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Ocimen: Das süß-krautige Terpen in Cannabis und was über seine Wirkung bekannt ist

Honigbiene an kleinen weißen Basilikumblüten im Sonnenlicht; im Hintergrund steht eine unscharfe Cannabispflanze.

Wichtigste Erkenntnisse

6 Minuten Lesezeit
  • Ein Duftstoff mit vielen Gesichtern: Ocimen ist ein Monoterpen mit süß-blumigem Duft. In Cannabis ist es meist ein Nebenterpen, in manchen Sorten aber ein deutlicher Mitspieler.
  • Keine einzige Studie am Menschen: Alle Hinweise auf entzündungshemmende, pilz- oder virenhemmende Effekte stammen aus Labor- und Tierversuchen, oft mit ganzen ätherischen Ölen und mit Mengen, die weit über dem liegen, was eine Cannabisblüte enthält.
  • Der Ruf als „anregendes“ Terpen ist unbelegt: Keine Studie stützt ihn. Ein Mäuseversuch fand sogar eher angstähnliches Verhalten.
  • Sortenlisten ohne Messwerte: Wie viel Ocimen eine Blüte enthält, schwankt je nach Genetik, Anbau und Lagerung. Verlässlich ist nur der gemessene Wert der jeweiligen Charge.

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Ocimen (englisch Ocimene, eingedeutscht auch Ozimen) ist ein Monoterpen mit süßem, blumigem Duft, das in Cannabis meist als Nebenterpen vorkommt. Zu seiner Wirkung gibt es bislang nur Labor- und Tierstudien, keine Studien am Menschen. Trotzdem steht es auf vielen Terpenprofilen und Laborberichten, und Ratgeber schreiben ihm eine lange Liste an Fähigkeiten zu: antiviral, pilzhemmend, entzündungshemmend, anregend.

Hier erfährst Du, was hinter diesen Behauptungen steckt und was Ocimen von den übrigen Stoffen im Überblick über Cannabis-Terpene unterscheidet.

Was ist Ocimen?

Ocimen ist ein Monoterpen, also ein Duftstoff aus zwei Isopren-Bausteinen mit der Summenformel C₁₀H₁₆ (1,2). Anders als viele Terpene bildet es keinen Ring: Seine zehn Kohlenstoffatome liegen als offene Kette vor, die Chemie nennt das azyklisch (1,3). Damit hat es dieselbe Summenformel wie das Terpen Myrcen, nur sind die Doppelbindungen anders angeordnet. Solche Moleküle heißen Isomere – wie zwei Wörter aus denselben Buchstaben.

Seinen Namen bekam Ocimen 1901. Der Chemiker P. van Romburgh isolierte den Stoff aus dem Öl einer Basilikumsorte, die im Botanischen Garten von Buitenzorg (heute Bogor) auf Java wuchs, und benannte ihn nach der Basilikum-Gattung Ocimum (2). Er notierte damals bereits eine Eigenschaft, die bis heute wichtig ist: Ocimen „nimmt begierig Sauerstoff auf“ und verharzt (2). Heute wird es unter anderem als Duftstoff in Parfüms eingesetzt (3).

KI-generiertes Bild - Bildkonzept und Redaktion von weed.de


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Ocimen ist eigentlich eine kleine Familie. Es gibt α- und β-Ocimen (4), und β-Ocimen kommt in zwei Formen vor, die sich an der mittleren Doppelbindung unterscheiden: (E) beziehungsweise trans und (Z) beziehungsweise cis (1). In Pflanzen ist (E)-β-Ocimen die häufigere Form (1).

Labore geben mal die einzelnen Formen an, mal nur eine Summe (4). Deshalb findest Du auf Analysezertifikaten unterschiedliche Bezeichnungen:


Angabe auf dem LaborberichtWas gemeint ist
Ocimene / Ocimenoft die Summe aller gemessenen Ocimen-Formen
β-Ocimenβ-Form, ohne Unterscheidung von cis und trans
trans-β-Ocimen, (E)-β-Ocimendie in Pflanzen häufigere Form
cis-β-Ocimen, (Z)-β-Ocimendie zweite Form der β-Variante
α-Ocimeneine weitere, chemisch verwandte Form

Welche Rolle spielt Ocimen in der Cannabispflanze?

