
Inhaltsverzeichnis
Wichtigste Erkenntnisse
- THC-Gummibärchen können psychotrop (bewusstseinsverändernd) wirken, während CBD-Gummibärchen keine wesentliche bewusstseinsverändernde Wirkung haben.
- Die Decarboxylierung ist essenziell, um die Cannabinoide wie THCA und CBDA in ihre aktiven Formen THC und CBD umzuwandeln.
- Die Dosierung ist bei Edibles besonders wichtig, da die Wirkung verzögert einsetzt und deutlich länger anhält als beim Inhalieren.
- Gummibärchen lassen sich mit Cannabis-Öl oder -Tinktur einfach herstellen und bieten eine diskrete Konsumform.
- Eine vegane Variante mit Agar-Agar anstelle von Gelatine ist auch möglich.
Cannabis Gummibärchen sind eines der bekanntesten Edibles und lassen sich auch ziemlich leicht zu Hause selbst machen. Man kann sie sowohl mit dem Wirkstoff THC, als auch mit CBD oder beiden in Kombination herstellen. Die Zubereitung geht am schnellsten mit bereits aktivierten THC- oder CBD-Öl. Mit „aktiviert“ ist gemeint, dass die Wirkstoffe THC bzw. CBD bereits chemisch wirksam vorliegen. In der rohen Pflanze sind sie meist in der Säureform als THCA bzw. CBDA vorhanden und wirken erst nach einer Umwandlung (Decarboxylierung), bei der durch Wärme eine Carboxylgruppe abgespalten wird. Aktiviertes Öl enthält diese bereits umgewandelten, direkt wirksamen Formen THC und CBD.
In diesem Artikel erfährst du die theoretische Herstellung von Cannabis-Gummibärchen, sowie umfassende Informationen zur Dosierung aufgrund der Schadensminimierung und welche rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland gelten.
Wichtiger Hinweis
Die Herstellung von Cannabis-Edibles für den Eigenkonsum bewegt sich in Deutschland in einer rechtlichen Grauzone.
- Viele Fachanwälte für Strafrecht vertreten die Auffassung, dass auch die Herstellung für den Eigenkonsum nach § 34 KCanG strafbar ist. Aufgrund der ungeklärten Rechtslage empfehlen wir, sich vor einer Herstellung rechtlich beraten zu lassen und die Entwicklung der Rechtsprechung zu verfolgen.
- Im Sinne der Schadensminimierung (Harm Reduction) stellen wir aber präzise Informationen zur Verfügung, nicht als Aufforderung, sondern als Sicherheitsinformation für Personen, die sich bereits entschieden haben. Leider stellen viele Menschen Edibles ohne ausreichende Kenntnisse her, was oft zu ungleichmäßiger Verteilung des Wirkstoffs und zu Überdosierungen führt.
- Grundsätzlich sollte man unbedingt beachten, dass das Produkt oder Inhaltsstoffe des Produktes mit Cannabinoiden niemals in die Hände von Kindern oder Jugendlichen gelangen. Die akute Wirkung von Cannabis kann für diese situationsbedingt besonders gefährlich sein. Handle stets verantwortungsbewusst.
- Die Weitergabe von Cannabis-haltigen Lebensmitteln an Dritte, gewerblich oder auch privat, ist nach wie vor eindeutig verboten.
Der Unterschied zwischen THC- und CBD-Gummibärchen

