC geht nachweislich in die Muttermilch über und ist dort selbst nach 12 Stunden Abstinenz noch messbar. Eine prospektive Studie (Holdsworth et al., 2024) schätzte die tägliche THC-Aufnahme des Säuglings auf durchschnittlich 0,07 mg. Zum Vergleich: ein niedrig dosiertes Edible enthält 2 mg THC (12). Ob diese geringe Menge Auswirkungen auf den Säugling hat, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Sowohl das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) als auch die SOGC empfehlen daher vollständige Abstinenz (10,11,13).

Wirkt Cannabis bei Frauen anders?
Ja Cannabis wirkt bei Frauen anders, und der Unterschied ist größer, als viele vermuten. Hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus beeinflussen die Dichte und Aktivität der Cannabinoid-Rezeptoren. Östrogen erhöht die Empfindlichkeit gegenüber THC, was bedeutet, dass Frauen in bestimmten Zyklusphasen stärker auf Cannabis reagieren können (14).
Studien weisen zudem darauf hin, dass Frauen schneller eine Toleranz für THC entwickeln, gleichzeitig aber empfindlicher auf angstlösende und stimmungsregulierende Wirkungen reagieren (14). Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede sind ein Grund, warum eine individuelle Herangehensweise bei der Cannabistherapie so wichtig ist.
Worauf sollten Frauen bei der Dosierung achten?
Aufgrund der hormonell bedingten höheren THC-Empfindlichkeit gilt für viele Frauen: Weniger ist mehr. Gerade beim Einstieg in die Cannabistherapie empfiehlt sich das Prinzip „Start low, go slow“ – also mit einer niedrigen Dosis beginnen und langsam steigern, bis die gewünschte Wirkung eintritt.
Faktoren, die die optimale Dosis beeinflussen, sind unter anderem:
- Zyklusphase: In der Lutealphase (nach dem Eisprung) kann die Empfindlichkeit gegenüber THC erhöht sein.
- Körpergewicht und Stoffwechsel: Der individuelle Stoffwechsel beeinflusst, wie schnell Cannabinoide abgebaut werden.
- Darreichungsform: Inhalation wirkt schnell, oral eingenommenes Cannabis verzögert, aber länger.
- Begleitmedikation: Wechselwirkungen mit hormonellen Verhütungsmitteln oder Antidepressiva sind möglich.
Welche Risiken und Nebenwirkungen sollten Frauen kennen?
Wie bei jedem pharmakologisch wirksamen Stoff sind auch bei Cannabis Nebenwirkungen möglich. Zu den häufigsten temporären Nebenwirkungen von THC-haltigem Cannabis zählen Schwindel, Müdigkeit, Mundtrockenheit und bei höheren THC-Dosen auch Angst, Unruhe, Panik oder Paranoia. Frauen scheinen aufgrund der hormonell bedingten höheren THC-Empfindlichkeit in bestimmten Zyklusphasen anfälliger für diese Effekte zu sein (14).
- Psychische Risiken: Bei Personen mit einer Veranlagung für psychische Erkrankungen kann regelmäßiger THC-Konsum das Risiko für psychotische Episoden, Angststörungen oder depressive Episoden erhöhen. Akute Effekte wie Angst und Paranoia können jedoch auch bei niedrigen Dosen auftreten. Das Risiko steigt mit Häufigkeit, Potenz des Produkts und dem Alter bei Erstkonsum, besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, deren Gehirnentwicklung noch nicht abgeschlossen ist.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: THC und CBD werden über dieselben Leberenzyme (Cytochrom P450) abgebaut wie viele gängige Medikamente. Wechselwirkungen sind daher möglich – unter anderem mit hormonellen Verhütungsmitteln, Antidepressiva (insbesondere SSRIs), Blutverdünnern und Beruhigungsmitteln. Eine ärztliche Rücksprache vor Beginn einer Cannabistherapie ist daher unerlässlich.
Wie hat sich die Geschichte von Cannabis in der Frauengesundheit entwickelt?
