
Inhaltsverzeichnis
Wichtigste Erkenntnisse
- Die Hauptwirkstoffe von Cannabis (Cannabinoide) sind fettlöslich. Milch, insbesondere mit hohem Fettgehalt, dient daher als klassischer Träger, um die Wirkstoffe für den Körper verfügbar zu machen.
- Die theoretische Wirksamkeit der Extraktion in Milch ist direkt vom Fettgehalt abhängig. Fettarme Milch ist als Träger ungeeignet.
- Die Wirkung tritt stark verzögert nach 30-120 Min. ein und ist oft unvorhersehbar intensiv. Dies birgt ein erhebliches Risiko der Überdosierung, insbesondere bei privater Herstellung.
- Bei privater Herstellung ist letztendlich die Wirkstoffkonzentration in der Milch unbekannt und oft ungleichmäßig verteilt, was eine sichere Dosierung erschwert.
- Die Herstellung von Cannabis-Milch für den Eigenkonsum ist rechtlich nicht eindeutig geklärt und kann nach § 34 KCanG strafbar sein. Von der Herstellung wird daher unmissverständlich abgeraten.
Die Verwendung von Milch für Cannabis als Edible hat eine lange kulturelle und geschichtliche Tradition. Das bekannteste Beispiel hierfür ist das traditionelle Getränk "Bhang Lassi" aus Indien (1). Hier wird in der Herstellung eine Cannabis-Paste mit Milch zu einem Getränk verarbeitet.
Milch eignet sich durchaus als Trägermedium, um Edibles herzustellen, da die Wirkstoffe der Cannabispflanze fettlöslich sind. Es ist auch möglich pflanzliche Milchalternativen wie Kokosmilch oder Haferdrink zu benutzen, jedoch sollte man hier auf den Fettgehalt des Milchersatzes achten. Denn der Fettgehalt gibt Aufschluss darüber, wie viel Wirkstoffe, wie THC und CBD, in die Milch übergehen können.
Im Sinne der Schadensminimierung stellt dieser Artikel wissenschaftlich fundierte Informationen bereit. Er dient ausschließlich der Aufklärung über die chemischen Prozesse bei der Verwendung von Milch als Trägerstoff. Zuletzt soll er auch über die gesundheitlichen und rechtlichen Risiken aufklären.
Wichtiger Hinweis
Die Herstellung von Cannabis-Edibles für den Eigenkonsum ist zum Beispiel in Kanada erlaubt, bewegt sich in Deutschland aber in einer rechtlichen Grauzone.
- Viele Fachanwälte für Strafrecht vertreten die Auffassung, dass auch die Herstellung für den Eigenkonsum nach § 34 KCanG strafbar ist. Wir raten ausdrücklich von der Herstellung von Cannabis-Edibles in Deutschland ab.
- Im Sinne der Schadensminimierung (Harm Reduction) stellen wir aber präzise Informationen zur Verfügung, nicht als Aufforderung, sondern als Sicherheitsinformation für Personen, die sich bereits entschieden haben. Leider stellen viele Menschen Edibles ohne ausreichende Kenntnisse her, was oft zu ungleichmäßiger Verteilung des Wirkstoffs und zu Überdosierungen führt.
- Grundsätzlich sollte man unbedingt beachten, dass das Produkt oder Inhaltsstoffe des Produktes mit Cannabinoiden niemals in die Hände von Kindern oder Jugendlichen gelangen. Die akute Wirkung von Cannabis kann für diese situationsbedingt besonders gefährlich sein. Handle stets verantwortungsbewusst.
- Die Weitergabe von Cannabis-haltigen Lebensmitteln an Dritte, gewerblich oder auch privat, ist nach wie vor eindeutig verboten.
Die Notwendigkeit der Decarboxylierung
In der Cannabispflanze liegen Wirkstoffe wie THC primär als inaktive Carbonsäuren (THCA) vor. Für eine psychoaktive Wirkung ist eine chemische Umwandlung notwendig, die als Decarboxylierung bezeichnet wird. Durch Hitzeeinwirkung wird ein Kohlenstoffdioxid-Molekül abgespalten, wodurch THCA in das psychoaktive THC umgewandelt wird (2). Findet dieser Prozess unvollständig oder bei falscher Temperatur statt, resultiert eine stark verminderte oder unvorhersehbare Potenz.

Welche Milch eignet sich am besten für Cannabis Milch?