Cannabis bildet Ocimen in den Drüsenhaaren der weiblichen Blüte. In den untersuchten Finola-Blüten machte (E)-β-Ocimen rund zehn Prozent der Monoterpene aus und gehörte damit zu den kleineren der sechs Hauptbestandteile (5).

Wozu Pflanzen Ocimen bilden, ist gut untersucht, wenn auch nicht speziell bei Cannabis. Nach Insektenfraß geben viele Pflanzen verstärkt β-Ocimen aus ihren Blättern ab. Der Duft lockt Fressfeinde der Schädlinge an und kann benachbarte Pflanzen in Abwehrbereitschaft versetzen (1).

Wie riecht Ocimen und wo kommt es außer in Cannabis vor?

Aroma und Geschmack

Ocimen riecht süß und blumig (6); in Beschreibungen ist oft auch von einer krautigen Note die Rede. In Cannabis steht es selten im Vordergrund. Eine Untersuchung von 2023 fand nur einen mäßigen Zusammenhang zwischen Ocimen und süßen, „exotischen“ Sortenaromen; die markanten Unterschiede zwischen Sorten gingen eher auf Nicht-Terpene wie Schwefelverbindungen und Ester zurück (6). Ocimen rundet ein Aroma also eher ab, als es zu prägen, und spielt bei dem, was das Cannabis-Aroma verrät, meist eine Nebenrolle.

Für die Praxis wichtig ist die Flüchtigkeit. Monoterpene, zu denen Ocimen gehört, erwiesen sich in einer Lagerstudie als weniger stabil als die schwereren Sesquiterpene; ihr Gehalt sank schon beim Trocknen und Nachreifen (Curing) um 18 bis 26 Prozent (7). Dass Ocimen zudem mit Luftsauerstoff reagiert, hatte bereits sein Entdecker beobachtet (2).

Ocimen in Kräutern, Blüten und Tieren

Ocimen gehört zu den häufigsten Duftstoffen der Pflanzenwelt. (E)-β-Ocimen findet sich im Blütenduft von 71 Prozent von 90 untersuchten Pflanzenfamilien und bei knapp jeder zweiten von 291 untersuchten Pflanzenarten (1). Einige Beispiele:

  • Basilikum: Hier wurde Ocimen zuerst beschrieben (2).
  • Studentenblume (Tagetes minuta): (Z)-β-Ocimen kann je nach Anbau über 40 Prozent ihres ätherischen Öls ausmachen (8).
  • Piment: Auch in diesem Gewürz ist trans-Ocimen nachgewiesen (3).

Ein überraschendes Beispiel stammt aus dem Bienenstock: Junge Honigbienenlarven geben (E)-β-Ocimen ab. Unter seinem Einfluss beginnen Arbeiterinnen früher mit dem Sammeln – die Larven melden so offenbar ihren Nahrungsbedarf (9).

Labortechnikerin an einem Gaschromatographen mit Probenfläschchen auf der Laborbank; ein Kollege arbeitet im unscharfen Hintergrund.


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Welche Wirkung hat Ocimen? Was Studien bisher zeigen

Alle Daten zur Wirkung von Ocimen stammen aus Zell-, Pilz- und Viruskulturen sowie einigen Tierversuchen; Studien am Menschen gibt es bislang keine. Übertragbar sind solche Ergebnisse nicht ohne Weiteres: Tiere verarbeiten Stoffe anders, viele Versuche testen ganze ätherische Öle, und die Konzentrationen sind oft sehr hoch, wie der Kasten zeigt.