Bevor die Herstellung erläutert wird, ist es wichtig, den fundamentalen Unterschied zwischen THC und CBD zu verstehen, da er die Wirkung der Gummibärchen maßgeblich bestimmt:
- THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) wirkt vorübergehend psychotrop, also bewusstseinsverändernd, und kann dein Denken, deine Stimmung und deine Wahrnehmung stark verändern.
- CBD (Cannabidiol) ist ein weiteres wichtiges Cannabinoid aus der Hanfpflanze, wird in der Regel aus Nutzhanf extrahiert und hat keine solche starke psychotrope Wirkung, kann aber auch in gewisser Hinsicht psychoaktiv sein, indem es unter anderem Einfluss auf die Stimmung haben kann.
Laut Verbraucherzentrale sind CBD-Produkte als Lebensmittel in Deutschland derzeit nicht legal verkehrsfähig, da ihnen eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) fehlt. Sie werden oft als Aromaöle oder Kosmetika verkauft, sind dann aber nicht zum Verzehr geeignet (1).
Die Herstellungsmethode ist für beide Varianten fast identisch, der entscheidende Unterschied liegt im verwendeten Ausgangsmaterial: THC-Öl aus THC-haltigem Cannabis oder CBD-Öl bzw. CBD Isolat aus CBD-reichem Hanf.
Decarboxylierung: Der erste Schritt vor jedem Rezept
Rohes Cannabis enthält die nicht-psychoaktive Säureform THCA. Um diese in das wirksame THC umzuwandeln, ist der Prozess der Decarboxylierung notwendig (2). Ohne diesen Schritt würde das Edible kaum eine psychoaktive Wirkung entfalten. Dieser Schritt ist sowohl für Blüten als auch für bestimmte Extrakte wie Rosin, der oft nur schwach aktiviert ist, unverzichtbar.

Wenn man Extrakt verwenden möchte, muss man unbedingt beachten, dass manche Extraktformen noch inaktiv sind, andere dagegen bereits in der aktivierten Form vorliegen. Grundsätzlich sind Extrakte schneller aktiviert als Blüten. Wer ein Extrakt nutzt, sollte sich unbedingt damit genau auskennen und den Prozess der Aktivierung daran anzupassen.
Mit bereits decarboxyliertem Produkten entfällt dieser Schritt. Eine detaillierte Anleitung zur Decarboxylierung findest du in unserem Artikel zum Kochen mit Cannabis.
Rezept 1: Vegane Cannabis-Gummibärchen mit Agar-Agar

Zutaten (für ca. 50 Stück)
- 100 ml Fruchtsaft
- 2 TL Agar-Agar oder Pektin (pflanzliches Geliermittel)
- 2 EL Agavendicksaft oder Isomalt (ohne Zucker)
- 0,5 TL Sojalecithin
- 1 Prise Zitronensäure
- 2-3 ml Cannabis-Öl (THC-Öl oder CBD-Öl)
Zubereitung
- Den Fruchtsaft und das Agar-Agar erwärmen. Wichtig: Agar-Agar muss kurz aufgekocht werden, um seine Gelierkraft zu entfalten. Anschließend Süßungsmittel, Zitronensäure und Sojalecithin hinzufügen.
- Vom Herd nehmen und das Cannabis-Öl gründlich unterrühren.
- Agar-Agar geliert schneller als Gelatine! Arbeite zügig beim Befüllen der Formen, da die Masse sonst zu schnell fest wird.
- Die veganen Cannabis-Gummibärchen sind bereits nach 1-2 Stunden im Kühlschrank fest.
- In einem luftdichten Behälter im Kühlschrank aufbewahren (1-2 Wochen haltbar).
Hinweis: Diese vegane Variante hat eine etwas festere Konsistenz als Gelatine-Gummibärchen, ist aber geschmacklich genauso gut.
Rezept 2: THC- oder CBD-Gummies mit Gelatine