Cannabinoide sind lipophile (fettliebende) Moleküle, welche sich wie oben bereits erwähnt kaum in Wasser lösen (3). Milch ist grundsätzlich eine Emulsion aus Fetttröpfchen in einer wässrigen Lösung. Diese Fetttröpfchen (Mizellen) dienen als Lösungsmittel, um die Cannabinoide, wie THC und CBD aus dem Pflanzenmaterial zu extrahieren und für den Körper bioverfügbar zu machen. Die Effizienz dieses Extraktionsprozesses ist abhängig zum Fettgehalt der verwendeten Milch (4).
Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über Effizienz von Milch und Milchalternativen bei der Verarbeitung von Cannabis:
| Milchprodukt (Beispiele) | Typischer Fettgehalt | Theoretische Extraktionseffizienz | Wissenschaftliche Anmerkung |
| Vollmilch | 3,5 - 4,0 % | Hoch | Die Fettkügelchen in der Milch können als Träger für die lipophilen Cannabinoide dienen. |
| Fettarme Milch | 1,5 - 1,8 % | Mäßig | Eine geringere Konzentration an Fettmolekülen limitiert die Aufnahmekapazität des Lösungsmittels. |
| Magermilch | < 0,5 % | Sehr gering | Das Fehlen von ausreichend Fett erschwert eine effektive Extraktion. |
| Kokosmilch (Vollfett) | 15 - 22 % | Sehr hoch | Der hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren stellt eine hohe Konzentration an Lösungsmittelmolekülen bereit. |
| Sojamilch | ca. 2 - 3 % | Gut | Eine gute pflanzliche Alternativen mit moderatem Fettgehalt. |
| Hafermilch | ca. 0,5 - 3% | Moderat bis gut | Eine gute pflanzliche Alternativen mit moderatem Fettgehalt. |
Welche Zutaten braucht man für Cannabis Milch?

Die Zutatenliste für Cannabis Milch ist kurz, aber die richtige Auswahl macht den Unterschied:
- 500 pflanzliche Milch oder Vollmilch mit hohem Fettgehalt
- 1 EL Butter oder Sahne, könnte helfen, mehr Cannabinoide zu lösen
- Decarboxyliertes Cannabis oder Hasch
- Für einen besonderen Geschmack: 3 EL Kakaopulver oder geschmolzene Schokolade, 1 TL Honig oder Zucker, 1 Prise Zimt oder Vanille
- Außerdem sind folgende Utensilien hilfreich: Lebensmittel Thermometer, feines Sieb oder Käsetuch, Kochtopf und Schüssel für ein Wasserbad
Wie bereitest du Cannabis Milch zu?
Damit die Cannabinoide aus dem Cannabis gelöst werden, ist die richtige Zubereitungstemperatur entscheidend. Da viele Wirkstoffe und Terpene bei über 100 Grad verloren gehen können (5), sollte die Temperatur während der Zubereitung unbedingt kontrolliert werden. Außerdem kann Milch auch schnell anbrennen, weswegen man am besten auf ein Wasserbad zurückgreift, um die Gefahr zu minimieren.
- Milch erhitzen: Milch zusammen mit Butter oder Sahne in einen Topf oder in ein Wasserbad geben und langsam erwärmen. Die Temperatur sollte nicht über 80°C steigen, ein Lebensmittelthermometer hilft dabei.
- Cannabis hinzufügen: Das gemahlene Cannabis oder Hasch langsam in die Milch einrühren. Dabei stetig rühren, damit sich die Wirkstoffe optimal verteilen.
- Sanft köcheln lassen: Die Mischung für 30–45 Minuten leicht simmern lassen, dabei immer wieder umrühren.
- Abseihen und verfeinern: Durch ein Käsetuch oder feines Sieb filtern, um Pflanzenreste zu entfernen. Kakaopulver, Schokolade, Honig oder Gewürze hinzufügen und gut vermischen.
Kann man einen Grinder in Milch kochen?

Ein im Internet oft beschriebener Trick zur Resteverwertung ist das Auskochen eines Grinders in Milch. Dabei sollen sich die Harzreste lösen und in die Milch übergehen. Wir raten von dieser Methode aus gesundheitlichen und hygienischen Gründen dringend ab.
- Erstens können Plastik-Grinder bei Hitze gesundheitsschädliche Chemikalien und Mikroplastik freisetzen (6).
- Zweitens können Grinder generell ein Nährboden für Bakterien und Schimmel sein.
- Beim Kochen werden zwar einige Keimarten abgetötet, hitzeresistente Bakteriensporen und Schimmelgifte (Mykotoxine) können jedoch überleben, in die Milch gelangen und beim Konsum gesundheitliche Probleme wie Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
Eine deutlich bessere Methode zur Reinigung ist die Verwendung von Isopropylalkohol oder Ethanol. Der Alkohol desinfiziert den Grinder zuverlässig und löst gleichzeitig die Harzreste.