Zur Einordnung: Wie viel Ocimen steckt in einer Cannabisblüte? Eine niederländische Analyse fand in einer als Arzneimittel abgegebenen Sorte 2,0 mg cis-Ocimen pro Gramm, in Coffeeshop-Proben einer anderen Sorte 0,7 mg/g (10). Angenommen, eine Portion umfasst 0,5 g Blüte: Beim höheren dieser beiden Werte enthält sie etwa 1 mg Ocimen. Würde dieses eine Milligramm vollständig ins Blut gelangen und sich auf rund fünf Liter verteilen, ergäbe das etwa 0,2 Mikrogramm pro Milliliter. Diese grobe Überschlagsrechnung dient als Maßstab für die folgenden Studien.

Entzündungen

In Zellversuchen hemmte isoliertes β-Ocimen ein Entzündungsenzym, allerdings nur in hohen Konzentrationen. Eine thailändische Studie testete es an menschlichen Immunzellen, die mit Bakterienbestandteilen gereizt wurden. β-Ocimen hemmte das Enzym COX-2 und den Entzündungsbotenstoff Prostaglandin E2 dosisabhängig; die halbmaximale Hemmung von COX-2 lag bei 75,6 Mikrogramm pro Milliliter (11). Das ist fast 400-mal mehr als der Wert aus der Überschlagsrechnung oben. Das ätherische Öl der Fingerwurz (Boesenbergia pandurata), das laut Literatur rund ein Viertel Ocimen enthält, hemmte COX-2 stärker als Ocimen allein (11).

Eine pakistanisch-saudische Arbeitsgruppe berichtete 2025, dass Ocimen bei Ratten Schwellungen in einem Arthritis-Modell verringerte (12). Die eingesetzten Dosen von 50 bis 200 mg pro Kilogramm Körpergewicht (12) liegen pro Kilogramm um mehr als das 3.000-Fache über dem, was die Blütenportion aus der Überschlagsrechnung einem 70 Kilogramm schweren Menschen liefern würde. Zudem bezeichnet die Arbeit Ocimen als „monozyklisch“ – chemisch falsch, was Fragen zur Sorgfalt aufwirft (12). Ob Ocimen beim Menschen Entzündungen beeinflusst, ist offen.

Welche Behandlung bei entzündlichen Erkrankungen infrage kommt, ist eine ärztliche Frage. Terpenwerte sind dafür keine Grundlage – das gilt auch für die Frage, ob bestimmte Cannabissorten bei Entzündungen eine Rolle spielen.

Pilze

Ocimen hemmte in der Kultur den Hefepilz Candida albicans, aber erst in sehr hohen Konzentrationen. In einer indischen Laborstudie lagen die wachstumshemmenden Konzentrationen bei 44 bis 176 Millimol pro Liter, umgerechnet etwa 6 bis 24 Gramm pro Liter (13). Ocimen bremste außerdem die Bildung von Pilzfäden und verstärkte die Wirkung des Pilzmittels Fluconazol – getestet allerdings nur an einem einzigen Stamm (13). Ob diese Konzentrationen für menschliche Zellen verträglich wären, prüften die Autoren nicht (13).

Viren

Die oft zitierte „antivirale Wirkung von Ocimen“ ist nicht belegt. Als Beleg wird meist eine Studie von 2008 angeführt, in der Lorbeeröl das SARS-Coronavirus (den Erreger der ersten SARS-Epidemie) in der Zellkultur hemmte (14). β-Ocimen war einer der Hauptbestandteile dieses Öls, getestet wurde aber das ganze Öl, nicht Ocimen allein (14).


StudieModellGetestet wurdeErgebnisAussagekraft
Homnan 2020 (11)menschliche Immunzellenisoliertes β-Ocimen und Öl der FingerwurzCOX-2 und Prostaglandin E2 gehemmt; Öl bei COX-2 stärkerZellversuch, sehr hohe Konzentrationen
Laraib 2025 (12)RattenOcimen, 50–200 mg/kgweniger SchwellungTierversuch, Dosen weit über Blütenmengen
Thakre 2016 (13)PilzkulturOcimenCandida gehemmt, Fluconazol verstärktLaborkultur, Gramm-pro-Liter-Bereich
Loizzo 2008 (14)Zellkultur mit VirenLorbeerölSARS-CoV gehemmtOcimen selbst nicht getestet
Raz 2026 (16)Froscheizellen mit CB1-RezeptorOcimen plus THCTHC-Wirkung am Rezeptor verstärktZellmodell, Herstellerbeteiligung
Lan 2025 (15)Mäuseeingeatmeter Blütenduft, β-Ocimeneher angstähnliches VerhaltenTierversuch, Einzelbefund

Macht Ocimen high, wach oder müde?