Die in der Einleitung skizzierten Beispiele zeigen nur einen Ausschnitt: Russos Übersichtsarbeit dokumentiert Cannabis-Anwendungen in der Frauenheilkunde in Mesopotamien, Ägypten, China, Persien, Israel/Palästina, Syrien, Indien und weiteren Regionen (1). Das Anwendungsspektrum reichte von Menstruationsstörungen und Krämpfen über Geburtshilfe und postpartale Blutungen bis hin zu Brustschmerzen und Laktationsförderung.
Im indischen Ayurveda galt Cannabis als wichtiges Mittel bei Gebärmutterbeschwerden. Im mittelalterlichen Europa finden sich Cannabis-Anwendungen in der Frauenheilkunde unter anderem im Codex Vindobonensis (13. Jahrhundert), der Cannabis zur Linderung von Brustschwellungen und -schmerzen beschreibt (1).
Im mittelalterlichen Europa verwendeten Hebammen Cannabis als Bestandteil von Kräutermischungen bei schwierigen Geburten. Königin Victoria von England soll im 19. Jahrhundert Cannabis-Tinktur gegen ihre Menstruationsbeschwerden erhalten haben – verschrieben von ihrem Leibarzt Sir J. Russell Reynolds, der Cannabis als „eine der wertvollsten Arzneien“ bezeichnete (1).
Mit der weltweiten Kriminalisierung von Cannabis im 20. Jahrhundert geriet die jahrhundertealte Tradition in Vergessenheit. Erst die Entdeckung des Endocannabinoid-Systems in den 1990er Jahren und die schrittweise Legalisierung medizinischen Cannabis eröffneten neue Forschungsmöglichkeiten. Seit 2017 kann in Deutschland medizinisches Cannabis verschrieben werden – seit April 2024 ist es zudem teillegalisiert.
Die Zukunft von Cannabis in der Frauenmedizin

Die Forschung zu Cannabis und Frauengesundheit steht noch relativ am Anfang, gewinnt aber rasant an Dynamik. Mehrere Entwicklungen zeichnen sich ab:
- Personalisierte Therapien: Künftig könnten Cannabis-Therapien auf Basis des individuellen Hormonprofils und der ECS-Aktivität entwickelt werden.
- Neue Darreichungsformen: CBD-angereicherte Tampons, Vaginalzäpfchen und transdermale Pflaster werden bereits erforscht und zeigen in ersten Studien vielversprechende Ergebnisse bei Regelschmerzen (5).
- Sexuelle Gesundheit als anerkanntes Behandlungsfeld: Das Women’s Cannabis Project von Dr. Mulvehill setzt sich dafür ein, dass weibliche Orgasmusstörungen als Indikation für medizinisches Cannabis anerkannt werden. Bislang wurden in 12 US-Bundesstaaten Anträge gestellt. In Connecticut und Illinois wurde Female Orgasmic Disorder (FOD) im November 2024 offiziell als Indikation anerkannt (15). In weiteren Bundesstaaten laufen Anträge oder Berufungsverfahren.
- Internationale Leitlinienentwicklung: Das Entstehen nationaler klinischer Leitlinien – wie der kanadischen SOGC-Leitlinie 425a/b – zeigt, dass Cannabis und Frauengesundheit zunehmend als eigenständiges medizinisches Fachgebiet anerkannt wird. Es ist zu erwarten, dass ähnliche Leitlinien auch in Europa entstehen werden.
- Enttabuisierung: Der 28. Mai, der Internationale Tag der Frauengesundheit, rückt Themen wie Cannabis und weibliche Gesundheit zunehmend ins öffentliche Bewusstsein und fördert die Entstigmatisierung.
Fazit
Cannabis hat eine jahrtausendealte Tradition in der Frauenheilkunde, von mesopotamischen Keilschrifttafeln über ägyptische Papyri bis ins viktorianische England. Die Forschung zum Zusammenhang zwischen dem Endocannabinoid-System und der Frauengesundheit hat in den letzten Jahren deutlich an Dynamik gewonnen.
