
Inhaltsverzeichnis
Wichtigste Erkenntnisse
- Öl-Extraktion ist die sicherste Methode für zu Hause: Im Gegensatz zu Lösungsmittel-Extraktionen mit Alkohol oder Butan birgt die Extraktion in Speiseöl keine Brand- oder Explosionsgefahr.
- Die Decarboxylierung ist unverzichtbar: Ohne vorherige Aktivierung der Cannabinoide durch Hitze bleibt das Öl wirkungslos, da THCA nicht psychoaktiv ist.
- Verschiedene Trägeröle haben unterschiedliche Eigenschaften: Kokosöl und MCT-Öl (das aus Kokosöl gewonnen wird) werden schneller absorbiert, Olivenöl ist geschmacklich dominant und lange haltbar.
- Die Dosierung ist bei selbst hergestelltem Öl schwer kalkulierbar: Ohne Laboranalyse ist der genaue Wirkstoffgehalt unbekannt. Daher gilt: mit sehr kleinen Mengen beginnen und Geduld haben.
- Viele Rechtsexperten halten die Herstellung von Edibles für verboten: Nach dem KCanG ist die Verarbeitung von legal angebautem oder erworbenem Cannabis selbst für den Eigenkonsum möglicherweise verboten, wobei die Weitergabe sicher verboten ist.
Die Extraktion von Cannabis in Pflanzenölen wie Olivenöl ist eine bewährte Methode, um Cannabinoide wie THC oder CBD zu extrahieren. Hier können die Cannabinoide sowohl für den topischen Gebrauch auf der Haut, als auch für den oralen Konsum verfügbar gemacht werden.
Bei der Herstellung werden die Wirkstoffe aus dem Cannabis-Pflanzenmaterial in ein Trägeröl wie Olivenöl oder MCT-Öl übertragen. Im Vergleich zu anderen Extraktionsverfahren, etwa mit Alkohol oder Butangas, gilt die Pflanzenöl-Extraktion als sicherer für den Hausgebrauch. Denn hier kommen keinen brennbaren Lösungsmittel zum Einsatz und man braucht auch keine teuren Apparaturen wie beispielsweise bei der CO-2 Extraktion, die für die industrielle Herstellung des Cannabisöls eingesetzt wird.
Jedoch gibt es auch bei der Herstellung von Öl einige wichtige Punkte zu berücksichtigen. Denn zum einen bleibt das Öl ohne korrekte Decarboxylierung wirkungslos und zum anderen gibt es keine genauen Informationen über die genaue Konzentration der Wirkstoffe ohne eine Laboranaylse. Dadurch wird die Dosierung zu einem Geduldsspiel und ist nicht genau.
Dieser Artikel erklärt, welche Öle sich für die Extraktion eignen würden, wie der Prozess abläuft und worauf du achten solltest, um Risiken zu minimieren. Wir raten nicht zur Eigenherstellung, stellen aber im Sinne der Schadensminimierung (Harm Reduction) präzise Informationen bereit. Denn wer sich bereits für die Zubereitung entschieden hat, sollte zumindest wissen, wie es sicher geht.
Wichtiger Hinweis
Die Herstellung von Cannabis-Edibles für den Eigenkonsum ist zum Beispiel in Kanada erlaubt, bewegt sich in Deutschland aber in einer rechtlichen Grauzone.
- Viele Fachanwälte für Strafrecht vertreten die Auffassung, dass auch die Herstellung für den Eigenkonsum nach § 34 KCanG strafbar ist. Wir raten ausdrücklich von der Herstellung von Cannabis-Edibles in Deutschland ab.
- Im Sinne der Schadensminimierung (Harm Reduction) stellen wir aber präzise Informationen zur Verfügung, nicht als Aufforderung, sondern als Sicherheitsinformation für Personen, die sich bereits entschieden haben. Leider stellen viele Menschen Edibles ohne ausreichende Kenntnisse her, was oft zu ungleichmäßiger Verteilung des Wirkstoffs und zu Überdosierungen führt.