Dieses Rezept mit Gelatine funktioniert sowohl mit THC-Öl als auch mit CBD-Öl. Die Zutaten findet man in fast jedem Supermarkt. Statt der Götterspeise kann man auch herkömmliche Gelatine oder halal Rindergelatine verwenden.
Zutaten (für ca. 50 Stück)
- 100 ml Fruchtsaft (z.B. Kirsche, Orange oder Traube) – alternativ mit Erdbeeraroma für den Geschmack
- 1 Packung Götterspeise (für ca. 500 ml Flüssigkeit)
- 2 EL Honig, Zucker oder Agavendicksaft (optional, für mehr Süße)
- 0,5 TL Sojalecithin (als Emulgator, damit sich Öl und Wasser verbinden)
- 1 Prise Zitronensäure (für die Haltbarkeit)
- THC-Öl, zum Beispiel MCT-Öl, oder CBD-Öl
Materialien
- 1 kleiner Topf
- 1 Schneebesen
- Gummibärchen-Silikonformen
- 1 Pipette oder kleine Spritze zum Befüllen
Zubereitung
- Den Fruchtsaft in einen kleinen Topf geben und bei niedriger Hitze leicht erwärmen (nicht kochen). Die Götterspeise einrühren, bis alles klumpenfrei gelöst ist. Honig (optional), Zitronensäure und Sojalecithin hinzufügen.
- Den Topf vom Herd nehmen und das THC-Öl oder CBD-Öl sorgfältig unterrühren. Eine gleichmäßige Verteilung ist entscheidend für eine konsistente Dosierung.
- Die Flüssigkeit mit einer Pipette in die Silikonformen füllen.
- Die Formen für mindestens 2-3 Stunden in den Kühlschrank stellen und aushärten lassen.
- Deutlich mit "THC" und Datum beschriften und in einem luftdichten Behälter kindersicher im Kühlschrank aufbewahren (1-2 Wochen haltbar).
Rezept 3: Cannabis-Gummibärchen durch Einschmelzen (die schnellste Methode)

Diese Methode ist eine schnelle Methode, bei der man keine weiteren Zutaten wie Gelatine oder Agar-Agar einzeln abmessen muss.
Zutaten (für ca. 50 Stück)
- 200 g fertige Gummibärchen (ohne CBD oder THC)
- THC-Öl oder CBD-Öl
- 0,5 TL Sojalecithin (optional, für bessere Verteilung des Öls)
Zubereitung
- Die Gummibärchen in eine hitzebeständige Schüssel geben und über einem Wasserbad bei niedriger Hitze langsam schmelzen lassen (nicht kochen!). Regelmäßig umrühren, bis eine gleichmäßige, flüssige Masse entsteht.
- Die Schüssel vom Herd nehmen und das decarboxilierte THC-Öl oder CBD-Öl sowie das Sojalecithin gründlich unterrühren. Eine gleichmäßige Verteilung ist wichtig für eine konsistente Dosierung.
- Die Masse zügig mit einer Pipette in Silikonformen füllen, da sie schnell wieder fest wird.
- Die Formen für 1-2 Stunden in den Kühlschrank stellen.
- Deutlich mit "THC" und Datum beschriften und kindersicher in einem luftdichten Behälter im Kühlschrank aufbewahren.
Dosierungshinweise für Gummibärchen: Langsam starten und geduldig sein

Aus Gründen der Schadensminderung ist es unerlässlich, die Prinzipien einer sicheren Dosierung zu verstehen:
- Verzögerter Wirkeintritt: Die Wirkung von Edibles tritt erst nach 30 bis 120 Minuten ein. Ungeduldiges Nachdosieren ist sehr gefährlich und führt oft zu starken Überdosierungen. Im Gegensatz zur Inhalation, bei der THC direkt ins Blut gelangt, wird es bei Edibles zunächst im Magen und Darm aufgenommen. THC wird in der Leber zu 11-Hydroxy-THC metabolisiert, einer Substanz, die möglicherweise potenter ist und für eine intensivere Wirkung sorgen könnte (3,4).
- "Start low, go slow": Internationale Leitfäden zur sicheren Anwendung von Cannabis Edibles empfehlen für unerfahrene Personen eine theoretische Anfangsdosis von maximal 2,5 bis 5 mg THC. Es ist essenziell, nach einer solchen eingenomenen Dosis mindestens zwei Stunden (besser drei) zu warten, um die volle Wirkung abzuschätzen, bevor eine weitere Einnahme überhaupt in Erwägung gezogen wird.
- Unbekannte Stärke: Bei selbst hergestellten Produkten ist die genaue Konzentration unbekannt. Daher sollte die erste Dosis immer weit unter der geschätzten Zieldosis liegen, um die Potenz des Produkts sicher zu testen.
- Risiken einer Überdosierung: Eine zu hohe Dosis kann schwere Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit, Verwirrung, Bewusstseinsveränderung, intensive Angst und Panikattacken und damit Gefahren in vielen Alltagssituationen wie im Straßenverkehr mit sich bringen (5).
Grobe Berechnung des THC-Gehalts