Dabei differenziert sich das Bild zunehmend: Bei Menstruationsbeschwerden oder sexueller Dysfunktion zeigt die Forschung vielversprechende, aber noch nicht abschließend belegte Effekte. Bei der Schwangerschaft hingegen hat sich die Evidenzlage zuletzt deutlich verschärft – die neueste Meta-Analyse (Lo et al., 2025) liefert nun mit moderater Sicherheit Belege für erhöhte Risiken. Internationale Leitlinien wie die der kanadischen SOGC sprechen klare Empfehlungen für vollständige Abstinenz in Schwangerschaft und Stillzeit aus – ein wichtiges Signal, das auch für Deutschland Relevanz hat.
Was bereits feststeht: Cannabis wirkt bei Frauen anders als bei Männern, und eine individuelle, ärztlich begleitete Herangehensweise ist entscheidend. Mögliche Risiken und Nebenwirkungen, von psychischen Effekten bis zu Medikamentenwechselwirkungen, sollten dabei ebenso berücksichtigt werden. Für alle Lebensphasen gilt: Sprich mit deinem Arzt, informiere dich über die aktuelle Studienlage und triff eine informierte Entscheidung.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Anwendung von Cannabisprodukten zu therapeutischen Zwecken sollte nur in Absprache mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal erfolgen. Es wird keine Haftung für Schäden oder Nebenwirkungen übernommen, die durch unsachgemäßen Gebrauch entstehen können. Weder werden Heil- oder Wirkversprechen gegeben, noch soll die Nutzung ohne ärztlichen Rat angeregt werden. Nutzer sind verpflichtet, die in ihrer Region geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu beachten und eigenverantwortlich zu handeln.
Quellen
- Russo, E.B. (2002): Cannabis treatments in obstetrics and gynecology: A historical review Journal of Cannabis Therapeutics, 2(3–4), 5–35.
- Sanchez, A.M. et al. (2012): Endocannabinoid signaling in the endometrium Reproductive Biology and Endocrinology, 10, 93.
- Robert Koch-Institut (2020): Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland RKI-Bericht.
- Sinclair, J. et al. (2023): The place of cannabinoids in the management of gynecological pain Drugs, 83(17), 1571–1579.
- Ferretti, M.L. et al. (2024): Effect of oral cannabidiol on menstruation-related symptoms Journal of Women's Health.
- Sanchez, A.M. et al. (2012): Elevated Systemic Levels of Endocannabinoids and Related Mediators Across the Menstrual Cycle in Women With and Without Endometriosis Reproductive Sciences, 19(2), 155–162.
- Mulvehill, S., Tishler, J. (2024): Assessment of the effect of cannabis use before partnered sex on women with and without orgasm difficulty Sexual Medicine, 12(2).
- Mulvehill, S., Tishler, J. (2025): Cannabis for female orgasmic disorder/difficulty: a systematic review Sexual Medicine, 13, qfaf061.
- Torres-Moreno, M.C. et al. (2020): Totality of the Evidence Suggests Prenatal Cannabis Exposure Does Not Lead to Cognitive Impairments Frontiers in Psychology, 11, 816.
- Lo, J.O. et al. (2024): Cannabis Use in Pregnancy and Neonatal Outcomes: A Systematic Review and Meta-Analysis Cannabis and Cannabinoid Research, 9(2), 470–485.
- Holdsworth, E.A. et al. (2024): Human Milk Cannabinoid Concentrations and Associations with Maternal Factors: The Lactation and Cannabis (LAC) Study Breastfeeding Medicine, 19, 515–524.
- ACOG – American College of Obstetricians and Gynecologists (2024): Marijuana Use During Pregnancy and Lactation Committee Opinion No. 722.
- Cooper, Z.D., Craft, R.M. (2018): Sex-Dependent Effects of Cannabis and Cannabinoids Neuropsychopharmacology, 43(1), 34–51.
- Women's Cannabis Project (2025): Research & Policy Overview