- Grundsätzlich sollte man unbedingt beachten, dass das Produkt oder Inhaltsstoffe des Produktes mit Cannabinoiden niemals in die Hände von Kindern oder Jugendlichen gelangen. Die akute Wirkung von Cannabis kann für diese situationsbedingt besonders gefährlich sein. Handle stets verantwortungsbewusst.
- Die Weitergabe von Cannabis-haltigen Lebensmitteln an Dritte, gewerblich oder auch privat, ist nach wie vor eindeutig verboten.
Was ist Cannabis-Extraktion in Öl und wie unterscheidet sie sich von anderen Verfahren?
Bevor wir uns die Möglichkeiten der Zubereitung anschauen, ist es wichtig den Unterschied zwischen einzelner Extraktionsverfahren zu verstehen. Die Cannabis-Extraktion in Öl ist ein Verfahren, bei dem die fettlöslichen Cannabinoide (wie THC und CBD) aus dem Pflanzenmaterial in ein Trägeröl übertragen werden. Das Prinzip dahinter ist simpel: Cannabinoide sind lipophil, lösen sich also gut in Fett, aber kaum in Wasser. Durch sanftes Erhitzen in Öl können die Wirkstoffe aus den Pflanzenteilen herausgelöst und im Öl gebunden werden.
Der klare Vorteil der Öl-Extraktion ist, dass keine gefährliches Lösungsmittel geraucht wird und man es mit Küchengeräten machen kann. Wogegen der Nachteil hierbei ist, dass das Endprodukt im Vergleich weniger konzentriert ist. Zudem lassen sich die Cannabinoide nicht vom Trägeröl trennen und es bleibt immer eine Mischung aus beidem.

Welche Öle eignen sich für die Cannabis-Extraktion?
Die Wahl des Trägeröls beeinflusst Geschmack, Haltbarkeit und Absorptionsgeschwindigkeit des fertigen Produkts, wobei jedes Öl hat besondere Vor- und Nachteile mit sich bringt:
Olivenöl
Olivenöl ist einer der kulinarischen Klassiker für die Cannabis-Extraktion. Denn es ist in jedem Supermarkt erhältlich, lange haltbar und enthält gesunde einfach ungesättigte Fettsäuren.
- Allerdings hat Olivenöl einen starken Eigengeschmack, der nicht jedem zusagt.
- Es findet eine vielfältige Verwendung in der Küche von Salatdressings bis hin zum Verfeinern von Speisen.
- Eine Studie von Cannabisforschern um Arno Hazekamp zeigte, dass Olivenöl bei der Extraktion vergleichbare Ergebnisse wie andere Methoden liefert (1). Als langkettiges Triglycerid (LCT) wird Olivenöl langsamer verdaut als MCT-Öl.
Kokosöl
Kokosöl hat einen sehr hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, welcher bei ca. 82 % liegt. Dieser Anteil macht es zu einem effektiven Extraktionsmedium.
- Es enthält von Natur aus einen hohen Anteil an mittelkettigen Triglyceriden (MCTs), insbesondere Laurinsäure.
- Bei Raumtemperatur unter 25 °C wird Kokosöl fest, was die Portionierung erleichtert.
- Der leichte Kokosgeschmack passt gut zu süßen Anwendungen aber auch in herzhafte Gerichte.
- Für die topische Anwendung auf der Haut ist Kokosöl ebenfalls beliebt, da es pflegende Eigenschaften hat.
MCT-Öl: Was ist der Unterschied zu Kokosöl?
MCT-Öl (Medium-Chain Triglycerides) wird aus Kokosöl oder Palmkernöl gewonnen, enthält aber nur die mittelkettigen Fettsäuren, welche hauptsächlich Caprylsäure (C8) und Caprinsäure (C10) sind. Der wichtigste Unterschied zu normalem Kokosöl besteht in folgenden Aspekten:
- MCT-Öl bleibt auch beim Raumtemperatur flüssig, da die längere Laurinsäure (C12) entfernt wurde.