Ocimen ist nicht psychotrop, es verändert das Bewusstsein also nicht so, wie THC es tut. Der Ruf als „anregendes“ oder „stimmungsaufhellendes“ Terpen findet sich in Sortenbeschreibungen und Erfahrungsberichten; eine Studie, die ihn stützt, gibt es nicht.

Ein Verhaltensversuch an Mäusen spricht eher dagegen. Mäuse, die β-Ocimen einatmeten, zeigten mehr angstähnliches Verhalten als Vergleichstiere, besonders die Weibchen; der Duft einer ocimenreichen Winterblüte beeinträchtigte bei Dauergabe ihr Sozialverhalten (15). Das ist ein Einzelbefund an Tieren – aber ein Hinweis darauf, wie wenig der Ruf durch Daten gedeckt ist.

Auch wenn Terpene generell beim Entourage-Effekt von Cannabis eine gewisse Rolle spielen sollten – und dafür gibt es prinzipiell Hinweise –, gibt es für einzelne Terpene in Cannabis keine belastbare Studien, die ihnen in der vorliegenden Konzentration in Cannabis und im Beisein anderer Stoffe bestimmte Effekte wie "wachmachend" oder "entzündungshemmend" klar zuzuordnen könnten.

Für Ocimen gibt es einen frischen Laborbefund: 2026 verstärkte es in Froscheizellen die Aktivierung des CB1-Rezeptors – der Andockstelle, über die THC vor allem im Gehirn wirkt – durch THC stärker, als es die Summe beider Einzelwirkungen erwarten ließ (16). An der Studie waren Mitarbeiter eines Cannabisherstellers beteiligt (16). Ob ein solches Zusammenspiel beim Menschen eine Rolle spielt, ist offen.

Makroansicht gestielter Drüsenhaare einer Cannabisblüte mit durchscheinenden Harzköpfchen vor einem dunklen Hintergrund.


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Welche Cannabissorten enthalten Ocimen?

Welche Sorten viel Ocimen enthalten, lässt sich ohne Messwert der jeweiligen Charge nicht verlässlich sagen. Was Studien tatsächlich gemessen haben:

  • In 33 Proben, die eine Mailänder Arbeitsgruppe analysierte, machte cis-β-Ocimen im Mittel vier bis fünf Prozent des gesamten Terpengehalts aus und gehörte zu den acht Hauptterpenen (17).
  • Die niederländische Analyse fand in einer Arzneimittelsorte 2,0 mg/g, in Coffeeshop-Proben, die als „Amnesia“ verkauft wurden, 0,7 mg/g und in drei weiteren Sorten so wenig, dass es unter der Erfassungsschwelle von 0,5 mg/g blieb. Erstautor war bei einem Hersteller medizinischen Cannabis angestellt (10).

Hinzu kommt: Sortennamen sagen die chemische Zusammensetzung nur schlecht voraus (4,10).

Der Terpengehalt hängt von Genetik, Charge, Anbau, Trocknung und Lagerung ab. Ocimen ist selten das dominierende Terpen. Verlässlich ist nur der gemessene Wert der jeweiligen Charge. Wer Terpenprofile vergleichen möchte, kann in einem Strain-Finder mit Terpenfilter nach Ocimen filtern; eine Aussage über Verfügbarkeit oder Eignung ist damit nicht verbunden.

Wie lässt sich Ocimen im Terpenprofil einordnen?