Die folgende Berechnung dient ausschließlich als grobe Schätzung. Der tatsächliche THC-Gehalt kann je nach Ausgangsmaterial, Decarboxylierung, der Extraktionsmethode und weiteren Faktoren wie dem Zustand der Sättigung bei der Einnahme der Gummibärchen, z.B. vor oder nach einer Mahlzeit, deutlich abweichen.
Berechnung mit selbst hergestelltem Cannabis-Öl aus Blüten
Bei der eigenen Herstellung von Cannabis-Öl aus Blüten ist es sinnvoll, mit einem Verlust von etwa 30% durch Decarboxylierung und Extraktion zu rechnen.
- Menge Cannabis: 2,5 g = 2.500 mg
- THC-Gehalt der Blüten: 15% THC 375 mg (theoretisch)
- Verlust bei Decarboxylierung und Extraktion (ca. 30%): 750 mg × 0,7 = 262,5 mg THC gesamt im Öl
- Anzahl Gummibärchen: 50 Stück
- THC-Gehalt pro Gummibärchen: 262,5 mg ÷ 50 = 5,25 mg THC pro Stück
Fazit
Die Herstellung von THC- und CBD-Gummis zu Hause ist leichter, als du denkst, wenn du dich richtig vorbereitest. Von Rezepten mit Gelatine, veganen Geliermitteln bis hin zu einer einfachen Variante mit Einschmelzen gibt es viele Möglichkeiten, Cannabis in Gummibärchen zu verarbeiten.
Besondere Sorgfalt ist zum einen bei der Zubereitung, insbesondere der Decarboxylierung, und zum anderen bei der Dosierung der Gummibärchen geboten. Denke deswegen immer an einen verantwortungsvollen Umgang und eine sichere Aufbewahrung.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Anwendung von Cannabisprodukten zu therapeutischen Zwecken sollte nur in Absprache mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal erfolgen. Zudem dient dieser Artikel ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine Rechtsberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Konsum von Cannabis dar. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Gewähr übernommen.
Quellen
- Wang, M. et al. (2016): Decarboxylation Study of Acidic Cannabinoids: A Novel Approach Using Ultra-High-Performance Supercritical Fluid Chromatography/Photodiode Array-Mass Spectrometry. Cannabis and Cannabinoid Research 1(1), S. 262-271.
- Schwilke, E.W. et al. (2009): Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC), 11-Hydroxy-THC, and 11-Nor-9-carboxy-THC Plasma Pharmacokinetics during and after Continuous High-Dose Oral THC. Clinical Chemistry 55(12), S. 2180-2189.
- Barrus, D. G., Capogrossi, K. L., Cates, S. C., Gourdet, C. K., Peiper, N. C., Novak, S. P., Lefever, T. W., & Wiley, J. L. (2016). Tasty THC: Promises and challenges of cannabis edibles. Methods Reports RTI Press, 2016.
- Zagzoog, A. et al. (2024): The Intoxication Equivalency of 11-Hydroxy-Δ39-Tetrahydrocannabinol. The Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics 391(3), S. 364-373.
- Lunn, S. et al. (2019): Human Pharmacokinetic Parameters of Orally Administered Δ39-Tetrahydrocannabinol Capsules Are Altered by Fed Versus Fasted Conditions and Sex Differences. Cannabis and Cannabinoid Research 4(4), S. 255-264.
- Verbraucherzentrale. CBD-Öl legal auf dem Markt?