- Schnellere Absorption der mittelkettige Fettsäuren, da sie ohne Gallensäuren direkt im Darm aufgenommen werden und schneller in den Blutkreislauf gelangen (2). Studien zeigen, dass MCTs die Bioverfügbarkeit von lipophilen Substanzen wie Cannabinoiden verbessern können (3).
- MCT-Öl ist geschmacksneutral und hat praktisch keinen Eigengeschmack, was es für die sublinguale Einnahme attraktiv macht.
Hanfsamenöl
Hanfsamenöl wird aus den Samen der Hanfpflanze gewonnen. Die Samen selbst produzieren keine Cannabinoide, da diese nur in den Blüten und Blättern der Pflanze entstehen. Spuren von Cannabinoiden können jedoch durch Kontakt bei der Ernte ins Öl gelangen. Hanfsamenöl bietet ein günstiges Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren und einen nussigen Geschmack.
Sonnenblumenöl
Sonnenblumenöl ist günstig und geschmacklich neutral. Es eignet sich vor allem für die Verwendung beim Kochen. Wir haben für die Zubereitung von Sonnblumenöl ein Video in Kooperation mit Max Buechse gedreht:
Vergleichstabelle der Trägeröle
| Öl | Geschmack | Haltbarkeit | Absorption | Konsistenz | Preis |
| Olivenöl | Kräftig, herb | 12–24 Monate | Normal (LCT) | Flüssig | Mittel |
| Kokosöl | Leicht süßlich | 18–24 Monate | Mittel-schnell | Fest (< 25 °C) | Mittel |
| MCT-Öl | Neutral | 12–24 Monate | Schnell | Flüssig | Hoch |
| Hanfsamenöl | Nussig | 6–12 Monate | Normal | Flüssig | Mittel |
| Sonnenblumenöl | Neutral | 12 Monate | Normal | Flüssig | Niedrig |
Beeinflusst das Trägeröl die Bioverfügbarkeit von THC?
Ja, das Trägeröl kann die Aufnahme von Cannabinoiden beeinflussen. Eine Studie dazu zeigte, dass CBD in Verbindung mit langkettigen Triglyceriden (LCT, wie in Olivenöl) eine höhere In-vivo-Bioverfügbarkeit aufwies als mit reinem MCT-Öl, obwohl MCT schneller absorbiert wird (4). Die schnellere Absorption von MCT-Öl bedeutet jedoch auch, dass die Wirkstoffe schneller im System ankommen können.
In der Praxis bedeutet das, dass MCT-Öl zwar schneller wirken kann, aber möglicherweise kürzere anhält, wobei Olivenöl/Kokosöl (LCT) langsamer wirken könnte, aber dafür vollständigere absorbiert werden kann.
Cannabisöl selbst machen: Eine Schritt für Schritt Anleitung
Der Prozess der Öl-Extraktion besteht aus drei Hauptschritten: Decarboxylierung, Extraktion und Filterung. Jeder Schritt ist wichtig für das Endergebnis.
Schritt 1: Decarboxylierung
Rohes Cannabis enthält THCA und CBDA, die sauren Vorstufen der aktiven Cannabinoide. Diese müssen durch Hitze in THC und CBD umgewandelt werden. Ohne diesen Schritt hat das Öl kaum psychoaktive Wirkung (5).

Schritt 2: Extraktion im Öl
Zutaten:
- Decarboxyliertes Cannabis
- 200 ml Trägeröl nach Wahl
Materialien:
- Topf oder Wasserbad
- Thermometer (wichtig!) - Rührlöffel
Durchführung:
- Öl in einem Topf auf 80–95 °C erhitzen (nicht über 100 °C!)
- Decarboxyliertes Cannabis hinzugeben
- Unter gelegentlichem Rühren 2–3 Stunden bei konstanter Temperatur köcheln lassen
- Alternativ: 4–6 Stunden bei 70–80 °C für eine schonendere Extraktion
Die Temperaturkontrolle ist entscheidend, da bei über 150 °C Cannabinoide verdampfen und zerstört werden. Zudem fangen bestimmte Öl bei ca. 130 °C an zu rauchen und können sich bei heißeren Temperaturen entzünden. Deswegen bietet ein Wasserbad zusätzliche Sicherheit, da die Temperatur nicht über 100 °C steigen kann.