Terpenwerte findest Du im Analysezertifikat einer Charge oder in den Produktangaben, angegeben in Prozent oder in Milligramm pro Gramm; ein Prozent entspricht zehn Milligramm pro Gramm. Ocimen erscheint dort oft mit kleinen Werten oder als „unter der Nachweisgrenze“, also so wenig, dass das Messverfahren es nicht sicher erfassen kann. Solche Werte stammen aus Labortests bei Cannabis, und jedes Messverfahren hat eine Nachweisgrenze. Zwei Ocimen-Werte sind nur vergleichbar, wenn dieselbe Form gemessen wurde (siehe Tabelle oben). Aussagekräftiger als ein einzelnes Terpen ist meist der Gesamtterpengehalt und das Verhältnis der Hauptterpene.

Ocimen geht beim Verdampfen in den Dampf über; in einer Analyse lag sein Anteil im Dampf einer medizinischen Sorte bei über einem Milligramm pro Gramm (18). Reines Ocimen siedet bei Normaldruck um 175 °C (2,3). Weil es leicht flüchtig ist und mit Sauerstoff reagiert, nimmt sein Anteil bei längerer Lagerung an der Luft ab (2,7).

Wichtig: Terpenwerte allein erlauben keine Aussage über die medizinische Eignung einer Sorte. Ob und welches Cannabisarzneimittel infrage kommt, besprichst Du mit Deinem Arzt.

Ältere Hände halten einen Laborbericht mit Terpentabelle vor einem unscharfen Apothekenregal; im Hintergrund steht eine Fachperson.


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Fazit

Ocimen ist ein weit verbreiteter Pflanzenduft mit süß-blumiger Note, der in Cannabis meist im Hintergrund steht und in manchen Sorten einen merklichen Anteil erreicht. Zur Wirkung beim Menschen gibt es dagegen keine Studien. Die bekanntesten Behauptungen stützen sich auf ätherische Öle oder auf Zell- und Tierversuche mit Mengen weit über dem, was eine Blüte liefert, und der Ruf als „anregendes“ Terpen ist durch keine Untersuchung gedeckt. Wenn Du Terpenprofile vergleichst, verlass Dich auf gemessene Werte der Charge statt auf Sortenlisten, und besprich die Auswahl eines Cannabisarzneimittels mit Deinem Arzt.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Anwendung von Cannabisprodukten zu therapeutischen Zwecken sollte nur in Absprache mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal erfolgen. Es wird keine Haftung für Schäden oder Nebenwirkungen übernommen, die durch unsachgemäßen Gebrauch entstehen können. Weder werden Heil- oder Wirkversprechen gegeben, noch soll die Nutzung ohne ärztlichen Rat angeregt werden. Nutzer sind verpflichtet, die in ihrer Region geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu beachten und eigenverantwortlich zu handeln.

FAQ

Ist Ocimen dasselbe wie Ocimene oder Ozimen?

Ja. Ocimen ist die deutsche Bezeichnung, Ocimene die englische, Ozimen eine eingedeutschte Schreibweise. Gemeint ist immer dieselbe kleine Gruppe von Molekülen: α-Ocimen und die beiden Formen von β-Ocimen, cis und trans. Auf Laborberichten steht „Ocimene“ oft für die Summe aller gemessenen Formen, während andere Labore die Formen einzeln ausweisen.

Was unterscheidet Ocimen von Myrcen?

Beide Terpene haben dieselbe Summenformel, ihre Atome sind aber anders angeordnet, sie sind also Isomere. Im Duft unterscheiden sie sich deutlich: Ocimen riecht süß und blumig, Myrcen wird meist als erdig beschrieben. Myrcen gehört in vielen Sorten zu den Hauptterpenen, Ocimen ist dagegen meist ein Nebenterpen.

Ist Ocimen psychoaktiv?

Ocimen ist nicht psychotrop, es macht also nicht „high“ und verändert das Bewusstsein nicht wie THC. Ob es in den Mengen, die in einer Cannabisblüte stecken, überhaupt auf die Psyche wirkt, wurde beim Menschen nie untersucht.

Ist Ocimen entzündungshemmend?

Das ist beim Menschen nicht belegt. In Zellversuchen hemmte Ocimen ein Entzündungsenzym, und in Tierversuchen verringerte es Schwellungen. Die eingesetzten Mengen lagen aber um ein Vielfaches über dem, was eine Cannabisblüte enthält. Ob sich daraus eine Wirkung beim Menschen ergibt, müssten klinische Studien erst zeigen.