Hinweise zur Dosierung

Die richtige Dosierung bei der Zubereitung von Cannabis Milch ist entscheidend für die Risikominimierung der psychoaktiven Wirkung. Die Wirkung von Edibles tritt verzögert ein, was das Risiko einer Überdosierung erhöht. Aus Gründen der Schadensminderung ist es unerlässlich, die Prinzipien einer sicheren Dosierung zu verstehen:
- Verzögerter Wirkeintritt: Die Wirkung tritt erst nach 30 bis 120 Minuten ein. Ungeduldiges Nachdosieren ist sehr gefährlich und führt oft zu starken Überdosierungen.
- "Start low, go slow": Internationale Leitfäden zur sicheren Anwendung von Cannabis Edibles empfehlen für unerfahrene Personen eine theoretische Anfangsdosis von maximal 2,5 bis 5 mg THC. Es ist essenziell, nach einer solchen eingenommenen Dosis mindestens zwei Stunden (besser drei) zu warten, um die volle Wirkung abzuschätzen, bevor eine weitere Einnahme überhaupt in Erwägung gezogen wird.
- Unbekannte Stärke: Bei selbst hergestellten Produkten ist die genaue Konzentration unbekannt. Daher sollte die erste Dosis immer weit unter der geschätzten Zieldosis liegen, um die Potenz des Produkts sicher zu testen.
- Risiken einer Überdosierung: Eine zu hohe Dosis kann schwere Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit, Verwirrung, Bewusstseinsveränderung, intensive Angst und Panikattacken und damit Gefahren in vielen Alltagssituationen wie im Straßenverkehr mit sich bringen.
Fazit
Cannabis Milch steht in einer langen kulturellen Tradition, die bis zum indischen Bhang Lassi zurückreicht. Die Verwendung von Milch als Trägermedium für Cannabinoide basiert auf der Fettlöslichkeit von THC und CBD, wobei der Fettgehalt der Milch entscheidend für die theoretische Wirkstoffaufnahme ist.
Trotz der scheinbar einfachen Zubereitung birgt die private Herstellung erhebliche Risiken. Die verzögerte Wirkung von 30 bis 120 Minuten, die unbekannte Wirkstoffkonzentration und die oft ungleichmäßige Verteilung in der Milch erschweren eine sichere Dosierung.
Cannabis Milch lässt sich individuell in der Küche einsetzen, egal ob für eine grüne Schokolade oder in einem Kakao. Die rechtliche Situation in Deutschland ist allerdings selbst für den Eigengebrauch nicht eindeutig geklärt und kann nach Paragraph 34 KCanG strafbar sein. Die Weitergabe an Dritte und gewerbliche Herstellung sind nicht erlaubt.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine Rechtsberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Konsum von Cannabis dar. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Gewähr übernommen.
Quellen
- Govindasamy, J., Moss, S., Parise, R., Nadar, R. M., Pathak, S., Ramesh, S., Govidarajulu, M., Moore, T., Agrawal, D. C., & Dhanasekaran, M. (2022). Traditional, cultural, and nutraceutical aspects of cannabis in India. In Cannabis/Marijuana for Healthcare (pp. 301-319). Springer.
- Moreno, T., Dyer, P., & Tallon, S. (2020 ). Cannabinoid decarboxylation: A comparative kinetic study. Industrial & Engineering Chemistry Research, 59(46), 20307-20315.
- Chayasirisobhon, S. (2020 ). Mechanisms of action and pharmacokinetics of cannabis. The Permanente Journal, 25, 1-3.
- Alhadid, A., Mokrushina, L., Minceva, M. (2023 ). Experimental investigation and thermodynamic modeling of cannabidiol solubility in plant oils and hydrophobic eutectic systems. Journal of Molecular Liquids, 370, 121008.
- Repka, M. A., Munjal, M., ElSohly, M. A., & Ross, S. A. (2006 ). Temperature stability and bioadhesive properties of Δ9-tetrahydrocannabinol incorporated hydroxypropylcellulose polymer matrix systems. Drug Development and Industrial Pharmacy, 32(1), 21-32.
- Hussain, K. A., Zeeshan, M., Hussain, S. A., Haq, I. U., Khan, M. I., Afridi, M. I., & Ullah, H. (2023 ). Assessing the release of microplastics and nanoplastics from plastic containers and reusable food pouches: Implications for human health. Environmental Science & Technology, 57(25), 9782-9792.