Schritt 3: Filterung und Lagerung
- Die Mischung durch ein feines Sieb oder Mulltuch abseihen. Vorsicht: Das Öl ist noch heiß!
- Das Pflanzenmaterial gut ausdrücken, wenn man möglichst viel Öl gewinnen möchte. Allerdings kommt dadurch auch mehr Chlorophyll ins Öl, weswegen man auch darauf verzichten könnte.
- In ein sauberes, dunkles Glasgefäß füllen und mit Datum und Inhalt beschriften
Wie lagert man selbst hergestelltes Cannabis-Öl richtig?
Die korrekte Lagerung ist entscheidend für Haltbarkeit und Wirkstoffgehalt, da Cannabinoide empfindlich gegenüber Licht, Wärme und Sauerstoff sind. Zudem sollten die Öle immer mit Datum, Inhalt und Hinweis auf THC und Wirkstoffe beschriftet werden.
Es Empfiehlt sich Cannabis Öle dunkel in lichtundurchlässigen Glasflaschen luft dicht verschlossen zu lagern. Im Kühlschrank halten sie sich für 6–12 Monate und bei Raumtemperatur ca. 2–3 Monate, wobei Olivenölohne Qualitätsverlust gekühlt fest werden kann. Kokosöl wird unter 25 °C ohnehin fest. Vor Gebrauch sollte die gebrauchte Menge der Öle einfach kurz auf Raumtemperatur gebracht werden, wenn nötig.
Hinweise zur Dosierung
Die richtige Dosierung bei der Zubereitung ist entscheidend für die Risikominimierung der psychoaktiven Wirkung. Die Wirkung von Edibles tritt verzögert ein, was das Risiko einer Überdosierung erhöht. Aus Gründen der Schadensminderung ist es unerlässlich, die Prinzipien einer sicheren Dosierung zu verstehen:
- Verzögerter Wirkeintritt: Die Wirkung tritt erst nach 30 bis 120 Minuten ein. Ungeduldiges Nachdosieren ist sehr gefährlich und führt oft zu starken Überdosierungen.
- "Start low, go slow": Internationale Leitfäden zur sicheren Anwendung von Cannabis Edibles empfehlen für unerfahrene Personen eine theoretische Anfangsdosis von maximal 2,5 bis 5 mg THC. Es ist essenziell, nach einer solchen eingenomenen Dosis mindestens zwei Stunden (besser drei) zu warten, um die volle Wirkung abzuschätzen, bevor eine weitere Einnahme überhaupt in Erwägung gezogen wird.
- Unbekannte Stärke: Bei selbst hergestellten Produkten ist die genaue Konzentration unbekannt. Daher sollte die erste Dosis immer weit unter der geschätzten Zieldosis liegen, um die Potenz des Produkts sicher zu testen.
- Risiken einer Überdosierung: Eine zu hohe Dosis kann schwere Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit, Verwirrung, Bewusstseinsveränderung, intensive Angst und Panikattacken und damit Gefahren in vielen Alltagssituationen wie im Straßenverkehr mit sich bringen.
Theoretische Berechnung (nur als grober Anhaltspunkt)
Wenn du 10 g Cannabis mit 20 % THC-Gehalt in 200 ml Öl extrahierst, enthält das gesamte Öl theoretisch bis zu 2.000 mg THC – bei angenommener vollständiger Extraktion. Pro Milliliter wären das etwa 10 mg THC. In der Praxis liegt die Extraktionseffizienz jedoch bei 40–60 %, sodass der tatsächliche Gehalt niedriger ist (1).
Für welche Anwendungen eignet sich Cannabis-Öl?
Selbst hergestelltes Cannabisöl kann auf verschiedene Arten verwendet werden. Die Anwendungsform beeinflusst, wie schnell und wie viel der Wirkstoffe ins System gelangen.