In welchen Lebensmitteln steckt Ocimen?

Ocimen kommt in vielen Pflanzen vor, vor allem in Blütendüften und ätherischen Ölen. Benannt wurde es nach dem Basilikum, aus dessen Öl es zuerst isoliert wurde. Nachgewiesen ist es zum Beispiel auch im Gewürz Piment. Hohe Anteile finden sich etwa in der Studentenblume, deren ätherisches Öl zu einem großen Teil aus Ocimen bestehen kann. Belastbare Mengenangaben für einzelne Lebensmittel sind rar.

Enthält medizinisches Cannabis aus der Apotheke Ocimen?

Manche Sorten ja, in sehr unterschiedlichen Mengen. In einer niederländischen Analyse enthielt eine als Arzneimittel abgegebene Sorte deutlich Ocimen, bei zwei anderen lag es unter der Erfassungsgrenze. Ob und wie viel eine Charge enthält, steht im Analysezertifikat, sofern Terpene dort ausgewiesen sind.

Quellen

  1. Farré-Armengol, Gerard; Filella, Iolanda; Llusià, Joan; Peñuelas, Josep (2017): β-Ocimene, a Key Floral and Foliar Volatile Involved in Multiple Interactions between Plants and Other Organisms. Molecules 22 (7), 1148. DOI: https://doi.org/10.3390/molecules22071148
  2. van Romburgh, P. (1901): On the essential oil from Ocimum Basilicum L. Proceedings of the Royal Netherlands Academy of Arts and Sciences 3, S. 454–455. (Abgerufen am 28.10.2026)
  3. Human Metabolome Database (o. J.): trans-Ocimene (HMDB0030089). https://hmdb.ca/metabolites/HMDB30089 (Abgerufen am 28.10.2026)
  4. Smith, Christiana J.; Vergara, Daniela; Keegan, Brian; Jikomes, Nick (2022): The phytochemical diversity of commercial Cannabis in the United States. PLOS ONE 17 (5), e0267498. DOI: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0267498
  5. Booth, Judith K.; Page, Jonathan E.; Bohlmann, Jörg (2017): Terpene synthases from Cannabis sativa. PLOS ONE 12 (3), e0173911. DOI: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0173911
  6. Oswald, Iain W. H.; Paryani, Twinkle R.; Sosa, Manuel E.; Ojeda, Marcos A.; Altenbernd, Mark R.; Grandy, Jonathan J. et al. (2023): Minor, Nonterpenoid Volatile Compounds Drive the Aroma Differences of Exotic Cannabis. ACS Omega 8 (42), S. 39203–39216. DOI: https://doi.org/10.1021/acsomega.3c04496
  7. Birenboim, Matan; Chalupowicz, Daniel; Kenigsbuch, David; Shimshoni, Jakob A. (2024): Improved Long-Term Preservation of Cannabis Inflorescence by Utilizing Integrated Pre-Harvest Hexanoic Acid Treatment and Optimal Post-Harvest Storage Conditions. Plants 13 (7), 992. DOI: https://doi.org/10.3390/plants13070992
  8. Walia, Swati; Kumar, Rakesh (2021): Nitrogen and Sulfur Fertilization Modulates the Yield, Essential Oil and Quality Traits of Wild Marigold (Tagetes minuta L.) in the Western Himalaya. Frontiers in Plant Science 11, 631154. DOI: https://doi.org/10.3389/fpls.2020.631154
  9. Maisonnasse, Alban; Lenoir, Jean-Christophe; Beslay, Dominique; Crauser, Didier; Le Conte, Yves (2010): E-β-ocimene, a volatile brood pheromone involved in social regulation in the honey bee colony (Apis mellifera). PLOS ONE 5 (10), e13531. DOI: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0013531
  10. Hazekamp, Arno; Fischedick, Justin T. (2012): Cannabis – from cultivar to chemovar. Drug Testing and Analysis 4 (7–8), S. 660–667. DOI: https://doi.org/10.1002/dta.407