Sublinguale Einnahme (unter der Zunge)

Das Öl wird unter die Zunge getropft und dort 60–90 Sekunden gehalten. Bei dieser Methode können die Wirkstoffe teilweise direkt über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen werden, ohne den Umweg über den Magen-Darm-Trakt zu nehmen.
Studien zeigen, dass die sublinguale Bioverfügbarkeit von Cannabinoiden bei etwa 12–35 % liegen kann, verglichen mit nur 4–20 % bei der oralen Aufnahme über den Magen (6). Das bedeutet:
Eine neuere Studie (2023) fand heraus, dass CBD-Öl, das sublingual verabreicht wurde, in der Praxis oft geschluckt wird, bevor eine vollständige Absorption über die Mundschleimhaut stattfindet. Die tatsächlichen Unterschiede können daher geringer sein als theoretisch angenommen (7).
Wichtig!
Bei sublingualer Aufnahme können mehr Wirkstoffe schneller ins System gelangen als beim Schlucken. Wer das Öl lange im Mund behält (z. B. 2–3 Minuten statt 60 Sekunden), absorbiert potenziell mehr THC über die Mundschleimhaut. Die Wirkung kann bereits nach 15–30 Minuten einsetzen, deutlich schneller als bei geschluckten Edibles.
Orale Einnahme (Schlucken)
Beim Schlucken des Öls durchlaufen die Cannabinoide den Magen-Darm-Trakt und werden in der Leber verstoffwechselt (First-Pass-Metabolismus). Dabei wird THC teilweise zu 11-Hydroxy-THC umgewandelt, einem Metaboliten, der als stärker psychoaktiv gilt als THC selbst (6). Auch hier sollte man die allgemeinen Dosierungshinweise beachten.
In der Küche
Cannabis-Öl kann zum Verfeinern von Speisen verwendet werden, etwa in Salatdressings, über Pasta oder in Smoothies. Das Öl sollte nicht stark erhitzt werden, da hohe Temperaturen die Cannabinoide zerstören können.
Topische Anwendung
Manche Nutzer verwenden Cannabis-Öl zur äußeren Anwendung auf der Haut. Hierfür eignen sich besonders Kokosöl oder Olivenöl als Träger, da sie hautpflegende Eigenschaften haben.
Welche Rolle spielen Terpene und die Cannabissorte?
Neben Cannabinoiden werden aus den Cannabisblüten bei der Öl-Extraktion auch Terpene aus dem Pflanzenmaterial gelöst. Terpene sind aromatische Verbindungen, die für den charakteristischen Geruch und Geschmack der verschiedenen Cannabissorten verantwortlich sind. Dadurch hängt der Geschmack des fertigen Öls hängt nicht nur vom Trägeröl ab, sondern auch von der verwendeten Cannabissorte.
Terpene beeinflussen das Aroma
Jede Cannabissorte besitzt ein einzigartiges Terpenprofil: Limonen verleiht zitrusartige, frische Noten. Myrcen sorgt für erdige, moschusartige Aromen. Pinen erzeugt einen pinienartigen, waldigen Geschmack. Linalool bringt blumige, lavendelartige Nuancen.

Je nach gewählter Sorte kann das fertige Cannabisöl also fruchtig-frisch, erdig-herb oder würzig-waldig oder auch ganz anders schmecken. Verschiedene Cannabissorten können ein ganzes Spektrum an Terpene und damit Armenprofil aufweisen, hier gibt es einen großen Spielraum für Variationen.
Der Entourage-Effekt: Mehr als nur Aroma?
Terpene könnten auch mehr als nur Aromastoffe sein. Der Neurologe Dr. Ethan Russo beschrieb 2011 in einer einflussreichen Übersichtsarbeit die sogenannte Entourage-Hypothese (8). Demnach könnten Terpene und Cannabinoide synergistisch zusammenwirken, sich also in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken oder modulieren.
Einige Beispiele, die diskutiert werden: Myrcen könnte die Aufnahme von Cannabinoiden ins Gehirn erleichtern. Linalool wird eine beruhigende Wirkung zugeschrieben und β-Caryophyllen interagiert möglicherweise direkt mit dem Endocannabinoid-System.
Wichtig!
Die wissenschaftliche Evidenz für diese Synergien ist noch sehr begrenzt und beschränkt sich auf präklinische Studien. Dennoch legt die Entourage-Hypothese nahe, dass die Wahl der Cannabissorte nicht nur den Geschmack, sondern möglicherweise auch die Wirkqualität des Öls beeinflussen kann.
Welche Risiken und Nebenwirkungen sind möglich?
| Mögliche Nebenwirkungen | Risikofaktoren |
| Schwindel und Benommenheit, Mundtrockenheit, Veränderte Wahrnehmung, Angst oder Unruhe (besonders bei Überdosierung) Übelkeit, Erhöhter Herzschlag | Überdosierung durch ungenaue Dosierung Nachdosieren vor Wirkungseintritt, Unterschätzen der höheren Bioverfügbarkeit bei sublingualer Einnahme, Kombination mit Alkohol oder anderen Substanzen, Teilnahme am Straßenverkehr |
Fazit
Die Extraktion von Cannabis in Öl ist eine der zugänglichsten Methoden, um Cannabinoide verfügbar zu machen. Im Vergleich zu Lösungsmittel-Extraktionen ist sie sicher und erfordert keine spezielle Ausrüstung. Entscheidend für den Erfolg sind die korrekte Decarboxylierung und die Temperaturkontrolle während der Extraktion.
Die Wahl des Trägeröls beeinflusst das Endprodukt: MCT-Öl wird schneller absorbiert und ist geschmacksneutral, Kokosöl bietet ähnliche Vorteile und wird bei Raumtemperatur fest, Olivenöl ist der bewährte Klassiker mit längerem Haltbarkeitsdatum.
Die größte Herausforderung bleibt die Dosierung, da ohne Laboranalyse der Wirkstoffgehalt unbekannt ist. Wer sich zur Eigenherstellung entscheidet, sollte mit minimalen Mengen beginnen, geduldig sein und die Wirkung dokumentieren. Besondere Vorsicht ist bei der sublingualen Einnahme geboten, da hier mehr Wirkstoff schneller ins System gelangen kann.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine Rechtsberatung noch eine Aufforderung zum Konsum oder zur Herstellung dar. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Gewähr übernommen.
Quellen
- Hazekamp, A. u. a. (2013): Cannabis oil: chemical evaluation of an upcoming cannabis-based medicine. Cannabinoids 1(1), S. 1–11.
- Fukui, E. u. a. (1989): Enhancing effect of medium-chain triglycerides on intestinal absorption of d-alpha-tocopherol acetate from lecithin-dispersed preparations in the rat. Journal of Pharmacobio-Dynamics 12(2), S. 80–86.
- Zgair, A. u. a. (2016): Dietary fats and pharmaceutical lipid excipients increase systemic exposure to orally administered cannabis and cannabis-based medicines. American Journal of Translational Research 8(8), S. 3448–3459.
- Chen, Y. u. a. (2023): Digestion behavior, in vitro and in vivo bioavailability of cannabidiol in emulsions stabilized by whey protein-maltodextrin conjugate: Impact of carrier oil. Colloids and Surfaces B: Biointerfaces 223, 113144.
- Wang, M. u. a. (2016): Decarboxylation Study of Acidic Cannabinoids: A Novel Approach Using Ultra-High-Performance Supercritical Fluid Chromatography. Cannabis and Cannabinoid Research 1(1), S. 262–271.
- Huestis, M. A. (2007): Human Cannabinoid Pharmacokinetics. Chemistry & Biodiversity 4(8), S. 1770–1804.
- Kaufmann, R. u. a. (2023): Cannabidiol Oil Ingested as Sublingual Drops or Within Gelatin Capsules Shows Similar Pharmacokinetic Profiles in Healthy Males. Cannabis and Cannabinoid Research.
- Russo, E. B. (2011): Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. British Journal of Pharmacology 163(7), S. 1344–1364.