  11. Homnan, Nancharee; Thongpraditchote, Suchitra; Chomnawang, Mullika; Thirapanmethee, Krit (2020): In vitro anti-inflammatory effects of Thai herb essential oils. Pharmaceutical Sciences Asia 47 (2), S. 153–163.
  12. Laraib, Iqra; Qasim, Sumera; Uttra, Ambreen Malik; Ahmed, Shaimaa R. (2025): Ocimene mitigates pyroptosis through TLR4/NLRP3-mediated mechanisms in CFA-induced inflammation. Inflammopharmacology 33 (5), S. 2779–2792. DOI: https://doi.org/10.1007/s10787-025-01756-4
  13. Thakre, A. D.; Mulange, S. V.; Kodgire, S. S.; Zore, G. B.; Karuppayil, S. M. (2016): Effects of Cinnamaldehyde, Ocimene, Camphene, Curcumin and Farnesene on Candida albicans. Advances in Microbiology 6, S. 627–643. DOI: https://doi.org/10.4236/aim.2016.69062
  14. Loizzo, Monica R.; Saab, Antoine M.; Tundis, Rosa; Statti, Giancarlo A.; Menichini, Francesco; Lampronti, Ilaria; Gambari, Roberto; Cinatl, Jindrich; Doerr, Hans Wilhelm (2008): Phytochemical analysis and in vitro antiviral activities of the essential oils of seven Lebanon species. Chemistry & Biodiversity 5 (3), S. 461–470. DOI: https://doi.org/10.1002/cbdv.200890045
  15. Lan, Xing-Yue; Qiayimazi, Nuerdana; Yao, Lei; Zhang, Nan (2025): Different effects of two types of Chimonanthus praecox scents on anxiety: β-Ocimene might be the key component causing the differences. Life Sciences 384, 124095. DOI: https://doi.org/10.1016/j.lfs.2025.124095
  16. Raz, Noa; Eyal, Aharon M.; Fahoum-Khalefa, Nardine; Tauber, Merav; Schurr, Naama; Ben-Chaim, Yair (2026): Synergistic and additive terpene-THC interactions in cannabinoid CB1 and CB2 receptors. Biochemical Pharmacology 251 (Pt 2), 118185. DOI: https://doi.org/10.1016/j.bcp.2026.118185
  17. Dei Cas, Michele; Arnoldi, Sebastiano; Monguzzi, Laura; Casagni, Eleonora; Morano, Camillo; Vieira de Manincor, Edgardo; Bolchi, Cristiano; Pallavicini, Marco et al. (2021): Characterization of chemotype-dependent terpenoids profile in cannabis by headspace gas-chromatography coupled to time-of-flight mass spectrometry. Journal of Pharmaceutical and Biomedical Analysis 203, 114180. DOI: https://doi.org/10.1016/j.jpba.2021.114180
  18. Fischedick, Justin; Van Der Kooy, Frank; Verpoorte, Robert (2010): Cannabinoid receptor 1 binding activity and quantitative analysis of Cannabis sativa L. smoke and vapor. Chemical & Pharmaceutical Bulletin 58 (2), S. 201–207. DOI: https://doi.org/10.1248/cpb.58.201

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Dr. Sebastián Marincolo ist ein international bekannter Publizist, Sachbuch-Autor, Bewusstseinsforscher und strategischer Berater für Kommunikation. Er studierte bei einigen der einflussreichsten Philosophen unserer Zeit und erforscht seit über 25 Jahren das Cannabis High als veränderten Bewusstseinszustand. Er ist Autor von fünf Sachbüchern und zahlreicher Essays über das bewusstseinsverändernde Potenzial von Cannabis und arbeitete für längere Zeit mit Harvard Assoc. Prof. für Psychiatrie Dr. Lester Grinspoon, einem der bekanntesten Cannabis-Experten der Welt, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband. Er ist Mitglied im europäischen wissenschaftlichen Beirat für das "Woman's Cannabis Project" von Dr. Suzanne Mulvehill und für CINTA – Cannabis Initiative für Transdisziplinäre Analysen von Prof. Dr. habil. Gundula Barsch.